Beck - The Information - Cover
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Beck The Information


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 65 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Album verströmt eine leicht verrückte Stimmung, dabei lässt Beck doch nur seinen Ideen freien Lauf.

Der gute Herr Hansen zählt bestimmt nicht zu der Sorte Musiker, die auf Gedeih und Verderb einen Major-Vertrag benötigen. Dazu ist seine Musik noch immer viel zu sehr im Indie-Pop angesiedelt. Aber würde er sich noch ein paar uninspirierte Werke der Marke „Guero“ (03/2005) und dem eilig hinterhergeschobenen Remix-Album „Guerolito“ (12/2005) leisten, die Verantwortlichen von Interscope würden wohl nicht lange zögern und das einstige Wunderkind des „elektronischen HipHop-Folk-Rock“ auf die Straße setzen.

Vielleicht hat Beck tatsächlich Druck von außen erhalten. Oder er ist sich der Gefahr bewusst, irgendwann in einer Sackgasse zu landen. Möglicherweise liegt es aber auch einfach nur daran, dass ihm im Studio mit Nigel Godrich (Radiohead, Thom Yorke, Air, Travis), der schon „Sea Change“ (09/2002) und „Mutations“ (11/1998) produzierte, ein genialer Weggefährte zur Seite stand, weshalb der neueste Streich, „The Information“, fast schon überraschend von Anfang an zündet und nachhaltig Spaß macht.

Dabei geht Beck noch nicht mal Kompromisse an den Mainstream ein. Es gibt zwar die eine oder andere Melodie, die sofort hängen bleibt und etwas poppiger ausfällt („Think I’m love“, „Strange apparition“), doch die meiste Zeit toben sich die Geister in Becks Gehirn aus und fördern allerhand krude Ideen und geniale Einfälle zu Tage. Wie es sich dabei für ein anständiges Beck-Album gehört, raschelt, klingelt, pumpt, groovt, knistert und wackelt es aus allen Ecken. Es kommen Trillerpfeifen, Feuerwehrsirenen, Telefone, ein landendes UFO, und was man noch so im beckschen Haushalt findet, zum Einsatz. Herr Hansen gibt dabei mal den Old-School-Rapper („Elevator music“) oder nuschelt sich in den nicht vorhandenen Bart („1.000 BPM“).

Das Album verströmt eine leicht verrückte Stimmung, dabei lässt Beck doch nur seinen Ideen freien Lauf. Ideen, an denen er über drei Jahre arbeitete, lediglich vom „Guero“-Intermezzo unterbrochen. Als Resultat stehen auf „The Information“ 16 Tracks, die zu den besten in Becks Karriere zählen. Er kombiniert wie selbstverständlich eine verstimmt rumpelnde Akustikgitarre mit HipHop-Beats („Nausea“), singt entrückte, kleine Balladen („New round“), wirkt mit unglaublich tiefen Bässen zu einer abgefahrenen Mundharmonika und düsterem Erzählgesang bedrohlich wie ein Gangsta-Rapper („Dark star“) und spielt mit „No complaints“ einen fast schon reinrassigen Folksong, wäre da nicht dieser ganz besondere Beck-Twang und ein paar Geräusche, die das Stück einzigartig machen.

Das alles ist ziemlich genial und exakt austariert zwischen Genie und Wahnsinn, was in dem beschränkten Rahmen einer Rezension kaum zusammenzufassen ist. Der Hörer bekommt in 65 Minuten richtig was geboten – nämlich zusätzlich zur Musik eine DVD mit Videoclips zu allen Songs und ein Cover zum basteln, mit Aufklebern und allem drum und dran. Ein echtes Überraschungsei sozusagen. Verrückt genial. Mit Spiel, Spaß, Spannung und Schokolade.

Anspieltipps:

  • Dark star
  • Motorcade
  • Think I’m love
  • Cellaphone’s dead
  • The horrible fanfare/Landslide/Exoskeleton
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