Disillusion - Gloria - Cover
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Disillusion Gloria


  • Label: Metal Blade/SPV
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Bis die Leipziger Band Disillusion mit ihrem Erstling „Back to times of splendor“ (2004) internationale Lobeshymnen einfahren konnte, dauerte es geschlagene 10 Jahre, denn ständige Personenwechsel ließen die Moral gelegentlich auf den Nullpunkt sacken und der Entschluss die Band aufzulösen wurde bereites zweimal in die Tat umgesetzt. Gelegentlich zu fünft oder auch mal zu viert unterwegs, blieb es schlussendlich bei den drei hartgesottenen Mitgliedern Schmidt (Gesang, Gitarre), Maluschka (Schlagzeug) und Barthel (Gesang), die ihren visionären Klangkulissen mit „Gloria“ nun einen weiteren Schritt nach vorne gönnen wollen.

Gleich auf den ersten Blick ist auffällig, dass im Vergleich zum Vorgänger beinahe das Doppelte an Tracks vorhanden ist und die Laufzeit der einzelnen Stücke deutlich zurückgenommen wurde. Das Fehlen von viertelstündlichen Ausflügen der Marke „The sleep of restless hours“ oder „Back to times of splendor“ lassen vermuten, dass das Konzept hinter „Gloria“ in Richtung Eingängigkeit und Simplizität neigt, doch bereits der Opener „The black sea“ revidiert die Annahme völlig. Ein bedrohliches Streicherstakkato paart sich mit einem düsteren Klangteppich, das Schlagzeug gibt einen gemächlichen Takt vor und plötzlich bricht unerwartet kurz vor der ersten Minute die Hölle mit einem Thrashgewitter los.

Die Stimme Schmidts wird durch einen Verzerrer geschleift, immer wieder mischt sich ein Frauenchor ins Geschehen, nur um den anschließenden Knüppelparts mehr Effektivität einzuräumen. Beinahe süßlich wird der Refrain im darauffolgenden, unbeschwerlichen „Dread it“, dem gleich im Anschluss das ungestüme „Don´t go any further“ folgt, das stellenweise an die Crossover-Truppe von Clawfinger erinnert. Dass das Spiel mit der Erwartungshaltung in Laut-Leise und Schnell-Langsam-Dimensionen bei Disillusion als vorrangiges Stilmittel verwendet wird, erklärt sich bei „Avalanche“ von selbst, wenn das Tempo kurz angezogen, aber dann doch wieder zurückgenommen wird um erst im Schlussteil über den Schwellenpunkt zu treten.

Der Titeltrack beherbergt eine düstere, scherwütige und dennoch nach den ersten Durchgängen ungeahnte wirre Struktur, die sich erst durch exzessiven Hörgenuss erschließt. Soundhackschnitzel im instrumentalen „Aerophobic“ werden als präzises Stilmittel eingesetzt und „The hole we are“ wächst nach und nach zu einem klaustrophobischen Ungetüm, bis Schmidt seinen Text in beinahe gleichgültiger Manier runterbetet und die progressiven Untertöne verebben. Von den geradlinigen, im Vergleich zum Rest eher unaufgeregten und singletauglichen Songs „Save the past“ und „Too many broken cease fires“ wird „Lava“, das ebenfalls ohne Text auskommt, flankiert, damit die kratzigen Licks und Riffs, sowie die melancholische Färbung, die höchste Aufmerksamkeit bekommen.

Einen ruhigen, sanften und behutsamen Schlusspunkt setzt „Untiefen“ und beschließt somit ein Album, das mit einem überdurchschnittlichen Thriller gleichzusetzen ist. Dem unerschrockenen Hörer wird die Handlung präsentiert, die gleich zu Beginn das erste Schreckensmoment („The black sea“) beherbergt. Im weiteren Verlauf wechseln sich Actionsequenzen („Don´t go any further“, „The hole we are“) und ruhige Passagen („Dread it“, „Avalanche“) ab, bis alles aufgeklärt ist und der Abspann („Untiefen“) erscheint. Das zweite Album der Leipziger ist ein Ereignis, konstatiert der Pressezettel, und er hat recht. Wo zeitweise der rote Faden abgeblieben ist, der sich im Debüt wunderschön fortgesponnen hat, bleibt allerdings ein Rätsel.

Anspieltipps:

  • Lava
  • Aerophobic
  • The Hole We Are In
  • Don´t Go Any Further
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