Danzig - The Lost Tracks Of Danzig - Cover
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Danzig The Lost Tracks Of Danzig


  • Label: Evilive/SOULFOOD
  • Laufzeit: 115 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Viele der hier vorhandenen Songs zeigen, dass Glenn Danzig mal ein großer Künstler war, den man nie ganz abschreiben sollte.

Wenn gar nichts mehr geht, müssen die B-Seiten her, die Outtakes, Raritäten und Coverversionen. Beim guten Herrn Danzig geht allerdings schon sehr lange nichts mehr. Deshalb ist die Veröffentlichung von 26 „Lost Tracks“ aus rund 20 Karrierejahren zum jetzigen Zeitpunkt eher überraschend. Denn wer will nach schlechten bis katastrophalen Alben wie „I Luciferi“ (2002) und „Circle Of Snakes“ (2004) überhaupt noch etwas von Glenn „Schinkengott“ Danzig und seinen wechselnden Mitmusikern hören?

Offenbar eine ganze Menge, denn die verbliebenen Danzig-Fans freuen sich schon seit Monaten wie Bolle über den anstehenden „Lost Tracks“-Release, streift er doch im Besonderen die frühen Jahre des satanischen Muskelzwergs, nämlich die Sessions der wegweisenden Alben „Danzig I“ bis „Danzig III: How The Gods Kill“ aus den Jahren 1988 bis 1992. Da ist es zu verschmerzen, dass auch Songs von den Aufnahmen zu Gurken wie „Danzig V: Blackacidevil“ (1996) – um nur eine zu nennen – auf dem edel aufgemachten Doppelalbum zu finden sind. Denn diese zum Teil richtig gut, wie z.B. „Crawl across your killing floor“ von „Danzig 6:66: Santans Child“ (1999). Außerdem geht es hier um Vollständigkeit und darum die Fans zu versöhnen, die in der Vergangenheit ratlos mit dem Kopf schütteln, wenn Glenn Danzig mit seinem definitiv vorhandenen Talent wieder in einer Sackgasse gelandet war.

Die Gründe, warum bestimmte Songs manchmal nicht auf einem Album landen, sind so unterschiedlich wie banal. Manchmal stimmt das Feeling einfach nicht oder der Produzent (zum Beispiel ein gewisser Rick Rubin, der die frühen Meisterwerke betreute) legt sein Veto ein. Und so passiert es eben, dass prinzipielle Hits wie „Cold, cold rain“ aus den „Danzig II: Lucifuge“-Sessions einfach unter den Tisch fallen oder dass plötzlich ein Alternative Take von „When death had no name“ aus den „Danzig III“-Sessions auftaucht, der jederzeit das Recht gehabt hätte, auf dem genialen Drittwerk des Meisters veröffentlicht zu werden.

So geht das Spielchen zwei Stunden lang und der Hörer erinnert sich langsam aber sicher wieder daran, wie großartig Mr. Danzig einmal war. Und dass „nur“ anhand von Ausschussware, die es nicht auf die regulären Alben geschafft hat. Das soll was heißen und ist nebenbei tausendmal interessanter als eine Verlegenheits-Best-Of, die absolut niemand braucht. Mit dieser Veröffentlichung erhält der Käufer dagegen ein wertiges Produkt mit einem ausführlichen Booklet, in dem Glenn Danzig aus dem Nähkästchen plaudert und zu allen 26 Tracks erklärt, warum, wieso und weshalb dieser und jener Song erst hier und jetzt zu finden ist (das reichlich schräge „Come to silver“ wurde z.B. für Johnny Cash geschrieben, „Warlock“ ist einer der absoluten Lieblingssongs des Schinkengotts, konnte aber zu „Blackacidevil“-Zeiten wegen eines ungeeigneten Toningenieurs nicht vollendet werden).

„The Lost Tracks of Danzig“ stellt eine hochinteressante Zeitreise durch die kreativen Hochs und Tiefs von Danzig dar. Der Hörer bekommt mit Nachdruck auf die Ohrmuschel geballert, weshalb Glenn Danzig früher stimmlich mit Jim Morrison von den Doors verglichen wurde (nachzuhören etwa in „Crawl across your killing floor“ und „Lick the blood off my hands“) und man muss miterleben, wie dem Herr der Finsternis langsam das Zepter entgleitet und nur noch gequirlte Kacke („Deep“, „Caught in my eye“), von der auf dem Doppelalbum zum Glück nicht viel zu finden ist, aus den Boxen leiert. Sei’s drum. Viele der hier vorhandenen Songs zeigen, dass Glenn Danzig mal ein großer Künstler war, den man nie ganz abschreiben sollte.

Anspieltipps:

  • Buick McKane
  • Cold, cold rain
  • Bound by blood
  • You should be dying
  • When death had no name
  • Lick the blood off my hands
  • Crawl across your killing floor
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