Luttenberger-Klug - Mach Dich Bereit - Cover
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Luttenberger-Klug Mach Dich Bereit


  • Label: Deag Music/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Kann es möglich sein? Sind Luttenberger-Klug die erste Unter-18-Mädelscombo, die auch für ältere Semester interessant sein könnte? Der Opener „Gefangen im jetzt“, der das Debüt „Mach dich bereit“ von Michelle Luttenberger (16) und Chrissi Klug (17) einleitet, ist zumindest ein durchaus gestandener Rocker, der es ohne weiteres mit den Christl Stürmers und Silbermonden in der Sparte Deutschrock aufnehmen kann. Verfasst haben den Song die zwei Österreicherinnen allerdings nicht selber, genauso wenig wie alle anderen Stücke auf dem Rest des Albums. Das übernehmen lieber eingefleischte Songschreiber wie Alexander Kahr, Robert Pfluger, Maya Singh oder Jan Löchel, die Auftragsarbeiten für eben solche Künstler wie Christina Stürmer, Silbermond, Sarah Connor oder Sasha ihr Metier nennen. Das machen heutzutage viele, aber wissen die Mädels eigentlich, dass sie in „Wolke“ indirekt über Suizid singen? Stellt das Anti-Drogenlied „Du kommst nicht mehr los“ das Pendant zu Tokio Hotels „Spring nicht“ dar, das depressive Jugendliche zur Besonnenheit aufrufen will? Und wieso posieren die Zwei im Booklet ständig mit ihren Gitarren, wenn sie diese auf ihrem Album nicht selbst eingespielt haben?

Fragen über Fragen, die zeigen, dass „Mach dich bereit“ wohl doch nicht so erwachsen ist wie anfangs vermutet. Natürlich geht ein großer Teil der Songs auf dem Luttenberger-Klug-Debüt sofort ins Ohr, das ist angesichts der Schar an Songschreibern jedoch keine Überraschung. Dennoch bleibt die Zielklientel bei Mädchen zwischen 14 und maximal 18 stecken, weil den Jungs die Darbietungen zu soft sein werden und über Herz-Schmerz und den ganzen Rest lassen sich eben leichter ein paar platte Texte schreiben, wodurch die Platte aus den immer gleichen, oberflächlichen Betrachtungen nicht heraustritt. Den einzigen Track, der wirklich anders gestrickt ist, stellt “Erzähl mir von Shakespeare“ dar, der mit poetischer Lyrik angereichert wurde („Der Liebe leichte Schwingen trugen ihn hin wo ich saß“ oder „Kein steinern Bollwerk kann der Liebe wehren irgendwann“) und zu dem obergescheiten Schluss „Ich sagte Shakespeare war schon klug / Denn meistens geht es schlecht aus / Allerdings was soll das schon / Das Leben ist ein Tollhaus“ gelangt, der im Vergleich zum Rest allerdings geradezu peinlich und aufgesetzt wirkt.

Hinzu kommt die andauernd gleiche Betonung der Mädchen, die sich aus dem Langziehen von Silben am Ende einer Textzeile bemerkbar macht und nicht gerade von Eigenständigkeit zeugt, denn sowohl Stefanie Kloß (Silbermond) als auch viele andere Deutschrockgirls bedienen sich diesem Singstil. Wären das nicht schon genug Punkte um der Platte keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken, so stören im Laufe der 53 Minuten die bedingungslose Angleichung an Popschemen und die somit einsetzende Langweilig- und Belanglosigkeit. Trotzdem ein netter Versuch, Österreich.

Anspieltipps:

  • 1000x
  • Gefangen im jetzt
  • Du kommst nicht mehr los
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