Liza Li - 18 - Cover
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Liza Li 18


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 41 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Liza Wilke alias Liza Li wird mit einem Problem zu kämpfen haben: Sie klingt stilistisch ähnlich wie die im Sommer dieses Jahres durchgestartete Teenagerin LaFee, die inzwischen vier Singles, eine DVD und drei verschiedene Editionen ihres Debütalbums draußen hat. Die musikalische Verwandtschaft bemerkte wohl auch die Zielgruppe, die bisher etwas zurückhaltend auf die 18jährige Düsseldorferin reagierte und sich mit recht fragt, ob ein LaFee-Abklatsch wirklich nötig ist.

Liza Lis erste Single „Ich könnte dich erschießen“ schaffte es bis auf Platz 14, während Auskopplung Nummer zwei, „Sterben“, erst mal auf einem mittelprächtigen 27. Platz der deutschen Single-Charts einstieg. Mal schauen, was das von Thorsten Böger (Tic Tac Toe, Falco) produzierte Album „18“ reißen kann. Dieses beginnt mit dem rotzigen Punkrocksong „Liza Li“, in dem sich die Power-Göre ihren Hörern in Schulaufsatzform vorstellt („Ich bin Liza Li, weil ich nun mal so heiße. Manchmal bin ich nett und manchmal bin ich scheiße“). Damit ist auch schon die Richtung der 12 Songs vorgegeben: Ein roher Sound, gepaart mit eingängigen Melodien und kalkulierten Provokationstexten, die, ähem, „kein Blatt vor den Mund nehmen“ („Doktor Doktor“ befasst sich auf peinliche Weise mit Selbstbefriedigung, „Sex“ muss wohl nicht weiter erklärt werden).

Warum die 18-Jährige jene Lieder, die nicht ins Balladenfach fallen, mit aggressivem Gebrülle rüberbringen muss, wird wohl das Geheimnis der jungen Dame bleiben und die Hörerschar in zwei Lager spalten. Auf Dauer nervt das aufgesetzte Gekeife in „Ihr armen Reichen“, „Liza Li“ oder „Montag“ jedenfalls ganz erheblich, da es die implizierte Authentizität nicht glaubhaft vermittelt. Aber dieses Dilemma fing schon bei den Foto-Homestorys in der Bravo an, die Liza Li in ihrer neuen Wohnung zeigen, welche so augenscheinlich auf Imagebildung gestylt ist, dass jeder Leser den Braten förmlich riechen muss: Hier kommt ein Act aus dem Baukasten einer Plattenfirma.

„18“ ist wahrlich kein großer Wurf und im Vergleich zu LaFees Debüt sogar noch eine Spur infantiler. Es handelt sich um auf Zielgruppentauglichkeit gestylten Plastik-Pop/Rock, der auch in den wenigen guten Momenten richtig ärgerlich ist. Beispiel: Die Refrain-Harmonien von „Sterben“ weisen ganz offensichtliche Parallelen zu Yvonne Catterfelds aktueller Single „Erinner’ mich dich zu vergessen“ auf, was als absoluter Hohn empfunden werden muss. Darüber hinaus herrscht gepflegte Einfallslosigkeit, die sich in provokanten Texten und Möchtegern-Punkrock bemerkbar macht. Was soll das?

Anspieltipps:

  • Sex
  • Ich will
  • Ich könnte dich erschießen
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