the GazettE - Nil - Cover
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the GazettE Nil


  • Label: CLJ Records/ALIVE
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

The Gazette, das sind die Japaner Ruki (Gesang, Gitarre), Uruha (Gitarre), Aoi (Gitarre), Reita (Bass) und Kai (Schlagzeug), die seit 2002 besonders erfolgreich ihre Version von J-Rock bzw. japanischem Rock auf dem Inselstaat unter die Leute gebracht haben. Optisch ordnet man sie allerdings dem Visual Kei unter, einem Sammelbegriff für Künstler, die sich durch besonders auffällige Kleidung und Schminke bemerkbar machen. Ein abgeschwächtes Beispiel hierfür wäre Bill von Tokio Hotel - Im Gegensatz zu den asiatischen Kollegen ist der Sänger allerdings nur ein schlecht kopiertes Abziehbild, denn was das stylische Auftreten der Japaner betrifft, kann der Magdeburger ihnen nicht das Wasser reichen. Ausgangspunkt für diese Bewegung war der Glam-Rock der 80er Jahre, der über den Pazifik nach Westen hinüberschwappte und sichtlich Eindruck hinterlassen hat. Nach und nach keimte eine Untergrundbewegung heran, die dort heutzutage die Charts mit vielfältigen Beiträgen füllt.

Das bunte Potpourri wird allerdings nicht durch unterschiedliche stilistische Gruppen hervorgerufen, sondern allein eine Band wirft mehrere Genres in ihren knalligen Kochtopf, der mit Pop, Punk, Elektro und diversen Metal-Variationen angereichert, serviert wird. So auch im Falle The Gazette, die bereits genannte Stile auf „NIL“ präsentieren und ihre Sache sogar (für europäische Verhältnisse) recht ordentlich darbringen. Natürlich wäre ein Output aus Japan nicht aus Japan, wäre er nicht mit einigen verrückten und durchgeknallten Elementen durchzogen und das zeigt sich auch auf der ersten Veröffentlichung der Fünf in Europa. Nach der Einleitung „The end“ rocken die Jungs in „Nause & Shudder“ erst einmal mit punkiger Attitüde vor sich hin, der ruhige Zwischenteil und vor allem der sprunghafte Aufbau ist jedoch gewöhnungsbedürftig, dafür geht der anschließende Part mit den Growls richtig ab.

Gesungen wird teils in Japanisch teils in Englisch, durch den Akzent von Sänger Ruki gibt es aber so gut wie keine Unterscheidungen. Die Texte sind meist düster und depressiv gehalten, was angesichts der fröhlichen Stimmlage allerdings ein Widerspruch in sich ist und man sich erst durch einen Blick auf die HP der Jungs, wo es Übersetzungen aller Texte gibt, im Klaren ist über was der Typ da eigentlich singt. In „Bath room“ heißt es z.b.: „I want to fall asleep / just to feel the fear of awaking / I want to forget everything / It is selfish nonsense / I call your name / I go mad with the silence”, während sich elektronisches Geknatter zwischen die gesungenen Zeilen mischt. Härter wird es in “Maggots”, das gemeinsam mit “Discharge” die zwei Tracks bildet, die dem einen oder anderen Death Metal-Fan sicherlich gefallen könnten.

Der einzige in japanisch betitelte Song „Namaatatakai Ame To Zaratsuita Jyounetsu“ („Warm rain and rough passion“) steht für Mosh-Punk, „D.L.N.“ ist eine überraschend gefällige, sanftmütige und überzeugende Ballade, in „Shadow“ geht es erst einmal wieder auf die Tanzfläche und „Barette“ ist dann wieder ein wenig zu sprunghaft. „Cassis“ birgt eine gelungene Komposition aus Klavier, Gitarre und Gesang in sich und „Silly god Disco“ fährt sogar Ska-Trompeten auf, bevor „Taion“ einen komplett durchgedrehten Schlusspunkt setzt, mit dem sich irgendwie gar nichts anfangen lässt. „NIL“ ist wahrlich nicht schlecht, hätte aber durchaus besser sein können, da das Potential der Jungs, wie in vielen Momenten ersichtlich, kein geringes ist. Außerdem ist die LP für europäische Ohren an einigen Stellen zu wirr konzipiert, sodass sich selbst nach mehreren Durchläufen kein roter Faden herauskristallisieren lässt. Aber warum sollten sich The Gazette auch anpassen?

Anspieltipps:

  • Cassis
  • D.L.N.
  • Maggots
  • Namaatatakai Ame To Zaratsuita Jyounetsu
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