Oasis - Stop The Clocks - Cover
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Oasis Stop The Clocks


  • Label: Epic/SonyBMG
  • Laufzeit: 90 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Gallagher-Brüder halten sich für die größten Rockstars aller Zeiten. Sie dürfen machen was sie wollen und mit ihren Sturköpfen durch Mauern rennen und überall anecken – es war ihnen immer verziehen. Allerdings nur solange, wie sie einen genialen Song nach dem anderen veröffentlichten. Als die Kreativität irgendwann Ende der 90e Jahre nachließ, war es für viele aus mit der Freundschaft. Das arrogant-überhebliche Verhalten der größenwahnsinnigen Herren Liam (34) und Noel (39) Gallagher erntete nur noch Kopfschütteln und die Plattenverkäufe gingen zurecht dramatisch in den Keller.

Schuld daran war, wie könnte es auch anders sein, das Plattenlabel. Mit diesem wollten die Gallaghers nun nichts mehr zu tun haben und ließen ihren Vertrag nach dem letzten Album „Don’t Believe The Truth“ (05/2004) auslaufen. Blöd nur, wenn man nicht die Rechte an den eigenen Songs besitzt und das alte Label seelenruhig ein „Greatest His“-Album unters Volk bringen möchte – etwas, was Oasis nie im Leben machen wollten. Lieber hätte Mastermind Noel Gallagher die Band aufgelöst. Und nun das. Also machte er aus der Not eine Tugend und übernahm die Zusammenstellung der gewünschten Kopplung. Allerdings auf seine ureigene Art und Weise, die wiederum für Erstaunen und Entrüstung sorgen wird. Bruder Liam (Zitat Noel: „Das faule Schwein“) beteiligte sich übrigens nicht an der Arbeit, wie auch der Rest der Band, von dem man nicht weiß, ob er überhaupt noch dazu gehört.

Was hat er getan, der gute Noel? Er pflückte sich 18 Songs aus dem sechs Studioalben umfassenden Katalog, sparte dabei das 1997er Werk „Be Here Now“ komplett aus und ließ mal eben drei UK-Nummer-1-Hits weg („D’you know what I mean“, „All around the world“, „Hindu times“). Hallo??? Man ahnt es, das Schlucken in der Chefetage von SonyBMG muss dem Bandchef eine diebische Freude bereitet haben. Ersatzweise wurden Single-B-Seiten wie „Talk tonight“ und „Acquiesce“ von „Some might say“ (04/1995) sowie „Half the world away“ von „Whatever“ (12/1994) verbraten, obwohl es mit „The Masterplan“ (11/1998) bereits eine B-Seiten-Sammlung gibt, sowie ein paar persönliche, als Single ausgekoppelte Album-Favoriten hinzugefügt („The importance of being idle“), darunter auch „Songbird“ aus der Feder von Bruder Liam.

Der Namensgeber für „Stop The Clocks“ ist der Titel eines unveröffentlichten Oasis-Songs. Doch weder dieser, noch andere Raritäten oder nagelneue Stücke haben den Weg auf das Doppelalbum gefunden. Zu verschenken haben die Gallaghers nichts mehr an ihre alte Firma. Die Fans müssen darunter leiden und dürfen den Sinn dieser erzwungenen Kopplung durchaus anzweifeln. Das macht auch eine Bewertung sehr schwer. Denn die Songs auf „Stop The Clocks“, angefangen beim Opener „Rock’n’roll star“, bis hin zum krönenden Abschluss mit „Don’t look back in anger“ sind ausnahmslos gut bis sehr gut. Doch was soll der Fan mit einer Platte anstellen, die den verantwortlichen Künstlern scheißegal zu sein scheint? Die Gallaghers waren und sind eben verrückte Genies.

Anspieltipps:

  • Lyla
  • Acquiesce
  • Wonderwall
  • Live forever
  • Morning glory
  • Rock’n’roll star
  • Half the world away
  • Don’t look back in anger
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