The Longcut - A Call And Response - Cover
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The Longcut A Call And Response


  • Label: Red Ink/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

The Longcut aus Manchester bestehen aus dem singenden Schlagzeuger Stuart Ogilvie, Bassist Jon Fearon und Gitarrist Lee Gale, allesamt Mitte Zwanzig und äußerst talentiert, weiträumigen, manchmal noise-lastigen und manchmal tanzbaren, eingängigen Indie-Rock mit Langzeitwirkung wohldurchdacht in der Hörerschaft zu platzieren. Zusammen mit Produzent Johnny Dollar (Massive Attack) in einer vierwöchigen Isolationsphase aufgenommen und von TV On The Radio-Mastermind Dave Sitek abgemischt, erscheint nach den Singles „Transition“ sowie „A Quiet Life“ das stimmige, feingliedrig ausbalancierte Debüt „A Call And Response“, welches dem Titel entsprechend eine Reaktion auf das Umfeld von The Longcut ist und die Art von Musik widerspiegelt, die dem Trio schlicht und einfach gefällt.

Ganze zwölf Monate liegen zwischen der Single „Transition“ und dem Longplayer, in denen die Band mit den Nine Black Alps getourt ist und sich so vor dem Debüt den so wichtigen Live-Bonus erspielt hat, welcher The Longcut einige Vorschusslorbeeren einbrachte. Dass sie diese zweifelsohne verdient haben, steht außer Frage, wenn man sich ausführlich mit den 10 Tracks beschäftigt und den Wohlklang zwischen epischen Klangwelten sowie dynamischer Leichtigkeit mehr und mehr verinnerlicht.

Der Opener „A Last Act Of Desperate Men“ soll laut Band-Aussage den Versuch darstellen, einen Pop-Song zu schreiben, als die Plattenfirmen zum ersten Mal Interesse an The Longcut zeigten. Zum Glück hat keine Form der Anbiederung stattgefunden und Format-Pop gegenüber diesem Kleinod an Rhythmus- sowie Stimmungswechseln keine Chance. Mit viel Hall in der Stimme leidet sich Stuart Ogilvie mit der nötigen Bitterkeit und Wut durch gesangliche Herausforderungen, die von schwebenden Synthie-Flächen und intensiver, dicht gewebter Gitarren eingerahmt werden. Ein abrupter Break lässt kurzzeitig die Dynamik ins Hintertreffen geraten und melancholische Träumerei einkehren, bevor das Schlagzeug wieder deutlich Fahrt aufnimmt und eine exzellente Dramaturgie jede Sekunde des Sieben-Minüters fest an sich reißt.

Einschneidende Gitarrenläufe und der versierte Variantenreichtum des singenden Drummers in seiner Funktion hinter der Schießbude machen „A Tried And Tested Method“ trotz seiner Kürze zu einer vereinnahmenden, psychedelischen und wieder einmal intensiven Angelegenheit, während die aufpolierte Single „A Quiet Life“ in charmant scheppernder Manier die Tanzfläche bevölkern lässt und industrielle Beats den Weg für die eindringliche Stimme bereiten. Auch wenn die Single in ihrer Eingängigkeit durchaus ihrem Namen gerecht wird, bleibt es stets höchst abwechslungsreich und rhythmisch ausgeklügelt, so dass auch in ein paar Monaten der Genuss ähnlich hoch sein dürfte. Diese Aussage gilt ebenso für das gesamte Album, denn nicht nur Ideenreichtum und musikalische Visionen stehen bei The Longcut hoch im Kurs, auch die technische Umsetzung beeindruckt in vollem Maße, wenn man sich erst einmal an den metallisch kühlen Sound gewöhnt hat, der sich nach einer gewissen Entdeckungs-Phase, die diese Platte einfach benötigt und eigentlich nie zu Ende geht, stimmig in Szene setzt.

Anspieltipps:

  • A Last Act Of Desperate Men
  • Gravity In Crisis
  • A Quiet Life
  • Vitamin C
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