Ben Folds - Supersunnyspeedgraphic: The LP - Cover
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Ben Folds Supersunnyspeedgraphic: The LP


  • Label: Red Ink/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht suchen, sondern genießen.

Mitten in die Grunge/Alternative Rock-Welle der Neunziger platzten die gitarrenlosen, hymnischen Ben Folds Five hinein, ein Trio bestehend aus Ben Folds, Robert Sledge sowie Darren Jessee und ausgestattet mit feinstem, noch heute verehrten Piano-Pop und großartigen, ironisch verspielten Texten. Auch wenn im Jahre 2000 schon wieder Schluss war, machte der Songschreiber und Multiinstrumentalist Ben Folds ohne die „Five“ (die eigentlich Drei waren) im Namen allein weiter und veröffentlichte schon 2001 das Solodebüt „Rockin´ The Suburbs“, welches abgesehen von „Songs For Silverman“ (2005) bis heute seine einzige Soloscheibe bleiben sollte. Doch die Musik ruht auch in den Jahren dazwischen nicht, denn der Wahl-Australier produziert William Shatners „Has Been“ (Auf dem u.a. Joe Jackson, Aimee Mann und Henry Rollins musizierten.) und nimmt im Schnelldurchlauf vier, vorerst nur für den Internet-Download gedachte EP´s auf. Eine davon, nämlich The Bens war ein Projekt mit Ben Kweller und Ben Lee, zu dem die drei gleichermaßen begnadeten Musiker sogar gemeinsam auf Tour gingen.

Darüber hinaus erfreuten sich die EPs „Speed Graphic“, „Sunny 16“, „Super D“ und das als Single veröffentlichte Dr. Dre-Cover „Bitches Ain´t Shit“ großer Beliebtheit in diversen Downloadstores, so dass Folds nicht nur aufgrund seiner glühenden Leidenschaft für physische Tonträger schließlich um eine Veröffentlichung für die Plattenläden nicht umhin kam. Überarbeitet finden sich nun diverse Songs von besagten EPs, der Single und andere hochwertige Beigaben auf dem Langspieler „Supersunnyspeedgraphic: The LP“ wieder. Den Anfang macht der Cure-Dauerbrenner „In Between Days“ in einer, wie es sich für Ben Folds gehört, pianogetränkten Version, welche die Euphorie des Originals gut einfängt, aber bei dem Versuch die Vocals von Robert Smith authentisch einzufangen doch gewisse stimmliche Engpässe offenbart. Doch das soll auch der einzige Minuspunkt auf einer großartigen Platte bleiben. Divine Comedy´s „Songs Of Love“ holt mit ausufernden Streicher-Einsätzen, dem tröpfelnden Piano und Backing Vocals von John Mark Painter die große Gefühlskeule heraus, ohne je über die Gefahr namens Kitsch nachdenken zu müssen. Das ist Pop und das ist Ben Folds.

Auch die Eigenkompositionen munden in bekannter und geliebter Folds-Manier, so dass sich bei „There´s Always Someone Cooler Than You“ virtuose Klavierarien auf schwungvollem Terrain tummeln und „Rent A Cop“ schier unermüdlich swingt, denn neben den von Ben Folds eingespielten Drums, Piano, Bass, Akustik-Gitarre (die allerdings im Hintergrund bleibt) und natürlich seiner wohligen Stimme, sind es die von John Mark Painter ungezügelt gespielten Blasinstrumente, die ungemein ins Blut gehen und sogar das abschließende Schlagzeug-Solo kurzzeitig hinter sich lassen. Man könnte stundenlang so weitermachen, denn das abgehangene Dr.-Dre-Cover „Bitches Ain´t Shit“ erfreut nicht nur dank der anzüglichen Vocals, sondern auch durch die Kunst eines Ben Folds, jedem noch so fernen Genre seinen Stempel aufzudrücken. The Darkness, deren „Get Your Hands Off My Woman“ teils manische Züge annimmt, dürften davon ein Lied singen – ihre geliebte Gitarren werden sie allerdings vergebens suchen. Alle anderen suchen einfach mal nicht, sondern genießen – Gründe gibt es auf „Supersunnyspeedgraphic: The LP“ genug.

Anspieltipps:

  • Bitches Ain't Shit
  • Rent A Cop
  • Get Your Hands Off My Woman
  • Dog
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