Kolkhorst - Wir Sind Größer - Cover
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Kolkhorst Wir Sind Größer


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus dem beschaulichen Studenten-Städtchen Lüneburg in Niedersachsen kommt Kai-Uwe Kolkhorst, der manchem Indie-Eingeweihten noch durch seine Funktion als Sänger der Band Besser bekannt sein dürfte. 2004 ging er jedoch unter die Solokünstler und veröffentlichte über das wohl liebevollste Label Hamburgs, Tapete Records, sein etwas obskur doch stilvoll betiteltes Debüt „Pizza Amore“, auf dem Kolkhorst seine druckvoll verzerrte E-Gitarre genauso unterbrachte wie den Drumcomputer und melodischen, in ihrer naiven Art betörenden analogen Synthesizern eine Heimat offerierte. Die Energie ist auf seinen sympathisch improvisierten Konzerten (gern auch mit Falco-Coverversionen, wobei dessen „Einzelhaft“ auf dem Erstling erschien), in denen der Rock-Faktor durch wuchtigere Sequenzen und die feedback-getränkte Gitarre um einiges erhöht wird, noch viel deutlicher zu spüren. Man meint, es stehe eine ganze Horde ehrenamtlicher Musiker hinter der Bühne, welche Kolkhorst die musikalischen Pässe verabreichen, und doch ist es nur ein einsamer Mann, für den Leidenschaft und herzliche Rock-Geste so eng mit dem Musikmachen verbunden sind, dass einem noch nicht einmal das Wort „authentisch“ über die Lippen geht, bevor das Staunen einen übermannt hat.

Staunen darf man im Opener „So Lang Allein“ über die neue Qualität in der Stimme von Kolkhorst. Während er auf dem Debüt noch ein wenig gedrängt seine Texte ins Mikro presste, so offeriert er auf dem neuen Werk und speziell bei „So Lang Allein“ eine größere Bandbreite und gar soulige Ausflüge, die einem schaurigschöne Schauer über den Rücken laufen lassen. Er gibt dadurch seinen Lyrics mehr Raum und so werden aus den Zeilen, in denen es um Verlassenwerden und Verlassensein geht, prächtige Melancholie-Tupfer, die einen sofort ergreifen. Musikalisch geht es dementsprechend recht balladesk zu, auch wenn die synthetischen Drums wunderbar grooven, die Keyboard-Melodien aufmunternd tänzeln und die temporären Gitarren-Riffs in bester Kolkhorst-Manier die Rock´n Roll-Geste bei all dem synthetischen Klang ausführlich verbreiten.

Dass man sich um die Tanzbarkeit und die damit verbundene Energie auch auf „Wir Sind Größer“ keine Sorgen machen muss, zeigen unter anderem „Der Mond“, in denen sich kühle Beats und umso heißere E-Gitarren gnadenlos mitreißend in Szene setzen und „Schön“, bei dem dank der eleganten, treibenden Sounds und dem unnachahmlichen, über den Dingen stehenden Gesang mitsamt des ironischen wie auch gefühlvollen Textes im Tanztempel kein Stein auf dem anderen bleiben wird. So beigeistert Kolkhorst zwischen vorwiegend tanzbaren, ungemein groovigen Songs, in denen die E-Gitarre als Kontrast zum elektronischen Klanggerüst in Form von tollen Soli und durchdringenden Riffs immer wieder für Spannung sorgt und zurückgelehnten, ruhigeren Tönen. Man saugt jede Sekunde auf, dankt Kolkhorst für lebensnahe, aufmunternde Texte und kann nicht anders, als diese ungemein dynamische Kombination aus Pop/Rock und elektronischem Fundament zu seinem neuen Lebensretter zu machen.

Anspieltipps:

  • Der Mond
  • Alles
  • Schön
  • Rosa Brille
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