Agoria - The Green Armchair - Cover
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Agoria The Green Armchair


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 57 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Frankreich und elektronische Musik, das sollte spätestens seit Air und diversen French House-Geschichten den meisten klar sein, sind wie für einander geschaffen. Das französische Verständnis für Pop trifft auf vielseitige und eindringliche Beats, die auch schon mal einen Umweg nehmen dürfen. Dafür steht auch Sebastien Devaud alias Agoria, der schon Anfang der Neunziger anfing, Platten aufzulegen und sich von seiner Heimat Lyon in die angesagten Clubs Paris zu spielen. Eigene Tracks sind vorerst rar gesät, während die wenigen auch noch in der Masse der Singles-Veröffentlichungen im Genre untergehen.

Als erster DJ wird Devaud 2000 die Unterstützung von FAIR, einem französischen Projekt zur Unterstützung von Musikernachwuchs, zuteil und zwei Jahre später ist er dann da: Der Plattenvertrag mit Different/Pias. Für sein Debütalbum „Blossom“ schaut Tricky als Gastsänger vorbei und nicht nur aufgrund dieses formidablen Namens der Downbeat/Trip Hop-Szenerie wird das Album zu einem Selbstgänger. Agorias Mischung aus clubkompatiblen House-Tracks, melancholischem Pop und vertrackter Electronica macht nun auch das Folgewerk „The Green Armchair“ aus und wird, übrigens mit Gesangsbeiträgen von Neneh Cherry und Peter Murphy (Bauhaus) ausgestattet, zu einer fast einstündigen Reise durch überaus hochwertige Electro-Landschaften.

Dass der Opener „Baboul Hair Cuttin“ ein mittelmäßiger Electro meets R´n B-Entwurf ist, stört am Ende keinen mehr, wenn einem trockene, um Melodiebögen und geniale Breaks nie verlegende Dance-Tracks wie „Code 1026“, „Europa“ und das mit Streichern schier atemberaubende „Les Violons Ivres“ so kurzweilig die Zeit vertrieben haben. Der Longplayer besticht, den Opener mal ausgenommen, während der gesamten Spielzeit mit abwechslungsreichen, intensiven und dennoch größtenteils sehr eingängigen Arrangements, die Monsieur Devaud aus seinem Maschinenpark zaubert, und durch diverse Gastsänger/innen, wovon Neneh Cherry das einfühlsame „Million Miles“ mit ihrer wohlbekannten Note in wärmende Gefilde lenkt.

Peter Murphy (Bauhaus) veredelt das schleichende, 8-minütige „Edenbridge“ dagegen mit einer Grabesstimme, die mal flüsternd und mal hymnisch singend melancholische Gänsehautmomente en masse parat hält. Dunkle und organisch anmutende Beats wechseln sich mit verzerrten Sounds ab, so dass der Spannungsbogen kaum eine Steigerung zulässt. Dieses hat auch mit der Vielzahl an vertretenden Stimmungen auf „The Green Armchair“ zu tun, denn ein dunkler Song wie „Edenbridge“ wird umgehend durch das von Princess Superstar lasziv veredelte, gradlinig groovende „Lips On Fire“ und ein euphorisches „Les Violons Ivres“ für die Gemütslage positiv wieder ausgeglichen. Es mangelt wie gesagt nicht an Ideen und überschäumender Freude an der synthetischen Klangerzeugung, so dass man von diesem Album einfach nicht genug bekommen kann und es schon jetzt beruhigt zu den ganz Großen der Genrecharts 2006 zählen darf.

Anspieltipps:

  • Europa
  • Edenbridge
  • Million Miles
  • Les Violons Ivres
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