Joan Osborne - Pretty Little Stranger - Cover
Große Ansicht

Joan Osborne Pretty Little Stranger


  • Label: Vanguard Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit 44 Jahren darf Joan Osborne ein entspanntes und nachdenkliches Werk abliefern.

Steve Buckingham ist ein bekannter Country-Produzent und nahm nun mit der Sängerin Joan Osborne in Nashville deren fünftes Studioalbum „Pretty Little Stranger“ auf. 1995 war nicht nur das Jahr der Boygroups Take That und Backstreet Boys auch Frau Osborne hatte mit „One of us“ ihren einzigen und größten Charterfolg zu verzeichnen. Doch Joan Osborne hat sich nie entmutigen lassen, wenn es nicht so lief, sie gründete ihr eigenes Label Womanly Hips und ließ sich nie vorschreiben, wie sie klingen sollte. Ihre bevorzugte Musikrichtung war und ist der Soul, ihre warme und sehr ausdrucksstarke Stimme weist die Qualität auf, die sonst nur schwarze Sängerinnen besitzen. Natürlich schwingen auch noch Folk, Rock und Blues in Osbornes Musik mit. Joan Osborne hat eine Vorliebe für Coverversionen, die sie in ihrem letzten Album „How sweet it is“ besonders ausgelebt hat, denn ihre Interpretationen von Soulklassikern fand zumindest bei den Kritikern positive Erwähnung. Das aktuelle Werk nimmt jetzt auch die Country-Musik in das Repertoire der Songwriterin auf.

Den Titelsong „Pretty Little Stranger“ komponierte Joan Osborne persönlich: ein ziemlich klassischer Countrytrack, der getragen von ihrer starken Stimme, dem Nu-Country-Genre alle Ehre macht. Bei der Grateful-Dead-Coverversion „Brokedown palace“ zeigt Joan Osborne ihre Qualitäten: sehr ruhig holt sie das traurige Element aus diesem Klassiker der Rockveteranen um Jerry Garcia heraus. „Who divided“ besticht durch von Joan Osbornes Vorgängeralben gewohnte rockige Ausrichtung, die Country-Einflüsse sind aber unüberhörbar. Diese Eigenkomposition hat hohe Qualität, da ragt nicht nur ihre ausdrucksstarke Soulstimme heraus.

„Shake that devil“ stammt auch von der Sängerin und beginnt sehr ruhig und bleibt im typischen langsamen Songwritertempo, da lebt alles von der Atmosphäre, welche die Künstlerin mit ihrer Stimme ausdrücken kann, ein unspektakulärer, aber sich langsam ins Ohr schleichender Song. „Dead rose“ gehört dann der absoluten Minderheit der Rocksongs auf dieser CD an; geschrieben von Larry Henley wird gepflegter Rock geboten, kleine Gitarrenriffe inklusive, ein schöner Radiosong, der ausnahmsweise eine positive Stimmung verbreitet. Es ist schon ein Longplayer für ruhige Stunden, denn die Attribute „mitreißend“ oder „laut“ passen selten dazu, eher melancholisch, zurückhaltend und mit viel Country-Zutaten angerichtet. Die Songs erzeugen eine derartige Stimmung, da muss es einfach draußen regnen, für sensible Gemüter ist das ein Pflichtkauf. Sicher könnte es in euphorischer oder halbwegs positiver Grundstimmung diese CD verzichtbar sein, die hörbaren Leiden der amerikanischen Sängerin mitzuerleben, obwohl die Qualität auf jeden Fall stimmt. Nach einigen Hördurchgängen verdeutlicht sich schon wie nicht nur diese Stimme, sondern auch die Songs einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Von den zwölf Tracks komponierte Frau Osborne leider nur sechs und wird mit diesem Album die Country-Charts entern, denn das diese Musikerin Songwritertalent hat, ist unbestritten. Sie sollte aber beim nächsten Mal wieder einen etwas rockigeren Longplayer schaffen, da nicht nur ihre Fans diesen Musikstil doch eher bevorzugen könnten. Nicht umsonst unterstützte sie schon Rocksängerin Melissa Etheridge als Gast bei ihrer Tour und überzeugte 2001 das Publikum damit. Mit 44 Jahren darf Mrs. Osborne natürlich auch ein entspanntes und nachdenkliches Werk abliefern, denn verbiegen lässt sie sich musikalisch bekanntlich nicht. Beim nächsten Mal wird sie die Handbremse schon lösen.

Anspieltipps:

  • Brokedown Palace
  • Who divided
  • Shake that devil
  • Dead Roses
  • After Jane
Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
6.5/10

Trouble No More: Bootleg Series Vol. 13 (1979-1981)
  • 2017    
Diskutiere über „Joan Osborne“
comments powered by Disqus