Gabriel Rios - Ghostboy - Cover
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Gabriel Rios Ghostboy


  • Label: Pias/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 74 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

In seiner Heimat Puerto Rico kann Gabriel Rios als Jugendlicher nichts mit der einheimischen Folklore anfangen und beachtet Stile wie Reggae oder Salsa nicht, denn er hatte schon längst zum Punkrock gefunden. Anstatt, wie viele seiner Landsleute, in die USA auszuwandern, zieht es ihn nach Belgien, um die europäische Kultur kennen- und lieben zu lernen. Auch die dortige Musik lässt ihn nicht kalt und so ist er von Bands wie dEUS und Zita Swoon schwer beeindruckt. Gerade weil sie so anders klangen, als alles was er bisher kennen gelernt hatte, ziehen sie ihn in seinen Bann. Er wird in Gent wohnhaft und das Unglaubliche passiert: Er vermisst seine Heimat und mindestens ebenso die Musikstile wie Latin und Salsa. Zum Glück schickt ihm sein Vater regelmäßig CDs mit Klassikern aus diesen Bereichen und Gabriel Rios´ selbst komponierte Werke veränderten sich auch, genau wie seine plötzlich auf den Kopf gestellten Hörgewohnheiten. Als letzter Baustein fehlt nur noch ein Kollege und der ist mit dem durch Electronica-Sounds vielseitig ausgestatteten Jo Bogaert schnell gefunden. Die Beiden wollen ein gemeinsames Album aufnehmen, um das eher europäische geprägte Electronica-Genre mit dem Flair aus der Karibik zu vereinen und aus diesen beiden Polen eine Einheit zu machen, die man nun auf „Ghostboy“ nachhören und vor allem mitfühlen kann.

„La Gran Siesta“ markiert dem Titel entsprechend einen lockeren, von Bläsern und feingliedrigen Percusssions dominierten Einstand, der für euphorische Gefühlsregungen beim Hörer sorgt. Voller Spielfreude und mit viel südländischem Flair gleicht dieser Auftakt einem Rausch der guten Laune und vor lauter Endorphinen vergisst man fast, dass Gabriel Rios mit lockerer Zunge am Mikrophon für genau so viel Großartigkeit sorgt, wie die vielseitige Instrumentierung. Elektronische Beats fallen zum ersten Mal bei „Bones Bugalú“ auf und bleiben zum Glück auch über die gesamte Spieldauer vergleichsweise im Hintergrund. Es dominiert organisch erzeugte Lebensfreude, die durch eine große Backing Band mitsamt Piano, Mandoline, Banjo, taktsicheren Percussion-Einsätzen und wundervolle Gastsänger/innen forciert wird.

Die Samples vom amerikanischen Latin-Pionier Willie Colón fügen sich reibungslos in die Bandsounds ein und sind wie die anderen elektronischen Beigaben dem Gesamteindruck dienlich, gerade weil sie nicht sonderlich hervorstechen. Neben den sonnigen Momenten gibt es vereinzelt auch nachdenkliche Ausdrucksformen, die im ambient-mäßigen, schwebenden „Unrock“ besonders tief ins Herz vordringen. Während „Catastrofe“ ein Genre wie Dancehall streift und die Feierlaune des südamerikanischen Volkes bestens in musikalischer Form wiedergibt, groovt sich das abschließende „Badman“ mit eindringlichen Rhythmen und eindrucksvollen Duett-Vocals in die Abendsonne. Und so wird spätestens nach dem Konsum der DVD, die Gabriel Rios mit beherzt auftretender Selbstsicherheit und mitreißender
(Band-)Performance ohne elektronische Beigaben während der „Palm Sessions“ zeigt, klar, dass dieser Mann mit dem Debüt „Ghostboy“ nicht nur einen ausgereiften Einstand abliefert, sondern mit seiner Spielfreude und unbekümmerter Herangehensweise an lateinamerikanische Perlen viel Potenzial für die Zukunft hat.

Anspieltipps:

  • Unrock
  • Ghostboy
  • La Gran Siesta
  • Broad Daylight
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