Pale - Brother. Sister. Bores! - Cover
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Pale Brother. Sister. Bores!


  • Label: Grand Hotel van Cleef
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Bruder. Schwester. Langeweiler“: Nein, das ist nicht der neue Slogan des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, auch nicht der Titel einer weiteren, fragwürdigen Sozialsoap auf RTL II , sondern dies ist der Taufname einer Platte aus deutschen Landen, welche endlich mal wieder das Zeug dazu hat, musikalisch wie auch emotional mitzureißen.

Pale heißen die fünf Aachener hinter „Brother.Sister.Bores“. Sie legen uns mit ihrem inzwischen dritten Album eine Platte mit dem Potenzial zum musikalischen Zwiespalt vor. „Brother.Sister.Bores“ ist eine Scheibe, zu sehr mit Verstand begabt um die Masse zu verführen, zu sehr erwachsen und niveauvoll um den Emokids unserer Tage auch nur eine Gemütsregung zu entlocken und mit Sicherheit zu englisch und fernab von jeglichen deutschsprachigen Kakophonien, welche derzeit wie ein Parasit in den geschmacklichen Innerein der nationalen Chartlandschaft nisten, um auch nur eine geringe Chance zu haben, neben anderen Deutschrockbands zu bestehen.

„Brother.Sister.Bores“ ist wie der Uncut-Film, den eingefleischte Cineasten auf Filmbörsen nur unter Ihresgleichen handeln, wie die neue Veröffentlichung eines tschechischen Literaten, über die die Literaturfreaks in der Straßenbahn diskutieren, wie die Vernissage eines Berliner Aktionskünstler, bei dem man sich wundert, dass er die Bude trotzdem voll bekommen hat. Kurzum: Pale machen Musik für Liebhaber. Musik für Hörer, die genug haben vom monotonen Strom der aktuellen Hitparaden und von der schmerzhaften Belanglosigkeit angesagter Acts. Pale machen einfach Musik mit Köpfchen, welche jedoch nie zu verkopft wirkt und Musik mit Charme, die jedoch nie zu eigentümlich wirkt.

Gekonnt verschmelzen die Aachener gitarrenlastigen Indierock mit moderner Elektronik und wehmütigen Pianoklängen mit dem warmen, behaglichen Gesang des mikrofonverantwortlichen Christian Dang. Songs wie „Take me out, bouncers“ oder „What has happened“ sind durch ihre angenehme Schwermütigkeit wie die Hymnen auf der Eröffnungsfeier zum Herbstbeginn und Stücke wie „Look, they call you believer“ sind wie das kerzenbeleuchtete Abendessen an einem verregneten Midsommerabend – zum Kuscheln und zum Gernhaben. Das aber mit Abstand Schönste an „Brother.Sister.Bores“ ist mit Sicherheit die gefällige Wohligkeit aller Songs, die zu keiner Zeit affektierte Wuchtigkeit und übertrieben pompöses Gedudel zulassen.

Pale liefern mit „Brother.Sister.Bores“ eine sorglose und würdevolle Platte ab und überzeugen durch musikalische Bedachtheit mit Hirn. Natürlich mag vielen Hörern diese Scheibe zu lahm sein und dem jungen Publikum vielleicht auch zu ruhig und schnulzig, doch wer das hier nicht versteht, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Anspieltipps:

  • What has happened?
  • You wanna be so good
  • A Clash at the Nightclub
  • Gal. Why don't you adore me?
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