And You Will Know Us By The Trail Of Dead - So Divided - Cover
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And You Will Know Us By The Trail Of Dead So Divided


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Über die Band Trail Of Dead zu schreiben, ist nicht gerade der dankbarste Job. Insbesondere, weil ihr bisheriger Lebenslauf in zwei Epochen eingeteilt werden kann: Die Ära vor „Worlds Apart“ und diejenige danach. Der Lärm und das Epos. Mit „Source Tags And Codes“ (2002) kreierten die Texaner eine grandiose Lärmstudie, ein Emocore-Märchen quasi. In „Worlds Apart“ (2005) packte die Band dann alles, was derzeit in der Rockmusik möglich war, auf eine Scheibe, inklusive dem brutalsten Opener aller Zeiten. Mit diesem Geniestreich hat sich die Band wahrlich keinen Gefallen getan, denn die Ansprüche steigen nun ins Unermessliche. Schwer zu glauben, dass Trail Of Dead mit dem Nachfolger „So Divided“ tatsächlich ein noch fulminanteres Album vorlegen, welches sich in seiner wunderbaren Einfachheit selbst ein Denkmal setzt.

Mit dem für die Gruppe außergewöhnlich schlichten und ruhigen Auftakt „A song of fire and wine“ öffnen sich die Türen zu 52 Minuten Genialität, Wahnsinn und großen Melodien, deren Ausgang weit entfernt im Ungewissen liegt. So stampft „Stand in silence“ erst einmal recht konventionell drauflo, direkt übergehend in „Wasted state of mind“, einem der Höhepunkte der Platte, einer rhythmisch treibenden Trommel- und Bongo-Orgie, plus Klavierbegleitung, wunderschöner Melodie und einem Refrain für die Ewigkeit. In dem knackigen Bluesrocker „Naked sun“ steigert sich die Band sogar noch weiter und wartet mit einem ebenso simplen wie grandiosen Finale auf, dass des Hörers Herz lacht und ihn der Band verfallen lässt. Das wunderbare „Guided By Voices“-Cover „Gold heart mountain top queen directory“ trägt den Hörer weiter als dieser sich erträumen lässt, während aus dem abgrundtief düsteren Titeltrack ein Gruß von „Worlds Apart“ vorbeiwinkt.

Im Allgemeinen ist dieses Album trotz poppiger und belustigender Songs äußerst düster, auf eine gewisse Art und Weise auch ernüchternd und – man traut es sich kaum zu sagen – ehrlich. Was Sänger, Drummer und Gittarist Conrad Keely selbst hervorhebt: „Wie ich mit dieser Idee der Offenbarung gekämpft habe! Aber ein Songwriter, der sich gegen seine Songs wehrt, begibt sich auf verlorenes Terrain, wie die Chimäre, die ihre überflüssigen Köpfe besiegen will: Sie kann sich nur ins eigene Fleisch schneiden. Also ließ ich mich auf die Ehrlichkeit ein, und das Resultat stellte sich als überraschend düster heraus.“ Ein Umstand, welcher sich in den nächsten beiden Titeln „Life“ und „Eight days hell“ widerspiegelt. „Life“ wartet gar mit einem der schönsten aber auch ernüchterndsten Refrains der Bandgeschichte auf: „Talk to me, reveal how lost your life must seem/All the wonderful things that you could never achieve/Now you’re out of time/your life is dry/you’re wondering why.” Und in der bitterbösen Abrechnung „Eight days hell” stellt man sich die Frage, ob man den Song nicht bereits auf „One“ von den Beatles gehört hat.

Wie sehr wir sie doch küssen möchten. Dabei sind hier alle Fragen egal. Was zählt ist die Musik. Euphorie. Gesteigert nur noch durch das geniale „Witches web“, einem uralten TOD-Song, welcher erst auf diese Platte passte und der Teufel mit der Slide Gitarre das Duett Keely/Amanda Palmer von den Dresden Dolls begleitet. Da fährt er hinaus in die untergehende Sonne, der Zug. Endlos weit, und wir stehen da, alleine am Bahnhof und schwelgen in Melancholie, während „Sunken dreams“ den Abschluss bildet, inklusive Chören, pathetisch entferntem Gesang und verschollenen Instrumenten, die in den letzten Ecken des Studios gefunden wurden.

War „Source Tags And Codes“ der in kindlichen Übermut kreierte Sturm und „Worlds Apart” die jugendliche Neugierde, so ist „So Divided“ das Erfassen der Realität, die Ernüchterung, das Erwachsenwerden. Düster und nachdenklich. Die Band geht den auf „Worlds Apart“ eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Sie liefert mit „So Divided“ ein sehr persönliches Indie-Album für die Ewigkeit ab. Die Chimäre hat gelernt, sich mit sich selbst zu arrangieren, zu begreifen und dann zurück zu schlagen.

Anspieltipps:

  • Life
  • Witches Web
  • Eight Days Hell
  • Wastet State Of Mind
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