DJ Shadow - The Outsider - Cover
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DJ Shadow The Outsider


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 71 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn die ehemals komplexen Ideen ein wenig gelitten haben und man nur selten den liebenswürdigen Weirdo in ihm heraushört, meldet sich DJ Shadow in guter Verfassung zurück.

Josh Davis alias DJ Shadow ist kein Mann für die einfachen Momente. Er mag es gleichermaßen verschachtelt und durchdacht, ist aber dennoch kein Control-Freak, sondern ein Musiker mit der Leidenschaft, die nur selten zu finden ist. Womit wir auch schon beim nächsten, elementaren Punkt wären: Welche Musikrichtung ist das eigentlich, womit uns DJ Shadow zuletzt durch „The Private Press“ (2002) zum Staunen brachte? Auf jeden Fall ist sie emotional und bietet endlose Entdeckungsmöglichkeiten. Da wird schon mal ein ganzer Track aus der Manipulation einer einzigen Funk-Single gewonnen, während andere Samples Schicht für Schicht zu einem großen Ganzen aufgetürmt am Ende in einem Breakbeat der abstrakten Art enden. Was 1996 mit der Veröffentlichung von „Endtroducing...“ begann, über die Produktion des U.N.K.L.E.-Albums „Psyence Fiction“ (1998) weiterging und schließlich mit „The Private Press“ zum Selbstgänger wurde, eröffnet dieser Tage in Form von „The Outsider“ in gewisser Weise eine neue Ebene.

Das Songwriting ist deutlich eingängiger und songorientierter, wobei die Beats zum größten Teil wuchtig punkten, ausgewogene Kurven nehmen, die MCs und Sänger/innen für Abwechslung sorgen und sogar ein Punk/Hardcore-Stück wie „Artifact“ (zusammen mit Zack de la Rocha/Ex-RATM geschrieben) vertreten ist. Nimmt man sich jedoch die Single „Enuff“ (u. a. mit Q-Tip) vor, traut man seinen Ohren kaum. Wenig aufregende, dümpelnde Beats, die erst zum Ende hin vielseitiger werden und eine plastische Hookline bleiben, gemessen an den Ansprüchen eines DJ Shadow, irgendwo auf dem Weg dorthin hängen. Ganz anders dagegen das beeindruckend pochende „Seein´ Thangs“ (mit David Banner), welches Hip Hop in Reinkultur bietet, doch viel tiefer geht, als so manches, was sich heute unter diesem Banner unaufhaltsam in den Charts tummelt. DJ Shadow verneint die Grenzen der Genres und ist sich dennoch bewusst, im Hip Hop seine Liebe immer wieder zu finden. Das merkt man der vorwiegend von Beats und Sprechgesang geprägten ersten Hälfte des Albums an, obgleich die ein oder andere Wende in den Songstrukturen nicht geschadet hätte.

Nach dem wuchtigen, rockenden „Artifact“ ist das 7-minütige „Backstage Girl“ mit seiner Länge, dem balsamierenden Groove und der relaxten Gitarren etwas schwach auf der Brust, geht aber als entspannendes Element für zwischendurch in Ordnung. Entspannung und Ambient tritt dann in der zweiten Hälfte von „The Outsider“ deutlich zu Tage, wenn z. B. Sergio Pizzorno sowie Christopher Karloff von Kasabian bei „The Tiger“ orientalisches Flair und solide Gitarrenarbeit neben eindringlichen Vocals platzieren, um sich träumerisch von dieser Welt zu verabschieden. Auch „Erase You“ lässt dunkle Wolken aufziehen und atmet pure Melancholie, die mit DJ Shadows feingliedrigem Arrangement, in denen einprägsame Breakbeats viel Platz haben, die Langzeitwirkung unterstreichen, auch wenn man immer wieder an Thom Yorke denken muss, der wohl in die Person des hier singenden Chris James geschlüpft sein muss. „Dats My Part“ featured E-40 und kommt kurz vor dem Ende der CD äußerst antreibend und catchy daher, während der abschließende Remix von „3 Freaks“ nicht mehr als eine mäßige Zugabe ist. Trotzdem bleibt unter dem Strich festzuhalten, dass sich DJ Shadow in guter Verfassung zurückmeldet, auch wenn seine ehemals sehr komplexen Ideen ein wenig gelitten haben und man nur selten den so liebenswürdigen Weirdo in ihm heraushört.

Anspieltipps:

  • Turf Dancing
  • Seein´ Thangs
  • Erase You
  • What Have I Done
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