Tommy Bolin - Whips And Roses II - Cover
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Tommy Bolin Whips And Roses II


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 74 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu 80% besteht „Whips and roses 2“ aus instrumentalen Passagen oder gänzlich lyrisch unberührten Stücken.

Geschichten von viel zu früh verstorbenen Musikern, die posthum zu glorifizierten Idolen werden, gibt es viele, doch das ausgerechnet das Werk Tommy Bolins eine derartige Renaissance erlebt, hätte selbst er und sein Bruder Johnny, der das Erbe verwaltet, sicherlich nicht gedacht. Grund dafür ist nicht etwa seine ohnehin bekannte, perfektionierte Fusion- und Bluesrock-Spielweise, die der mit 25 Jahren verstorbene Gitarrist zu Tage gefördert hat, sondern die Ummengen an unveröffentlichtem Material, das nun nach und nach das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Angefangen bei den Live-, und Probeaufnahmen bei Deep Purple, die durch den Weggang von Ritchie Blackmore zustande kamen, da er diesen so gut es ging ersetzte, bis hin zum eigenen Material, das zu seinen Lebzeiten nur durch die beiden Alben „Teaser“ (1975) und „Private eyes“ (1976), abgesehen von Stücken, die er z.B. für Deep Purple oder James Gang schrieb, präsent war.

„Whips and roses“ heißt eine dieser Ausgaben aus den privaten Archiven. „Sämtliche Songs sind alternative Versionen bekannter Songs oder bislang unveröffentlichte Tracks, die von verschollen geglaubten Studiosessions stammen“ weiß der Pressezettel darüber zu berichten. Von den beiden Soloalben Bolins ist allerdings bislang nur „Teaser“ berücksichtigt worden, dafür aber zur Gänze. Auf dem im April veröffentlichten ersten Teil war nämlich „Dreamer“, „Savannah women“, „Teaser“, „Marching powder“ und „Wild dogs“ vertreten und der nun erschienene Nachfolger komplettiert die Trackliste des 31 Jahre alten Werkes mit den Stücken „The grind“, „People, people“, „Homeward strut“ und „Lotus“. Allein diese Songs legen dar, worin die Stärke der Bolinschen Kreationen lag – und zwar bei der Gitarre. „People, people“, „The grind“ und „Sooner or later“ werden zwar von Text begleitet, dieser ist aber bestenfalls zweitrangig und wird wie in „Lotus“ an das Saiteninstrument mit einem Verzerrer angeglichen und nicht umgekehrt.

Zu 80% besteht „Whips and roses 2“ aus instrumentalen Passagen oder gänzlich lyrisch unberührten Stücken. Damit die Angelegenheit aber nicht in Langeweile ausufert, dafür sorgt Bolin mit einer Hingabe, die in vielen Momenten ihresgleichen sucht. Besonders das viertelstündige „Bagitblues deluxe“, das sich in einen etwa 9 Minuten langen und aufbegehrend rockigen Vorspann und ein abschließendes, entspanntes, Blues-infiziertes Ende teilt, zeugen von der Überredungskunst seines Gitarrenspiels. Hin und wieder treten psychedelische Elemente hervor, die typisch für das Jahrzehnt waren und sich in den Gesamtkontext einfügen ohne die Dynamik der Stücke zu zerstören. Dennoch bleibt das Ergebnis unter dem Strich zwiespältig, denn einerseits sind die Darbietungen zwar technisch perfekt, aber andererseits muss man auch ein großer Fan gitarrenbetonter Songs sein um das Spiel der Instrumente auf sich wirken lassen zu können. Für Anhänger der Live-Scheibe „Undead“ von Cream oder jeglicher Live-Platten von Deep Purple oder deren Studiowerken Anfang der 70er („Machine head“, „In rock“) dürfte die zweite Ausgabe von „Whips and roses“ aber einen Pflichtkauf darstellen.

Von den Bonustracks „Bolin´s Boogie“, „Tommy´s got da Blues“ und „Some people call me“, die immerhin insgesamt eine Länge von 25 Minuten in Anspruch nehmen, darf jedoch nicht allzu viel erwartet werden, die Tonqualität ist dürftig bis miserabel, hier wurde wohl gar nicht nachgebessert. Vor allem das letzte Stück vermisst jeglichen Bass, wodurch die ansonsten genialen Darbietungen aufgrund des schmerzenden Klangs der regelrecht quietschenden Gitarre so gut wie nicht genossen werden können. Trotzdem sollte „Tommy´s got da Blues“ ein Hördurchgang gewährt werden, derart astreinen und auf den Punkt gebrachten Bluesrock bekommt man heutzutage nur mehr sehr, sehr selten zu hören.

Anspieltipps:

  • Lotus
  • Crazed Fandango
  • Bagitblues Deluxe
  • Tommy´s Got Da Blues
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