Klez.E - Flimmern - Cover
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Klez.E Flimmern


  • Label: Loob Musik/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Hamburg, es ist noch Winter und ein kalter Wind weht über die Reeperbahn, behindert den Weg zum Grünspan, wo Kashmir ein wunderbares Konzert spielen wollen. Angekommen ist alles vergessen und man fühlt sich geborgen und warm in den Klängen der Vorband. Diese Band heißt Klez.e und kommt aus Berlin. Deutsche Texte treffen auf dezent eingesetzte Effekte und vollenden den Klang mit schönen Gitarrenmelodien, die manchmal rau und zerstörerisch klingen, dann wieder wunderbar und vertraut. So konnte man Klez.e bereits auf ihrem ersten Album „Leben daneben“ kennen lernen. Auf ihrem zweiten Album bleiben sie ihrem Konzept treu, treten aber wesentlich offensiver und selbstsicherer auf.

„Flimmern“ heißt das neue Werk und ist im Wesentlichen eine Kritik an Konsumgesellschaft und Werbeindustrie. So bietet „Standard“ das ideale Produkt mit der wirkungskräftigen Werbestrategie und dem offensiven „Los verkauf dich jetzt“-Befehl. „Werbefläche Mond“ liefert dazu den perfekten Ort, dem jeder sein Vertrauen schenkt, um sein Produkt zu präsentieren. Dazu duellieren sich Gitarren und Schlagzeug, während in „Standard“ Sänger sein Produkt mit „Los verkauf dich jetzt!“ anbrüllt. Doch „Flimmern“ bietet mehr als nur Kritik und Provokation. So ist der Opener „Strandlied“, den die wartende Fangemeinde bereits vom Immergut-Sampler 7 kennt, ein wunderbares Lied, das nie langweilt, überall frickelt und einem sehr tief trifft. Irgendwo zwischen Radioheads „OK Computer“ und Kashmirs „No Balance Power“ liegen „Mein Geschenk“ und „Center“ und die vielen anderen Lieder über Liebe, Verlust und Wahnsinn. Doch es scheint immer so, als sei bei Klez.e gar nicht wichtig, was sie singen, die Stimme wächst viel mehr zu einem Instrument heran und bietet eher einen Orientierungspunkt in dem Schaffenswerk der Band.

Die Band, die sich nach einem Computer-Virus benannt hat, besteht aus Florian Siebert (Gesang, Gitarre, Programmierung), Patrick Vollberg (Gitarre), Filip Pampuch (Schlagzeug), Daniel Moheit (Bass, Syntheziser) und Fisch (Gitarre, Elektronik, Programmierung) und formierte sich bereits 2002. 2004 erschien dann das erste Album „Leben daneben“, ein Achtungserfolg, mit dem sich Klez.e schnell eine treue Fangemeinde aufgebaut hat. Auch Sieberts anderes Musikprojekt Delbo (aktuelles Album: Havarien) begeistert Fans und Kritiker dermaßen, dass beinahe schon merkwürdig ist, dass diese Bands immer noch so wenig Menschen kennen.

Mit einer kleinen Hymne, großartigen Melodien und schön verspielte, aber nicht überreizte Effekte verabschiedet sich „Flimmern“ mit „Surfen im Wahnsinn“ und gebannt lauscht man den Gitarren die so gegeneinander ankämpfen, aber dennoch so harmonieren, im Grunde so wie das gesamte Album. Drei Monate musste die süchtige Gemeinde um die Berliner Band länger warten. Doch das Warten und lauschen auf der Tour mit Delbo hat sich gelohnt. „Alles flimmert so schön“ singt Sänger Florian Siebert und man glaubt ihm nicht wirklich, dass Flimmern etwas gutes ist, man bedenke Bildschirme, die eher Kopfschmerzen provozieren. Doch man bedenke das Flimmern in der Musik von Klez.e, wie beruhigend Rückkopplungen wirken und wie die Effektgeräte zittern und plötzlich wird die Interpretation jeglichen Flimmerns neu geschrieben, zu etwas poetischem, aufregendem.

Anspieltipps:

  • Strandlied
  • Werbefläche Mond
  • Hellgelb
  • Dein Universum
  • Surfen im Wahnsinn
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5/10

Mints
  • 2017    
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