The Be Good Tanyas - Hello Love - Cover
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The Be Good Tanyas Hello Love


  • Label: Nettwerk/SOULFOOD
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach den beiden Alben „Blue Horse“ (2000) sowie „Chinatown“ (2003) nahmen The Be Good Tanyas aus Kanada erst einmal eine Auszeit, die wie im Falle von Frazey Ford (Gitarre, Vocals) die Geburt ihres erstes Kindes bedeutete. Für sie war dann auch dieses „normale Leben“ und die Pause vom Tourzirkus die Ursache, um wieder befreit und voller Ideen ins Musikerleben zu starten. Das tat das Trio auch relativ zügellos, denn die Damen gingen kurzerhand ins Studio und nahmen die Stücke so auf, wie sie sie in diesem Moment gefühlt haben. Trotzdem begann an diesem Punkt erst die wahre Arbeit, denn durch die fehlenden Auftritte gab es kaum Songs, die schon erprobt waren. So fanden die bekannten Live-Nummern folgerichtig als erstes den Weg auf das neuen Album, während andersartige Songs für die richtige Balance sorgten. So entstanden schlussendlich sehr viele Stücke und die Auswahl fiel erwartungsgemäß schwer.

Doch nach allzu viel Kopfzerbrechen hört sich „Hello Love“ nun wirklich nicht an. Ganz im Gegenteil enthält es wunderbare, leichte Arrangements, die vom Country-Instrumentarium, wie Mandoline, Banjo und Slide-Gitarre getragen werden. Obwohl einige Coverversionen auf dem Album verstreut sind und sich Sam Parton (Gitarre, Piano, Vocals) wie auch Frazey Ford als Hauptsongschreiberinnen betätigen, lebt „Hello Love“ von einer einzigartigen Stimmigkeit und einer folkloristischen Magie, der man sich nur schwer entziehen kann. Das Neil Young-Cover von „Turn The Turnstiles“ rockt mit stampfenden Percussions, leidenschaftlichen Gitarren und dem nicht minder herausragenden Mundharmonika-Spiel, während Jeremy Lindsays „Scattered Leaves“ vom sehnsüchtigen Gesang und zurückgenommenen Blues-Anleihen lebt.

Auch wenn bisher nur von Coverstücken die Rede war, sind die eigens geschriebenen Werke mindestens genauso gehaltvoll wie die Steilpässe aus der Musikhistorie. So zeichnet sich Frazey Ford für das Titelstück verantwortlich und erhebt aus der langsam verfliegenden Stille eine Ode an das Fernweh, welche zarter kaum sein könnte. Der Song nimmt sich Zeit und entfaltet sich im Laufe der knapp fünf Minuten immer ein Stückchen mehr, wenn sich zum gemächlichen Rhythmus eine untermalende Akustikgitarre gesellt und die Stimmung so zerbrechlich scheint, dass es fast schon wehtut und dennoch so zauberhaft zum Wiederhören animiert. Zum Ende hin geben sich zwei bluesige Gospelentwürfe die Ehre, welche sich „Out Of The Wilderness“ sowie „What Are They Doing In Heaven Today“ nennen und den Longplayer um einer weitere Facette ergänzen. Dennoch hallen die ruhigen, schwelgerischen Stücke am deutlichsten nach, wie „Song For R.“ mit tollen Pianotönen nochmals beweist. Als Fazit sei gesagt, dass The Be Good Tanyas ein gutes Drittwerk abliefern, welches ganz tief die Luft von Nashville einatmet und dennoch genügend eigene Akzente setzt, um nicht als ewiggestrige Hommage zu gelten.

Anspieltipps:

  • Human Thing
  • Scattered Leaves
  • Hello Love
  • Song For R.
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