James Morrison - Undiscovered - Cover
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James Morrison Undiscovered


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Musikwelt braucht definitiv solche Talente wie James Morrison, seine erfolgreiche Zukunft kann man schon jetzt erahnen.

Wenn ein Debütalbum in England direkt auf der Chartposition eins einsteigt, ist die Neugier auf diesen Longplayer natürlich groß. James Morrison, gerade einmal 21 Jahre jung und von der britischen Insel stammend, brachte dieses Kunststück fertig. Wenn die ersten Töne erklingen, wird schon beim Opener „Under the influence“ deutlich: Diese Stimme ist derart soulgetränkt und mit eingebauter Gänsehautgarantie, dass man kaum glauben will, dass Herr Morrison so jung ist.

Nachdem der Straßenmusiker James Morrison endlich von einer großen Plattenfirma entdeckt wurde, schickten sie den renommierten Produzenten Martin Terefe, der schon für A-ha und KT Tunstall tätig war, mit dem Jungtalent und einer Geigentruppe im schönen London ins Studio. Ein weißer Soulsänger ist ein eher seltenes Exemplar, doch wenn jemand so eine unglückliche und schwere Kindheit hatte wie der kleine James, ist es wenig verwunderlich, dass seine Stimme die Erlebnisse und Gefühle derart ausdrücken kann. Der jugendliche Konsum der alten Meister Stevie Wonder und Otis Redding hat sicher auch ihren Teil dazu beigetragen. Die Texte und Kompositionen stammen alle von Morrison und vor allem die Texte sind Vergangenheitsbewältigung pur. Wer schon so früh die negativen Erlebnisse seiner Bezugspersonen oder Bekannten mitbekommt, die meist mit Drogen ihre Lebenskrisen verdrängen wollen, altert schneller als unbeschwerte Teenager.

Der erwähnte Eröffnungssong demonstriert, dass die hier zahlreichen Instrumente sich wunderbar mit der einzigartigen Stimme des Briten vereinen. Außerdem ist dieser Track anscheinend live eingespielt, denn es wirkt nicht nur, weil anscheinend die Musiker hörbar den Groove dieses guten Stückes wiedergeben, sehr echt. Nach dem ersten Soulgenuss folgt ein ruhiger Vertreter namens „You give me something“: Eine echte Liebesballade, die natürlich von der wunderbar angerauten Stimme Morrisons lebt. Das melancholische „Wonderful world“ reiht sich in den Reigen der überzeugenden Folkpop- und soulgetränkten Songs ein. Einzig „Call the police“ hat schon einen stark rockähnlichen Charakter, denn James Morrison gibt unüberhörbar alles, um der fast schon harten Musik seinen stimmlichen Stempel aufzudrücken. Es gelingt ihm natürlich auch hier und vergeblich sucht man die Schwäche dieses Erstlingswerkes. Gibt es sie wirklich?

Das wieder langsam gehaltene „This boy“ befasst sich mit der Beziehung zu seiner Mutter und seiner erwähnten Kindheit und trotzdem wirkt es fast optimistisch und beschwingt, nur zum Ende siegt die Traurigkeit. Es gibt sicher einige sehr gute Tracks, doch die ganz große Songwriterperle, die herausragt, fehlt noch. Bei dem Talent ist das aber nur eine Frage der Zeit. Das Konzept stimmt, denn die elf Songs, die vertonte Gefühle fast perfekt darbieten, erfreuen nicht nur den Hörer von Songwritermusik. Vielleicht auch manchmal zuviel, um damit umzugehen, denn „The last goodbye“ drückt so auf die Tränendrüse, da wird einem angst und bange. Die Musikwelt braucht aber definitiv solche Talente wie James Morrison, seine erfolgreiche Zukunft kann man schon jetzt erahnen.

Anspieltipps:

  • The Letter
  • Call the Police
  • Wonderful world
  • Under the influence
  • You give me something
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