Kings Of Leon - Because Of The Times - Cover
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Kings Of Leon Because Of The Times


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein extrem vielseitiger dritter Wurf!

Die Rock’n’Roll-Glaubensgemeinschaft der kauzigen Familie Followill aus Tennessee (Caleb, Jared und Nathan, die Söhne eines Wanderpredigers, sowie ihr Cousin Matthew) läutet mit „Because Of The Times“ ihre dritte Indie-Retro-Rock-Messe ein – und wir dürfen gespannt sein, wohin die Reise führt. Denn war ihr Debüt „Youth And Young Manhood“ (2003) ein Knaller vor dem Herrn, konnte der Nachfolger „Aha Shake Heartbreak” (2004), das Album mit dem geklauten „At Night At The Opera“-Cover (Queen), die hochgesteckten Erwartungen nicht ganz erfüllen.

Vergessen und verziehen. In ihrem jungen Alter haben die Burschen eine zweite Chance verdient. Und dazu haben sie alte musikalische Zöpfe abgeschnitten, ihre Matten hübsch frisiert und die wuscheligen Waldschratvollbärte gestutzt, nur um als Opener mit „Knocked up“ einen siebenminütigen (!!) Prog-Rock-Brocken herauszuhauen, der so manchen 60er-Jahre-Backenbart zum unkontrollierten Sprießen bringt. Schwerer hätten die Kings Of Leon ihren Hörern den Einstieg nicht machen können. Denn wo sonst in 2½ Minuten erst mal wild drauflos gerockt wird, um den wehrten Plattenkäufer aufzurütteln und auf seine Seite zu ziehen, machen die Herrschaften auf ganz gemütlich, zünden sich eine Sportzigarette an und zeigen in schier epischer Länge, was sie mit den Instrumenten anstellen können. So setzt sich der Song stampfend wie eine alte Dampflok in Bewegung, Caleb nölt und quengelt, hin und wieder gibt es kurze Gitarren- und Schlagzeugeruptionen im Stile von Fehlzündungen eines Mofas und dann schnauft die Lokomotive weiter gemächlich durch die Wüste, dem Horizont entgegen. Kunst? Ganz sicher. Schwer Kost? Yep!

Um diesen ungewöhnlichen Einstieg einigermaßen zu verdauen, braucht es auch noch die nächsten beiden Stücke, darunter die erste Singleauskopplung „On call“ und das krachende „Charmer“, das wie ein wildes Pferd um sich schlägt, während Caleb wie ein angestochenes Schwein quiekt. Herrje! Doch spätestens jetzt ist man richtig in „Because Of The Times“ angekommen und versteht, was die Followills denken und wollen. Dann lässt sich unter der rauen Schale des zappeligen „McFearless“ eine echt schöne Melodie entdecken oder zum fetten Stomper „Black thumbnail“ herrlich mitgrölen. Yeeha!

Zur Mitte lassen die Kings eine fetzige Party steigen („My party“) und läuten damit die sogar noch stärkere zweite Hälfte von „Because Of The Times“ ein. Angefangen beim atmosphärischen „True love way“, über die beschwingt groovenden Tracks „Ragoo“ und „Fans“, bis hin zum psychedelisch wabernden „Trunk“, legen die Followills einen Beweis nach dem anderen ihrer Weiterentwicklung vor.

Nach dem wüst auf die Zwölf rockenden „Youth And Young Manhood“ und dem etwas unentschlossenen „Aha Shake Heartbreak”, folgt nun ein extrem vielseitiger dritter Wurf, der die besten Momente der ersten beiden Longplayer vereint und auf geniale Weise neu zusammensetzt. Damit haben wir die Kings Of Leon wieder lieb!

Anspieltipps:

  • Fans
  • Trunk
  • Camaro
  • McFearless
  • True love way
  • Black thumbnail
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