Laibach - Volk - Cover
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Laibach Volk


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die slowenischen Industrial-Provokateure von Laibach (deutsche Bezeichnung der slowenischen Hauptstadt Ljubljana) sind nun schon mehr als ein Vierteljahrhundert im Musikbusiness unterwegs – und es fällt ihnen immer wieder etwas Neues ein, womit sie das Publikum überraschen, schocken oder begeistern können. Auf ihrem achtem Studioalbum „Volk“ sind dies 14 Nationalhymnen, die Laibach zusammen mit ihren Landsleuten Boris Benko und Primoz Hladnik von der Band Silence in neue, außergewöhnliche Klanggewänder gehüllt haben.

Dass die Ex-Jugoslawen auch heuer nicht ohne Provokationen auskommen, zeigt schon der Opener „Germania“, in dem die deutsche Hymne interpretiert wird. Eingehüllt von tropfendem Pianoklängen, schweren Streichern, Joachim-Witt-artigen Düster-Vocals und bimmelnden Kuhglocken, wird fast schon erwartungsgemäß die erste Strophe des Deutschlandliedes („Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt...“) rezitiert. „The Star-spangled Banner“ (U.S.A.) wabert als zynisch-psychedelische Abrechnung mit dem Bush-Land aus den Boxen. Der Opernhafte Gesang wird begleitet von Polizeisirenengeheul und Kirchenglockenläuten. Auch „Anglia“ („God save the Queen“) ist ein extrem düsterer, TripHop-artiger Elektrosong, nachdem sich Depeche Mode die Finger lecken würden.

Bei „Rossiya“ (Hymne der Sowjetunion 1944-1991) wird es zum ersten Mal etwas freundlicher, was definitiv an dem herzerweichenden Kinderchor liegt, der dem eh schon sehr pathetischen Lied Gänsehautfeeling verleiht. „Francia“ („La Marseillaise“) wird als kantiger Break-Beat dargeboten. In „Italia“ („Brüder Italiens“) hört man als erstes Kindergeschrei (na klar, der Italiener liebt Kinder!), bis der stolzgeschwellte Chorgesang einsetzt, der den martialischen Originaltext (Auszug: „Lasst uns die Reihen schließen, wir sind bereit zum Tod, wir sind bereit zum Tod, Italien hat gerufen!“) sehr kritisch und frei umdichtet. „Espana“ („Marcha Real“) wird durch das exstatisch schreiende Publikum in einer Stierkampfarena eingeleitet und fließt direkt in einen marschmusikartig wummernden Electronica-Titel.

Richtig böse wird es dann bei der türkischen Hymne („Istiklal Marsi“), die dem Islam mit schneidenden Elektrosounds und weiblichem Operettengesang auf den Zahn fühlt („Ata, Atatürk, Ata, Atatürk!“). Dagegen fallen die japanische („Nippon“) und die Hymne der Vatikanstadt („Vaticanae“) richtiggehend harmlos aus. Mit dem Marsch des fiktiven „NSK“-Staates wird dieses ungewöhnliche Werk beendet, das vermutlich wieder einiges Kontroversen nach sich ziehen wird. Doch vergessen wir einmal Laibachs Koketterie mit nationalistischer Symbolik. Dann steht mit „Volk“ ein ausgesprochen starkes und spannendes Elektro-Pop-Album zu Buche, das von seinen Hörern behutsam – am besten mit Kopfhörern – entdeckt werden will.

Anspieltipps:

  • Italia
  • Rossiya
  • Slovania
  • America
  • Vaticanae
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