P. Diddy - Press Play - Cover
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P. Diddy
- Press Play


  • Label: Bad Boy/WEA
  • Laufzeit: 79 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist wie eine große Abschiedsparty mit all seinen Freunden und sagt schon mit dem Titel „Press Play“ aus: Bitte einschalten, zurücklehnen und genießen. Sean „P. Diddy“ Combs verabschiedet sich mit seinem gebührenden fünften Studioalbum bei den Fans und beendet seine HipHop-Ära vor dem Mic. Allerdings nicht hinter den Reglern, denn da möchte der 36jährige Superstar weiterhin mitmischen.

Mit seiner neuen Platte zeigt sich Diddy, Daddy, Puffy oder wie auch immer er es wünscht, äußerst experimentierfreudig und soulig. Sein 19 Lieder starkes Album weist eine Gästeliste auf, von der viele seiner Kollegen vor Neid erblassen werden. Neben den führenden Damen im Business wie Mary J. Blidge, Christina Aguilera, Nicole Scherzinger von den Pussycat Dolls, Ciara und der neuen Rap-Queen Shawnna, hat Diddy HipHop-Kollegen wie Big Boi, Scar, Timbaland, Twista, Nas, Jamie Foxx und Cee-Lo mit aufs Album gepackt. Die verschollenen Frauenversteher Mario Winans und Avant hat er auch sogleich ausfindig gemacht und sofort zu einer Session ins Studio eingeladen. Newcomerin Keyshia Cole und Keri und Altmeisterin Brandy geben sich ebenfalls die Ehre und runden Diddys vorläufiges Abschlusswerk „Press Play“ sehr gelungen ab. Vorläufig – weil Diddy vielleicht das gleiche Schicksal wiederfährt wie seinem ehrenwerten Kollegen Jay-Z. Dieser (Jigga, Hova oder Jiggaman) verabschiedete sich vor knapp drei Jahren und hatte das gleiche Ziel wie Diddy vor Augen: nur noch Produzieren. Bei Jigga hat es jeden Falls nicht hingehauen und bei Diddy ist es auch noch fraglich. Allerdings hat er ja mit seinem Label Bad Boy, seiner Modelinie Sean Jean, seinem eigenen Parfüm, seiner Restaurantlinie und seinen Produktionen einiges zu tun. Nebenbei muss der Businessman auch noch seine Familie versorgen, die um zwei Zwillinge gewachsen ist. Seiner Familie oder besser gesagt seiner Frau fürs Leben, widmet er auch sogleich den Song „Partners for life“ zusammen mit Womanizer Jamie Foxx.

So HipHop–artig, wie „Press Play“ beginnt, bleibt am Ende der Scheibe nur noch R’n’B übrig („Making it hard“, „Thought you said“, „Through the pain“, „After love“), wo Diddy sogar den Hauptteil an Keyshia Cole weitergibt und nur noch in seinem singenden (!) Refrain zu hören ist („Last night“). Zusammen mit Mario Winans gibt es für alle R’n’B-Fans eine Neu-Version von Winans „I don’t wanna know“ zu hören, dessen Beat und Rhythmus exakt Diddys neuem Song „Through the pain“ gleicht. Doch neben den R’n’B-Elementen hat Mr. Sean Combs auch noch den ultimativen Jigga-Sound nachgeahmt („We gon’ make it“, „The future“, „Hold up“) und versucht sich auch in Jay-Zs Rapstyle in „We gon’ make it“. Eine weitere Flow-Änderung findet man in „The future“, wo Diddy mit seinem aggressiven und langsamen Rap an Ice Cube erinnert. Nicht zu vergessen, sind die Intros und Interludes („I am“, „Claim my place“), die eigentlich auch als komplette Lieder durchgehen könnten. Mit seinem Intro „Testimonial“ präsentiert sich Diddy selbst als „You are now listening to the sound of the world’s famoust... you know my name“ und knallt seine Lyrics, die mit einer monotonen und heldenhaften Musik à la Fluch der Karibik unterlegt sind, dem Hörer entgegen.

In dem Interlude „Claim my place“ wird Combs von Schmusesänger Avant unterstützt, der fröhlich im Hintergrund herumträllert, währenddessen Diddy unwichtiges Zeug labert und man sich eigentlich auf Avant konzentrieren möchte. Neben den R’n’B und Old School Songs dürfen die richtigen Clubbanger natürlich auch nicht fehlen, denn was wäre ein Club ohne Diddy oder besser, Diddy ohne einen Club? Der Ibiza-Fan präsentiert mit ungewohnten Sounds und schnellen Beats und Raps einige sehr gelungene Partysongs. Da wäre zum Beispiel „Wanna move“, der schon durch einen Blick auf die Gäste klar macht, dass man es hier mit einem Clubbanger zu tun haben muss. Zusammen mit Big Boi, Ciara und Scar bietet Diddy dem Partygänger einen ohrwurmverdächtigen Refrain und drei Rapper in Höchstform, die mit dem Beat in Einklang sind. Hundertprozentig eines der besten Kollabos auf Diddys „Press Play“. Übergangslos geht es mit „P. Diddys rock“ weiter, das schon alleine mit Timbalands Namen Großes verspricht (kleiner Hinweis: Nelly Furtado mit „Promiscuous“).

Timba und Diddy rappen zusammen mit Shawnna, der Zukunft des weiblichen Raps, und Twista um die Wette und beginnen mit einem Mal schnellen und Mal langsamen Rhythmus eine völlig neue Beat-Ära. Zu erwähnen ist natürlich auch noch Diddys erste Single „Come to me“ zusammen mit Frontfrau Nicole Scherzinger von den Pussycat Dolls. Combs beginnt in dem Lied mit einer Text-Kopie von „Ex-Kumpel“ Loon, der den gleichen Rap in seinem Song „Relax ya mind“ präsentiert hat. Darüber kann man noch hinwegsehen und wird auch nicht enttäuscht, denn der smoothe tanzbare Rhythmus und der durchaus gute Gesang von Nicole machen neben Diddys Rap den Song zu einem erfolgreichen Start. Wenn man mal davon absieht, dass Diddy in dem Videoclip sich erstmals im Tanzen probiert, was allerdings ein wenig in die Hosen geht und besser in Zukunft von PCD-Sängerin Nicole übernommen werden sollte. Sorry, Diddy, du bist nicht der neue Dancestar von morgen.

Mit vielen verschiedenen Sounds und Styles veröffentlicht Diddy sein vorerst letztes Album „Press Play“, dass leider kein Klassiker, aber doch ein gelungener Abschluss für den Workaholic geworden ist. Man darf gespannt sein, was man in naher oder ferner Zukunft von Diddy hören wird.

Anspieltipps:

  • Last night
  • Come to me
  • Wanna move
  • Special feeling
  • We gon’ make it
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