An Pierle And White Velvet - An Pierle And White Velvet - Cover
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An Pierle And White Velvet An Pierle And White Velvet


  • Label: Pias/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 53 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

An Pierlé legt mit „An Pierlé & White Velvet“ ihr mittlerweile drittes Album vor, welches nach „Mud Stories“ sowie „Helium Sunset“ ein weiteres Werk voller stimmlicher Präsenz und hingabevoller Musik ist, die An Pierlé zusammen mit Koen Gisen zwischen pianogetränktem Pop und rauen Ausflügen in leicht schräge Avantgarde-Regionen abbildet. Die Belgierin gewinnt mit ihrem von französischem Akzent lieblich verfeinerten Englisch und der nicht perfekt ausgebildeten, allerdings emotional sofort greifenden Stimme jede Menge Sympathien und wird von Koen Gisen (Songschreiber, Produzent, Gitarrist) als „partner in crime“ perfekt unterstützt. Mit Klaas Delvaux (Bass, Cello), Peter de Bosschere (Schlagzeug), Tom Wolf (Akustik-Gitarre, Bass) und Dominique Vantomme (Keyboard) als Backing-Band offenbart „An Pierlé & White Velvet“ neben der großartigen Stimme auch musikalisch ein Feingefühl, dass sich manchmal einer beherzter Durchschlagskraft geschlagen geben muss.

Zwischen dem sensiblen Wohlfühl-Pop, in dem das Piano oft über den rhythmischen Beigaben thront und elegant einen gehörigen Wiedererkennungswert versprüht, wird im überraschenden „Not The End“ psychedelisch, anhand von flirrenden Gitarren und verstörenden Noise-Elementen gerockt, dass es eine wahre, dunkle Freude ist. Auch die Stimme An Pierlés driftet dort zeitweise in eine rachelüstige Art ab, dass man die Spannung mit jedem Hauch deutlicher spürt. Die kurzen Momenten, in denen das Piano harmonisch „Not The End“ auflockert, machen diesen Song noch reizvoller, so dass besonders dieser Track hervorsticht. Kaum geschrieben und vor allem gehört, stockt einem jedoch schon wieder der Atem: „Tenderness“ kommt nämlich mit einer druckvollen Bläser-Fraktion und quicklebendigen, schillernden Sounds um die Ecke, wodurch der anfänglich omnipräsente Pop des Longplayers nach und nach an Kanten gewinnt und somit auch das markante, sonderbare Etwas nicht zu kurz kommt, was eine nachhaltige Prägung für die Ohren nach sich zieht.

Und so bietet „An Pierlé & White Velvet“ viele künstlerische, aber nicht überambitioniert wirkende Schauplätze, an denen man sich reiben kann und im nächsten Moment wieder von dieser sehnsüchtigen Stimme und zuckersüßen Instrumentierung samt seelenvoller Folk-/Swing-/Rock-/Was auch immer-Elemente zart eingeholt wird. Ein Höchstmaß an Songwriting-Perlen lässt den Genuss lang anhalten. Und selbst wenn man nicht von der ersten Minute an in diesem Kleinod der Gefühle gefangen ist, setzt sich die unverkennbare und doch so schlichte Intensivität mit der Zeit durch. Mit dieser sich fortsetzenden Verzückung im Rücken darf der Herbst dann auch gern kommen.

Anspieltipps:

  • Jupiter
  • Not The End
  • Tenderness
  • Cold Winter
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5/10

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