Nena - Cover Me - Cover
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Nena Cover Me


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 132 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Diese Frau ist absolut maßlos: Direkt nach „Willst du mit mir gehn“ (03/2005) präsentiert Nena (47) ihren Fans mit „Cover Me“ ein weiteres pickepacke volles Doppelalbum. Dabei wirkte schon der Vorgänger überladen, halbgar und unnötig in die Länge gezogen. Doch gelernt haben Nena und ihre Produzenten (u.a. Uwe Fahrenkrog-Petersen) nichts daraus. Gleich 31 Coverversionen mussten es sein. Von den ganz Großen der Zunft, aber auch von Kolleginnen und Kollegen, die das ältere Nena-Publikum kaum kennen dürfte. Doch dieses wird zumindest bemerken, dass die vorliegende Liedmenge in vergangenen Vinyl-Zeiten locker für ein Vierfachalbum gelangt hätte. Wahnsinn! Der Spaß führt sogar soweit, dass jeweils zwei Lieder von den Rolling Stones, Bob Dylan, Udo Lindenberg (hey, endlich wieder ein paar Tantiemen für den im Hotel lebenden Alt-Rocker!) und David Bowie zur Aufführung kommen. Kann man verstehen, muss man aber nicht.

Grundsätzlich macht Nena vor keiner stilistischen Hürde Halt und schnappt sich vom NDW-Hit („Eiszeit“) über Rockklassiker der 60er und 70er Jahre („Heroes“, „Us and them“, „After the goldrush“) bis hin zu neuzeitlichem Material von Rammstein („Ein Lied“), Die Fantastischen Vier („Mein Schwert“), Air („Sexy boy“) und Mazzy Star („Fade into you“) alles, was sie vor die Flinte bekommt. Bei so einer Bandbreite ist die Gefahr des Scheiterns natürlich allgegenwärtig. Und in der Tat leistet sich Nena ein paar waghalsige Ausrutscher, die weder stimmlich noch von der Art der Interpretation zu ihr passen. So ist die Version von „Ich werde dich lieben“ (Marlene Dietrich) allein von der Gesangsleistung einfach nur beliebig und fade. Robert Smith (The Cure) wird sicher erstaunt sein, wie man aus seinem Gute-Laune-Lied „Friday I’m in love“ einen total platten Pop-Punksong machen kann und über die Stones-, Bowie- und Dylan-Cover breiten wir auch lieber den Mantel des Schweigens, während Songs wie „Für alle, die“ (Klee) oder „Schön von hinten“ (Stereo Total) dagegen eins zu eins in das Repertoire der späten Nena-Alben passen, ohne groß aufzufallen.

Überhaupt erfüllt das Gros der Songs den Tatbestand nicht aufzufallen und lediglich ganz nett zu sein, wobei zum Glück nicht ausschließlich super-bekannte Tracks gecovert wurden, die dem Hörer bereits zu den Ohren herauskommen. Das ist unterm Strich auch das größte Plus von „Cover Me“! Gleichwohl ist die Ausbeute an überragenden Interpretationen eher schwach. Und nachdem sich Nena im Zuge ihres Comebacks ausgiebig selbst gecovert hat, bedurfte es nicht zwingend diesem Überangebot fremder Lieder versammelt auf zwei CDs. So fehlt es am Ende einer gewissen Ausgewogenheit, die aus einem durchschnittlichen Album etwas Besonderes macht. Denn Nena hat sich wie ein Kind im Spielzeugladen ausgetobt und einen Lieblingssong nach dem anderen gecovert, alle in einen großen Topf geschmissen, ein paar Mal umgerührt und ihren Fans ohne abzuschmecken serviert. Und wenn sie keiner aufgehalten hätte, wären es vermutlich noch mehr geworden.

Es ist löblich, wenn ein Künstler seinem Publikum etwas fürs Geld bieten möchte. Doch auch der zahlende Kunde kann Qualität von Quantität unterscheiden, was sich im Fall von „Cover Me“ ganz drastisch auf die englischsprachigen Coverversionen bezieht, die im Vergleich zu den deutschen Liedern mindestens um zwei Stufen abfallen. Und komme ja keiner mit innovativen Einfällen und anderen Ausreden! Denn vieles auf dem zweiten Silberling ist schlicht verzichtbar und streckenweise richtig gruselig. Doch wer weiß, vielleicht wird ja irgendwann eine „Best Of Cover Me“-CD mit, sagen wir mal, 15 Songs, veröffentlicht. Das wäre was! Und wenn nicht, stelle Dir doch einfach Deine ganz persönliche Reduktion dieses überambitioniert ausgeuferten Projekts zusammen.

Anspieltipps:

  • Eiszeit
  • Astronaut
  • Remmidemmi
  • Fade into you
  • Slipping away
  • Schön von hinten
  • Mein Weg ist mein Weg
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