Papa Roach - The Paramour Sessions - Cover
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Papa Roach The Paramour Sessions


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus der „schonungslosesten, fiesesten Platte überhaupt“ ist ein mainstreamorientiertes Rockalbum geworden.

Die kalifornische Band Papa Roach erhielt gleich nach ihrem Indie-Longplay-Debüt „Old Friends From Young Years“ (1997) einen Major-Vertrag bei DreamWorks, später Geffen Records (beide Labels gehören zum Universal-Konzern), weil ihr Sound perfekt in die Zeit passte und im aufkeimenden Nu-Rock- bzw- Nu-Metal-Fieber hervorragend zu vermarkten war. Mit Hits wie „Last resort“, „Scars“ und „Broken home“ ebneten Jacoby Shaddix (Gesang), Jerry Horton (Gitarre), Tobin Esperance (Bass) und Dave Buckner (Drums) den Weg zu inzwischen mehr als 10 Millionen verkauften Alben, auch wenn diese eine mitunter stark schwankende Qualität haben. Dieses Manko kann das als starke Live-Band bekannte Quartett aber bis heute problemlos wettmachen.

Das vierte Majoralbum von Papa Roach wurde zwischen Oktober 2005 und Februar 2006 in der berühmten Paramour Mansion in den Hollywood Hills aufgenommen. Dabei handelt es sich um die umgebaute Villa des Erstbesitzers Antonio Moreno – einem Stummfilmstar der 20er Jahre – die später als Mädchenschule und Kloster genutzt und Ende der 90er Jahre zu einem modernen Studiotempel umfunktioniert wurde, in dem u.a. schon Fiona Apple, Gwen Stefani, HIM oder Sarah McLachlan Platten aufnahmen. Hier verkrochen sich Papa Roach für ein paar Monate mit Produzent von Howard Benson (Hoobastank, My Chemical Romance, P.O.D.), um ganz in Ruhe an neuen Songs zu basteln. Dazu Sänger Jacoby Shaddix: „Wir zogen also in die Villa, und unser einziger Plan war, die schonungsloseste, fieseste Platte überhaupt aufzunehmen. Als wir aber schließlich eingezogen waren, bemerkten wir schon bald, dass das Gebäude eine Aura hat, die stärker war als unsere Pläne. Schon bei der ersten Jam-Session wurde uns klar, dass etwas ganz Außergewöhnliches, etwas völlig Unerwartetes abging. Noch nie zuvor hatten wir sechs, sieben Stunden am Stück Musik gemacht – hier aber konnten wir nicht anders! Wir mussten einfach alle Kreativ-Schleusen aufreißen und loslegen!“

Aus der „schonungslosesten, fiesesten Platte überhaupt“ ist ein mainstreamorientiertes Rockalbum geworden, das Jacoby Shaddix sehr treffend beschreibt: „Unser zentrales Anliegen ist das Schreiben von Songs, die einen zum Mitsingen bewegen. Wir haben schon immer versucht, unseren Weg zwischen Metal, Hardcore, Punkrock und Pop zu finden. Es geht nicht um harte Sounds, die einfach nur brachial klingen (...), sondern um harte Songs, die man mitsingen will, weil eben noch ein Quäntchen Pop mit im Spiel ist“. Für soviel Ehrlichkeit gebührt dem Herrn ein großes Lob, denn mit ihrem extrem eingängigen Hardrock rufen Papa Roach gewiss wieder die selbsternannte Szenepolizei auf den Plan. Dabei ist „The Paramour Sessions” nicht mehr und nicht weniger als ein perfekt produziertes Album mit sofort ins Ohr gehenden Refrains, die zwar nicht an einen Übersong wie „Last resort“ herankommen, aber auch nicht weit davon entfernt sind. Jedenfalls entsprechen hochkarätige Tracks wie „No more secrets“, „Reckless“ und „Time is running out“, um nur eine kleine Auswahl zu nennen, der hohen Schule des Hitsingleschreibens.

Papa Roach gehen sogar noch weiter, indem sie mit „What do you do?“ eine Hommage an die Könige des 80er-Jahre-Pop-Hardrock, Def Leppard, abliefern. Zumindest klingt der Song so, wie Def Leppard seit gefühlten 15 Jahren nicht mehr geklungen haben: Richtig gut! Totaler überflüssiger Schmonz ist dagegen „Roses on my grave”, ein von Streichern zugekleistertes Pseudo-Dramatik-Liedchen, das Howard W. Roatch, dem verstorbenen Großvater von Sänger Jacoby Shaddix, gewidmet ist. Aber als außer der Reihe stehender Schlusstrack fließt dieser Ausrutscher nicht weiter in die Bewertung ein. Diese kommt zu folgendem Fazit: Wer auf hymnischen Hard- bzw. Nu-Rock steht, ist hier genau richtig!

Anspieltipps:

  • Forever
  • Reckless
  • What do you do?
  • Time is running out
  • I devise my own demise
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