Kim Wilde - Never Say Never - Cover
Große Ansicht

Kim Wilde Never Say Never


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Produzent und Ex-Nena-Keyboarder Uwe Fahrenkrog-Petersen war maßgeblich am sehr erfolgreichen Comeback seiner ehemaligen „Chefin“, Nena, beteiligt. Ihr letztes Doppelalbum „Willst du mit mir gehn“ produzierte er mit und brachte ungewohnte, vorwiegend elektronische Klänge in den Nena-Kosmos. Nun nahm er die New-Wave-Ikone Kim Wilde unter seine Fittiche und diese veröffentlicht nach elf Jahren wieder ein Studioalbum. Kim Wilde, mittlerweile 46 Jahre alt, hat zwei Kinder und konnte in den Neunzigern nicht mehr an die großen Erfolge in den 80er Jahren anknüpfen. Sie spezialisierte sich auf Landschaftsgartenbau und moderierte in ihrer englischen Heimat eine TV-Sendung zum Thema.

Nach dem Erfolg des Duetts „Anytime, Anywhere“ 2003 mit Freundin Nena wurde ihr von Branchenriese EMI ein neuer Vertrag angeboten. 14 Songs, davon sechs Coverversionen ihrer eigenen Songs, sollen die Musikcharts stürmen. Die erste Singleauskoppelung „You came“ war früher ein sehr großer Hit. In der Neuauflage wurde das Stück mit ein aktuellen Beats aufgepeppt, bleibt aber trotzdem nahe am Originalsound und ist damit ein sicherer Charterfolg. Zur Unterstützung singt Nena bei dem Klassiker „You keep me hanging on“ mit – und schon da wird das Dilemma dieses Longplayers deutlich. Man erkennt das Original nicht mehr, auch Nenas Stimme geht fast unter, da die Elektronikbeats ohne Rücksicht regieren. Auch bei „Four letter word“, einer ruhigen Ballade, die gnadenlos der Rhythmusmaschine ausgeliefert wird und dadurch ziemlich seelenlos und klinisch daherkommt, fragt man sich, was die Songs dem Herrn Petersen getan haben. Kim Wildes Stimme wird entweder mit Hall unterlegt oder verzerrt und unangenehme Erinnerungen an Chers Vocoderattacken machen die Runde.

Die einzigen Lichtblicke sind eigentlich, bis auf „You came“, die neu komponierten „I fly“, „Lost without you“ und „Game over“, die aus dem elektronischen Remixbrei hervorstechen: Denn hier wird zeitweise gerockt und Wildes Stimme erklingt ohne Effekthascherei. „I fly“ besitzt einen sehr eingängigen Refrain und rockt endlich mit erdigen Gitarren. „Game over“ ist ein guter 80er-Revivaltrack mit flotter Melodieführung und erinnert an die Keyboardorgien dieser Zeit, wobei auch hier Rockinstrumente eingesetzt werden, die den Song positiv beeinflussen. „Lost without you“ klingt sehr düster und seltsamerweise wird hier die Gothic-Rock-Klientel von HIM oder The Rasmus bedient, ein starker Song, den man so nicht erwartet hätte.

Das war es fast schon mit den positiven Erkenntnissen, denn der Klassiker „Kids in America“ kann auch Charlotte Hatherley, die früher bei Ash in die Saiten griff und sang, nicht vor dem Stimmenverzerrer und der Elektronikverunglimpfung retten. Leider erreicht Kim Wilde nur die Durchschnittbewertung, da bis auf die genannten Werke das Qualitätsniveau der restlichen Songs durch den erwähnten Elektronikfleischwolf von Fahrenkrog-Petersen bedingt eher darunter liegt. Es gibt trotzdem vielversprechende Ansätze, die das Comeback der blonden Sängerin wahrscheinlich auch kommerziell erfolgreich werden lassen, doch die Produzentenwahl sollte bei nächsten Mal unbedingt überdacht werden.

Anspieltipps:

  • I fly
  • You came
  • Game over
  • Lost without you
Neue Kritiken im Genre „Pop“
7.5/10

In Winter (Special Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Kim Wilde“
comments powered by Disqus