Diverse - Bossa N´ Stones - Cover
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Diverse Bossa N´ Stones


  • Label: Chet Rec./SonyBMG
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Sommer 2006. Ganz Deutschland befindet sich im kollektiven Fußballrausch. Das Wetter ist hervorragend und Rudi Völlers ehemalige Rumpelfüßler sind unter Klinsi zu gefeierten Offensivspielern geworden. Zum Weltmeister hat es zwar nicht gereicht. Aber bevor es die deutsche Elf im Halbfinale aus dem Turnier kegelte, waren die Spieler hoch gehandelter Nationen wie Argentinien, Holland, England, Spanien und Brasilien schon längst zurück in ihre Heimat, bzw. an exotische Urlaubsorte gereist, wo sich die Millionäre erholen auf mental auf die nächste Saison vorbereiten können.

Da liegen sie nun unter Palmen am Meer, die Beckhams und Ronaldos dieser Welt. Haben ein Glas Caipirinha in der Hand und lassen sich verwöhnen. Der salzige Geruch des Meeres liegt in der Luft und feurige Schönheiten benutzen den Strand als Catwalk. Dazu tröpfeln sinnliche Easy-Listening-Klänge aus versteckten Lautsprechern und die Gedanken schweifen ganz weit weg. Der hochprozentige Drink zeigt seine Wirkung und die Schmach des Scheiterns ist ganz schnell vergessen.

Was das alles mit der vorliegenden CD zu tun hat? Nun, „Bossa N’ Stones: The Bossa Songbook of The Rolling Stones“ liefert quasi den weichgespülten Soundtrack zum gepflegten Abhängen und Palmen. Dazu schnappte sich Miko Jackson (Argentinien) 12 bekannte Songs der Rolling Stones (England) und injizierte ihnen den Rhythmus und das Lebensgefühl des Bossa Nova (Brasilien). Und so klingen ehemals hart rockende Stücke wie „Sympathy for the devil“ wie der akustische Schlafrock zum Caipirinha-Nebel. Wo sich einst Mick Jagger wie ein Pfau aufplusterte, werden die Verse nun mit weiblicher Laszivität sexy dahingehaucht. Die Lieder tropfen entspannt – maximal als Hintergrundbeschallung tauglich – auf den Hörer ein und erzeugen lässiges Sommer-Sonne-Urlaubsfeeling. Nicht mehr und nicht weniger.

In Brasilien und Argentinien ist das Konzept schon vor Monaten voll aufgegangen und wurde jeweils mit Platz 1 in den Album-Charts belohnt. Inzwischen existiert bereits eine Fortsetzung. Soweit sind wir allerdings noch nicht. Aber vielleicht wird diese Idee auch bei uns ein Erfolg, wobei Stones-Puristen gar nicht erst über den tieferen Sinn dieser Songsammlung nachdenken sollten, auf der großartige Klassiker wie „Ruby tuesday“, „Wild horses“, „Angie“ und „Let’s spend the night togeter“ mit der Easy-Listening-Keule niedergestreckt und in eine (gefühlte) Endlosschleife der guten Laune transferiert werden.

Also nicht vom geschickt an das „Sticky Fingers“-Cover angelehnte Motiv von „Bossa N’ Stones“ auf die falsche Fährte locken lassen. Es sei denn, dein Caipirinha-Rausch verlangt es von dir…

Anspieltipps:

  • Angie
  • Fool to cry
  • Wild horses
  • Harlem shuffle
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