Kira - Goldfisch - Cover
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Kira Goldfisch


  • Label: Grönland/EMI
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man eine große Stadt gewöhnt ist, dann ist man selbstverständlich verwöhnt, was Plattenläden und neue Veröffentlichungen angeht. In einer kleinen Nordstadt ist gerade mal ein Exemplar von Kiras neuem Album „Goldfisch“ angekommen, obwohl sich die Künstlerin zwei Wochen zuvor als Support von Bosse in die Herzen der Braunschweiger gespielt hat. Mit ihrem unbeschreiblichen Charme und ihrer wunderbar direkten Stimme hat sie sogar dem Hauptakt die Show und den Atem gestohlen. Nun liegt Kiras zweites Album vor und wie man immer so schön sagt, das zweite Album ist das schwierigste.

Gerade das liegt einem schwer im Magen, wenn man das Debütalbum „Inauswendig“ liebt und dann den Opener „Deine Leine“ hört: Musikalisch zu durchschaubar, der Text fließt durch die Ohren, verankert sich nicht, zu viel Hall auf der Stimme. Ja, die Stimme, ihr Ausdruck bleibt der einzige Reiz an dem Lied. Doch glücklicherweise ist „Deine Leine“ der einzige Fehltritt der jungen Hamburgerin. Die Single „Wenn du den Himmel nicht aufmachst“ bleibt dagegen in alter Tradition zu dem ersten Album und ist auch der einzige Song, der an das Debütalbum erinnert. Zudem ist der Song auch thematisch die schlagende Brücke zwischen den beiden Alben. Der Song handelt davon, dass man nicht immer weiß, wie etwas weitergeht und genau in dieser Situation befindet sich Kira: Das erste Album war das introvertierte „Best Of“ der Gefühlswelt der gebürtigen Wuppertalerin, das sich im Laufe der Jahre angesammelt hat. „Goldfisch“ ist nun eine neue Welt, schnell geschriebene Songs, ein Schnappschuss auf die Welt wie Kira sie sieht und die Frage ist, wie wird der Hörer diese neue Art aufnehmen.

Doch Songs wie „Nie zu hause“ machen den Übergang zum zweiten Album leicht. Der Song mit der Essenz, dass man mal Innehalten muss, ist wie einst „Filter“ die Rocknummer des Albums mit krachenden Gitarren und einem unverkennbar hymnischen Refrain. Doch erst mit „Wenn die Sonne schräg steht“ beginnt einen „Goldfisch“ einzusaugen, wie es „Inauswendig“ damals gemacht hat. Mit seinem leichtfüßigen Refrain und der melodiebezogenen Instrumentierung zieht Kira einen mit Zeilen wie „Wo immer wir auch landen / ich bin einverstanden / es kann nichts passieren / wir werden nichts verlieren / wenn die Sonne schräg steht“ in den Bann. Auch „Rettungsboot“ schafft dies ohne Zweifel mit seiner fabelhaften Akkordeonmelodie und Kiras bemerkenswertem Talent Geschichten zu erzählen und Refrains mit Gänsehaut zu schreiben. Und spätestens wenn die Musik einen Moment inne hält und Kira „Ich bin dein Rettungsboot“ singt, wird einem klar, dass man auch in Zukunft noch viel von Kira hören möchte und wird.

Wie das Debütalbum „Inauswendig“ aus dem Jahr 2004 ist auch „Goldfisch“ auf dem Label „Grönland“ von Herbert Grönemeyer erschienen. Grönemeyer stand Kira auch diesmal mit Rat und Tat zur Seite und hat mit ihr an „Shakespeare“ gearbeitet. „Fast wie Sommer“, sicherlich so (single-)hitverdächtig wie „Nie zu hause“, beeindruckt mit seinen treibenden Drums und ist das ideale Lied, dass an einem viel zu heißem Tag unter einem Baum im Park aus dem Ghettoblaster ertönt. Aber noch chilliger geht es eigentlich nur noch mit „So wie jetzt“. Sehr Jack Johnson-artig kommt die Instrumentierung und der Beat daher und im Booklet hängt man an Kiras Lippen und sieht förmlich wie sie diesen wunderbaren Song singt.

Hat man beim Debütalbum noch kleine Schwächen bei dem Bedienen der Instrumente vernommen, ist nun alles perfekt eingespielt. „Goldfisch“ ist im ersten Teil guter, etwas zu beatlastiger Pop und im zweiten Teil ein fabelhaftes Album, das man gar nicht besser machen könnte. Und so freut man sich einfach nur, wenn man „Sicher bist du“ und den Titelsong „Goldfisch“ hört. Wie auch beim letzten Album verabschiedet sich Kira mit einer kleinen wunderbaren Ballade, die noch mal ihre fantastische Stimme betont und einen ruhig und zufrieden einschlafen lässt. Und man hat das Gefühl, man kennt Kira nun sowohl inauswendig als auch oberflächlich wie ein Goldfisch im Glas und man kann nicht anders als Kira zu mögen und streng zu hoffen, dass Kiras große Zeit sehr bald kommen wird!

Anspieltipps:

  • Wenn die Sonne schräg steht
  • Rettungsboot
  • Fast wie Sommer
  • So wie jetzt
  • Wir sind mehr
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