Wolke - Möbelstück - Cover
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Wolke Möbelstück


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Zumindest wenn man den hohen Melancholie- und Herzschmerz-Anteil in den Texten des Kölner Duos Wolke betrachtet, kann man nicht von rheinischen Frohnaturen sprechen – doch, wenn man noch einmal das Debüt „Susenky“ aus 2005 hervorholt, weiß man auch, dass es gut so ist. Oliver Minck und Benedikt Filleböck schaffen mit Gesang, Bass, Klavier und elektronischen Beats das, wofür andere Bands eine fünfköpfige Unterstützung benötigen. Herzensguter, vollmundiger Pop schwebt auf einer eindringlichen Gefühlsfrequenz und berührt mit Ohrwürmern, dass man am Ende einfach nur froh ist, gute Pop-Musik ohne übertriebenen Glanz und fragwürdige Indie-Drahtigkeit im Ohr zu haben.

Auch wenn das Debüt vor mehr als einem Jahr erschien, hallt es noch in einem nach. Doch dieser Tage sollte man sich zumindest vorerst davon verabschieden, denn der zweite Streich hält im Hause Tapete Records Einzug und hört auf den kantigen Namen „Möbelstück“. Kantige oder gar raue Experimente muss man zum Glück aber nicht erwarten, denn „Möbelstück“ erklimmt schon in den ersten Sekunden den Harmonie-Hügel und präsentiert mal zügellosen, mal schwelgenden Pop mit Texten, denen man trotz ihrer Einfachheit und dem Hang zum Abgesang an die zurückliegende Glückseligkeit (z. B. „In Einem Anderen Leben“) nicht überdrüssig wird. Ein gewisser Pathos gehört eben zur Popmusik und macht viel von dem Charme dieser einfachen und doch so faszinierenden Spielart aus.

Das Klavier und der teilweise markant eingesetzte Bass bilden neben den Rhythmus prägenden, doch nie aufdringlichen Beats das musikalische Gerüst und werden von Oliver Mincks Stimme seelenvoll verziert, so dass der Funke anhand vom euphorischen, tanzbaren „Schlimmer“ und vorherrschenden Balladen wie „Wir Werden Immer Jünger“ (im Duett mit Suzie Kerstgens von Klee) sowie dem abschließenden, textlich abgrundtief leidenden, von Tim Bindels Saxophon graziös umbauten „Mein Kleiner Schmerz“ ohne Probleme auf den Hörer überspringt. Bei all dem Wohlklang bleibt jedoch auch festzuhalten, dass „Möbelstück“ ein gutes Album mit noch besseren Momenten geworden ist und dennoch den ein oder anderen, zusätzlichen Einsatz von ergänzenden Instrumenten schmerzlich vermissen lässt. Darüber hinaus ist „Ich Will Mich Befreien“ in der Eins zu Eins-Übersetzung von Queens „I Want To Break Free“ ein Wagnis, dass vor allem textlich eher unter humoristischen Aspekten gehört werden sollte.

Anspieltipps:

  • Schlimmer
  • Drei Worte
  • Wir Werden Immer Jünger
  • Radfahren, Lesen, Freunde Treffen
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