Rebekka Bakken - I Keep My Cool - Cover
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Rebekka Bakken I Keep My Cool


  • Label: Emarcy/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der große Wurf ist „I Keep My Cool“ nicht geworden.

Lasziv, mit leicht geöffnetem Mund, schräg aufgesetztem Hut und einem verführerischen Blick begegnet einen Rebekka Bakken auf dem Cover ihres dritten Soloalbums „I Keep My Cool“. Ihr Name in großen, roten Buchstaben bildet einen schönen Kontrast zu dem Schwarz-Weiß Foto. Das Booklet wirkt stilvoll und edel – auf Hochglanz getrimmt. In Ihren Texten geht es um Liebe, Freundschaft und Beziehungen. Das war schon immer so und wird wohl auch so bleiben. Was auch nicht verkehrt ist, schließlich sind es bewegende Themen und wenn sie von einer so schönen Stimme wie der von Rebekka Bakken intoniert werden, lässt man sich gerne davon erzählen.

Der erste Song „We hit it again“ ist ein klassischer Bakken-Song. Minimalistisch Instrumentiert, mit ruhigem Basslauf, einigen Keyboard-Sprängseln, verhaltenem Schlagzeug und zwei, drei Background-Sängerinnen, die hier und da ein „uuuuuhh-oooohh“ ins Mikro hauchen und zum Ende des Songs ein paar Textzeilen untermalen. Bakkens Stimme steht klar im Vordergrund und sie macht ihre Sache natürlich gewohnt gut. Eine klare, gefühlvolle Stimme und ein klasse Tembre – auch wenn sie hier noch etwas verhalten singt, was der Song aber auch verlangt. Der Song ist kein Highlight, aber ein souveränes Stück Vocal-Jazz.

„Welcome home“ ist sehr poppig-balladesk ausgefallen und erinnert eher an Celine Dion und nicht mehr wirklich an Jazz. Das Stück ist aber dennoch durchaus ansprechend. Dann kommt „Just having my fun“. Hier wird das Tempo wieder etwas angezogen. Der Song groovt und Textzeilen wie „I’m not on the run, just having my fun in the sun of my bedroom light“ lassen eine positive Atmosphäre aufkommen und man kommt nicht einmal so richtig auf schmutzige Gedanken. Ein Höhepunkt der Platte, auch wenn er etwas ärgerlich ausgeblendet wird.

„Any pretty girl“ klingt wie ein Dankeschön an unsere Mütter: „All the girls in the world are so pretty to you cause your mother was once pretty too“. Untermalt mit Streichern und dezentem Piano, aber irgendwie will nicht die richtige Stimmung aufkommen, bewegen wir uns musikalisch doch in seichtem Gewässer und der Song fängt bald an zu langweilen. „Love may seem hard“ ist geschmückt mit einem schönen Piano und einem tragenden Refrain und weiß eine leicht melancholische und sehnsüchtige Stimmung zu erzeugen: „Love does not lose and love does not choose, love is one and can never be two“, „It’s that guarded heart of hers“. Dann erklingen die ersten Töne von „Hard to be a loser“. Eine Stromgitarre und ein rumpelndes Schlagzeug verschaffen sich Aufmerksamkeit und leiten einen erdigen Blues ein. Der Song ist nicht schlecht, passt aber nicht so richtig in den Kontext und wirkt etwas fehl am Platz, aber Bakken überrascht gerne mit ungewöhnlichen Stücken in denen sie die Vielseitigkeit ihrer Stimme unter Beweis stellen kann – man erinnere sich an „Why do all the good guys get the dragons“ von ihrem Album „Is that you?“. Aber wenigstens ist kein neu interpretiertes norwegisches Volkslied auf „I keep my cool“ vorhanden (wie auf all ihren anderen Veröffentlichungen), die nie sonderlich gefallen haben.

„What love is not“ und „You’re crying“ sind zwei wunderschöne Liebes-Balladen, die überzeugen können und ein weiteres Highlight auf dem Album darstellen. Hier kann Bakken ihre Stimme voll ausreizen und die liebevollen Arrangements halten sich erneut im Hintergrund und unterstreichen den gefühlvollen Gesang. Bei „Nobody’s fool“ kehren die Background-Sängerinnen aus „We hit it again“ zurück und unterstützen Bakken während sie davon singt, dass mit Gefühlen nicht gespielt werden sollte. „Everything can change“ beginnt verhalten und steigert sich zu einem exaltierten Pop-Gospel-Song, in dem Streicher und Background-Sängerinnen sich die Hand geben und einen Lobgesang an die Freundschaft abfeiern. Das hat mit Jazz dann gar nichts mehr zu tun und ist der Schwachpunkt der Platte. „You place new stars“ plätschert nur so vor sich hin und bildet den faden Abschluss des mittelprächtigen Albums.

Der große Wurf ist „I Keep My Cool“ nicht geworden. An „The Art Of How To Fall“, Bakkens erstem Soloalbum, kommt es bei Weitem nicht heran. Es ist eher mit dem kühl wirkenden Vorgänger „Is that you?“ zu vergleichen, was etwas schade ist.

Anspieltipps:

  • Just Having Fun
  • What Love Is Not
  • You’re Crying
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