Machine Head - The Blackening - Cover
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Machine Head The Blackening


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 65 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Blackening“ wird mit seiner enormen Komplexität nicht jedermanns Sache sein.

Über kein anderes Album wurde in der Heavy-Metal-Fachpresse in den letzten Monaten soviel geschrieben wie über „The Blackening” von Machine Head. Das liegt hauptsächlich an der extrem hohen Erwartungshaltung, die das Quasi-Comeback der Bay-Area-Thrasher mit dem furiosen „Through The Ashes Of Empires“ vor drei Jahren schürte, und zum anderen an der Vorberichterstattung aus den Sharkbite-Studios in Oakland, Kalifornien, in denen Machine Head vier Monate an ihrem persönlichen, Achtung!, „Master Of Puppets“ des neuen Jahrtausends bastelten. Hoppla! Wer wird denn den Namen eines solchen Klassikers (Metallica, 1986) in den Mund nehmen, um sein eigenes Werk zu promoten? Dünnes Eis, ganz dünnes Eis....

Erinnern wir uns zurück: 1994 schlugen Machine Head mit ihrem ungezügelten Neo-Thrash-Metal in der Szene ein wie eine Bombe. Ihr Debütalbum „Burn My Eyes“ war stilprägend für eine neue Generation des Heavy Metal und beeinflusste viele Musiker, die heute mit einem ähnlichen Sound erfolgreich sind. Ende der Neunziger verzettelten sich Flynn und Co. dann auf dem Album „The Burning Red“ (1999), später auch auf „Supercharger“ (2001) mit experimentellen Klängen, die in der Hartwurstgemeinde nur eingeschränkt ankamen. Doch mit „Through The Ashes Of Empires“ (2004) zogen die Mannen um Mastermind Robert Flynn (Musik, Texte, Gesang, Gitarre, Produktion) den Kopf aus der Schlinge.

Mit Phil Demmel als Rückkehrer an der Gitarre und der vertrauen Toningenieurskunst von Colin Richardson (Napalm Death, Slipknot, Chimaira, Overkill) als beinahe fünftes Bandmitglied, schuf das Quartett acht, zum Teil extrem lange und verschachtelte Songs, die in ihren Grundgerüsten an Metallicas „St. Anger“ erinnern – freilich mit einem anderen Sound ausgestattet (Schlagwerker Dave McClain trommelt z.B. nicht wie Lars Ulrich auf Blecheimern herum), aber dafür nicht weniger zornig. Genau wie ihre Bay-Area-Kollegen gehen Machine Head diesen Weg ganz bewusst, auch auf die Gefahr hin, sich in einem progressiven Riffgestrüpp zu verirren. Denn so wie für Metallica „St. Anger“ zu jener Zeit genau das Album war, welches die Band machen musste, um zu überleben – selbst wenn es Hetfield/Ulrich vier Jahre später vermutlich anders sehen –, mussten Machine Head es einfach wagen, mehr aus sich herauszuholen als dreiminütige Riffmonster – auch wenn der Plan schief gehen könnte.

Wir geben Entwarnung: Der Plan hat funktioniert, auch wenn „The Blackening“ mit seiner enormen Komplexität nicht jedermanns Sache sein wird. Aber gerade deshalb ist es ein Album zum entdecken geworden, aus dessen Songs sich der Hörer seine Lieblingsstellen heraussuchen kann. Zum Beispiel wenn nach einem Break das Tempo plötzlich in Speed-Metal-Bereiche umschlägt, die Gitarrenriffs tief in die Bauchhöhle zielen, Queen-artige Harmonien Verwendung finden oder altmodische Soli ein Grinsen ins Gesicht zaubern. Dazu kommen ausladende Intros („Clenching the fists of dissent“), ungewöhnlich melodiöse Parts („A farewell to arms“), akustische Verschnaufpausen und ein bedrohlicher Gesang („Slanderous“), der jeden Hörer an den Haaren aus der Lethargie reißt. Dennoch hat man während der gesamten Spielzeit nie das Gefühl, das „The Blackening“ zu bombastisch, zu verspielt oder zu experimentell geraten ist. Die Mischung stimmt ganz einfach. Und wenn am Ende der „Limited Edition“ auch noch das Metallica-Cover „Battery“ (eben von jenem legenderen „Master Of Puppets“) angestimmt wird, hat man sowieso das Gefühl, im falschen Film zu sein. Aber in einem richtig guten!

Anspieltipps:

  • Halo
  • Wolves
  • A farewell to arms
  • Battery (Bonus Track)
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