Fury In The Slaughterhouse - Every Heart Is A Revolutionary Cell - Cover
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Fury In The Slaughterhouse Every Heart Is A Revolutionary Cell


  • Label: SPV Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Entweder ist das Sextett sehr faul geworden oder die künstlerische Begabung abhanden gekommen.

Ihren Durchbruch hatten Fury In The Slaughterhouse Ende der 80er, Anfang der 90er und mit dem Album „Mono“ konnten sie sogar in den internationalen Charts mitmischen. Danach begann allerdings die kommerzielle Stagnation und nur mehr Fans waren an den im 2-Jahresrhythmus veröffentlichten Scheiben interessiert. Nach dem letzten regulären Studiooutput „Nimby“ (2004), der Akustik-Scheibe „Acoustic grand cru classé“ (2005) und der Wiederveröffentlichung einiger alten Alben auf eigenem Label „Kick it out“, die als Kaufanreiz mit Bonusmaterial versehen wurden, erscheint nun „Every heart is a revolutionary cell“. „Dies ist eine vollkommen interne Platte, die mit Absicht fast so etwas wie Demo-Flair versprüht. Es gibt keine ordnende Hand auf dieser Scheibe und genau das soll man auch hören“ offenbart Thorsten Wingenfelder, seines Zeichens Gitarrist der Band. Gemeinsam mit seinem Bruder Kai Wingenfelder (Gesang) und seinen Kollegen Christof Stein-Schneider (Gitarre), Rainer Schumann (Schlagzeug), Christian Decker (Bass) und Gero Drnek (Keyboard, Gitarre, Mandoline) versucht er ein weiteres Mal an die alten Erfolge anzuschließen.

Nach der ersten Minute vom Auftakt von „As long as you believe in me“ gibt es allerdings bereits das erste Stirnrunzeln bezüglich der Existenzberechtigung des Songs, der auf musikalischer Ebene durch eine ernüchternde Beliebigkeit und lyrisch vor allem durch einen grässlichen, an Bon Jovi erinnernden Refrain dominiert wird. Bei „Tinkerbell“ wird es eine Spur besser, dafür vermasseln sich die Jungs mit der in keiner Weise interessanten, Country angehauchten Nummer „Homesick“ wieder alles und „Here we go“ gibt außer seiner penetranten Radiotauglichkeit nichts preis. Der erste etwas härtere Track ist „Nothing to go“, wieso die sechs Hannoveraner allerdings gegen Ende lauthals „Leckt uns alle am Arsch“ singen, bleibt dem Hörer genauso verschlossen wie der eigentliche Sinngehalt des Songs, der vor Publikum unter Umständen Stimmung macht, auf Platte jedoch eine hoffnungslose 08/15-Rocknummer darstellt. Einen Anwärter für den nächsten Kindergeburtstag stellt „Hippy happy“ dar und ab „Gold“ ist sowieso die Luft draußen und ein tempoarmer, langweiliger Song reiht sich an den nächsten.

Wen Fury In The Slaughterhouse mit „Every heart is a revolutionary cell“ ansprechen wollen ist bereits vor dem ersten, kompletten Durchgang klar: Den anspruchslosen Radiohörer, der die Scheibe genauso wie seinen Lieblingssender nebenher laufen lassen kann ohne von der Musik mitgerissen oder angetan zu werden. Ein paar kleine, hartnäckige Ohrwürmer wie „Deborah“ gibt es zwar, da die Halbwertszeit dieser Stücke aber dermaßen gering ist, kann nur von einem blinden Huhn die Rede sein, dass zufällig auf ein Korn gestoßen ist. „Die Kunst besteht darin zu erkennen, wann ein Song fertig ist. Verpasst man den richtigen Zeitpunkt, ist der Weg zurück sehr mühsam“, soll Wingenfelder im Zuge der Aufnahmearbeiten gesagt haben. Angesichts des dürftigen Materials lässt sich daraus herableiten, dass das Sextett entweder sehr faul geworden oder die künstlerische Begabung abhanden gekommen ist. Anders lässt sich diese Enttäuschung nämlich schwer rechtfertigen.

Anspieltipps:

  • Deborah
  • Tinkerbell
  • Hippy Happy
  • Nothing To Go
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