Der Hund Marie - Hooligans And Tiny Hands - Cover
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Der Hund Marie Hooligans And Tiny Hands


  • Label: Grand Hotel van Cleef
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Grand Hotel van Cleef, dem immer noch angesagtesten Indie-Label Deutschlands, trägt Max Martin Schröder eine besondere Marke. Gerne wird er als „Multiinstrumentalist“ bezeichnet, beherrscht er doch Gitarre, Keyboards und Schlagzeug gleichgut. Zunächst begann seine kleine Karriere als Gitarrist bei „Olli Schulz & Der Hund Marie“. Seinen früheren Künstlernamen „Le Chien Marie“ hat er dafür extra ins Deutsche übersetzt. Swen Meyer, der einstige Mitbewohner von Schröder und heutzutage Hofproduzent des Grand Hotel van Cleef, stellte Schulz und Schröder einander vor. Er war es wohl auch, der Schröder das neue, gerade produzierte Tomte-Album „Hinter all diesen Fenstern“ vorspielte, woraufhin Tomte-Sänger Thees Uhlmann eine Nachricht von Max bekam, dass er sich als Keyboarder anbiete. Kurze Zeit später ist Max Schröder festes Ensemble-Mitglied bei Tomte. Eine glückliche Wahl, ist es doch Schröder, der den Songs durch Keyboards, Gitarren oder Percussion den letzten Schliff gibt. Es folgt ein Schlagzeugerplatz in der Hansen Band, die für den Film „Keine Liebe über Liebe“ aufgestellt wurde. Drei Lieder des Soundtracks, darunter der Titelsong, stammen sogar von dem Hund Marie.

Ein Landhaus mit vielen Instrumenten sorgte für die nötige Ruhe, um nun das erste Soloalbum von Max Schröder zu verfassen. „Hooligans & Tiny Hands“ heißt das Werk und im Vorfeld gab es schon viele Spekulationen um das Album: Wird es ein Instrumentalalbum sein? Singt der Hund Marie? Wird es auf Englisch sein oder auf Deutsch? Es ist kein Instrumentalalbum, was schon mal sehr viel Euphorie provoziert, schließlich hat der durchschnittliche Fan Max Martin Schröder noch nie sprechen gehört. Meist saß er immer nur wie hypnotisiert neben Olli Schulz und streichelte seine Gitarre. Dass er aber auch singen kann und dazu noch eine sehr angenehme Stimme hat, war uns der Hund Marie lange schuldig und zeigt nun umso deutlicher, dass er sich nicht verstecken muss.

Die fabelhaften Lieder, die Max Schröder für die Hansen Band geschrieben hat, ließen erhoffen, dass nun auch das Debütalbum voll mit wunderbaren eingängigen Popliedern ausgestattet ist. Doch wer das wirklich hören will, wird enttäuscht, denn einzig die skizzenhaften Texte sind als Markenzeichen geblieben. Stattdessen erscheinen alle Songs zunächst in ähnlichem Stil, ähnlichen Rhythmus und ähnlicher Atmosphäre. Dazu verwirrende Texte, wie zum Beispiel im Albumtitelgebenden Opener „Hooligans & Tiny Hands“, in dem er seinem Fruchtsalat einen guten Morgen wünscht. Vielleicht ist es auch nur ein Kosename! Eine Metapher? Der Hund Marie bezeichnet seine Texte als Selbstgespräche oder Gespenster, so wie er dann mit einer guten Portion Humor zu sich selbst sagt „Such Marie! Wo ist das Leben? Es könnte hier für uns genug zu essen geben“.

Erstaunlicherweise tauchen immer wieder weitere Hundegedanken in den Songs auf. So wie sie nachts tief und Angst einflössend in „Stellt mich auf die Beine“ bellen oder Max ab einem bestimmten Alter alle „Wau-Wau“ nennen möchte. Wer „Olli Schulz & Der Hund Marie“ mag, weiß die Arbeit von Max Schröder zu schätzen, ist er es doch, der die vielen kleinen Melodien als Lückenfüller einsetzt, die einem so viel bedeuten. Und genau diese Melodien werden uns auf „Hooligans & Tiny Hands“ vorenthalten. Alles ist sehr einfach gehalten. Hier der Bass, nun das Schlagzeug und wenn der Hund zum Gitarrensolo bei „Moby Dick“ mitsingt, klingt es eher nach einer spontanen Idee oder einem Versehen, dass es mit aufgenommen wurde und doch klingt es so schön, dass man es gleich noch mal hören möchte.

Doch im Grunde wird niemand mit diesem Album enttäuscht, vielmehr überrascht, verwirrt und man wird mit „Honig für mein Handicap“ zufrieden zurückgelassen. „Hooligans & Tiny Hands“ soll nicht revolutionieren und keine anderen Erwartungen erfüllen. Dass der Hund Marie schöne Popsongs schreiben kann, hat er in „Keine Lieder über Liebe“ bereits demonstriert, und so bringt er lieber Skizzen als Songs heraus, was heutzutage doch zu selten ist. Und selbst in den Skizzen verbergen sich wunderbar kleine Popsongs, wie „Wwenn“ und „Boot“, denen man besonders viel Aufmerksamkeit schenken möchte. Allein wegen großartiger Zeilen wie „Wenn ich mal alt bin, dann werde ich ruhig und weise sein, wenn ich soweit bin und schließlich alle Namen kenne, nenn ich mich Wau-Wau, werd ich euch alle Wau-Wau nennen“ („Wwenn“).

Auch wenn der Wahl-Berliner auf so gut wie allen Hochzeiten des Hamburger Plattenlabels tanzt, spart er sich die Gastmusiker. Alle Songs hat er selbst eingespielt, nur Freundin Heike Makatsch durfte bei den Backingvocals zu „Boot“ und „Sie singen ‚Tears are cool’“ mitsingen. Und so spontan wirkt das Album auch sehr gelassen, was selbst dem kafkaesken Song „Die Stimmung ist verwirrend“ sehr gut bekommt. Ein Album für den anfangenden Herbst, wenn man über die ersten braunen Blätter spaziert und dabei leise „Moby Dick schrieb mir ein Buch in mein Blut“ („Moby Dick“) mitsummt.

Anspieltipps:

  • Boot
  • Wwenn
  • Moby Dick
  • Hooligans & Tiny Hands
  • Honig für mein Handicap
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