Amplifier - Insider - Cover
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Amplifier Insider


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 59 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Schon mal versucht eine Schreibmaschine als Musikinstrument einzusetzen? Amplifier machen es vor. Der Song „Procedures“ wird nämlich durch eine solche eingeleitet und das mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre der Vorreiter von PC-Tastatur und Computer-Schreibprogramm neben der Stimme das erste Instrument der Menschheit gewesen. Im Anschluss daran macht sich allerdings schon Neil Mahony auf, mit seinem Bass die Wände zum Beben und die Lautsprecher zum Bersten zu bringen, während Schlagzeuger Matt Brobin und Sänger und Gitarrist Sel Balamir ihre eigene Präzision zum Geschehen beitragen und die Vermutung zur Gewissheit wird, Amplifier haben ihr neues Werk „Insider“ am Start. Und obwohl die technischen Spielereien mit dem Rhythmus, den Melodien und der vorherrschend düsteren Harmonie, die auf den allgegenwärtigen basslastigen Unterbau fußt, (wie auf dem selbstbetitelten Debüt) absolut keinen Anlass zur Kritik geben, so fehlt dennoch etwas, dass der Erstling von 2004 besser inszenierte und zur Geltung brachte.

Dabei fängt alles wunderbar an. „Gustav´s arrival“ knallt düster und unberechenbar (noch ohne Text) durch mehrere Riffschneisen und sattes Drumming bis Balamir in „O Fortuna“ endlich zum Mikro greifen darf. Danach wird es allerdings schon etwas zähflüssiger, denn trotz der gelungenen Färbung der Songs „Insider“ und „Mongrel´s anthem“ werden diese recht schnell zu Kandidaten für die Skip-Taste, da der Ablauf nur schleppend vonstatten geht und die Tracks auf keinen Punkt kommen. Ein wenig besser ist das für Amplifier recht kurze „RIP“, das sich gleich sehr eingängig präsentiert und ohne Halt zu machen mit dem gesamten, druckvollen Instrumentenarsenal im Anschlag nach vorne schreitet. Die Höhepunkte erschließen sich im Anschluss mit „Strange seas of thought“ und dem bereits angesprochenen „Procedures“ und „Elysian gold“ schreitet ähnlich wie „RIP“ unbeirrt durch mehrere Riffwälle und die ungezügelte Schlagzeugarbeit Brobins.

Das psychedelische Instrumental „Oort“ bildet die Überleitung zu „What is music?“, das leider über weite Strecken lediglich vor sich hin mäandert, „Hymn of the Aten“ gibt sich einer herbstlichen Färbung hin, die immer wieder aufgebrochen wird und der Albumender „Map of an imaginary place“ baut eine vorzügliche Stimmung auf, die sich aber leider in einige Wiederholungen ergießt. Ganz so famos wie der Pressetext mit den Zeilen „Ausgestattet mit einer Philosophie, die die Existenz in Frage stellt, kreieren Amplifier eine riesige und verwegene Musik mit enormen Riffs und fließenden sowie zugleich kurvenreichen Bassläufen, die von einem Kerosin-Schlagzeug angetrieben werden“ das zweite Werk der Engländer anpreist, ist „Insider“ zwar nicht geworden, aber ein starkes Lebenszeichen dennoch. Was im Vergleich zum Vorgänger fehlt, ist einfach der durchgehende rote Faden, der beim Zweitwerk droht sich durch angestrengte Komplexität an einigen Stellen zu verknoten, bevor er doch glücklicherweise entwirrt bleibt.

Anspieltipps:

  • O Fortuna
  • Procedures
  • Elysian Gold
  • Hymn Of The Aten
  • Strange Seas Of Thought
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