Boytronic - Dependence - Cover
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Boytronic Dependence


  • Label: Major Rec./ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 53 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Noch heute dürfte die Erfolgssingle „You“ aus dem Jahr 1983 auf Synthie-Pop/Electro-Events in den Plattenkoffern der DJ´s zu finden sein und den Weg in die Ohren sowie Beine der Anwesenden mit Leichtigkeit vollziehen. Doch man täte der Hamburger Band, von der nur noch Mastermind und Sänger Holger Wobker aus der Anfangszeit übrig geblieben ist, unrecht, sie auf diesen einzelnen Song zu reduzieren. Boytronic legten mit „The Working Model“ (1983) und „The Continental“ (1985) Alben vor, die klassischen Synthie-Pop in bester Verfassung darstellten und fortlaufend junge Bands aus der elektronischen Popwelt inspirieren. Nach dem Ende der vom damaligen Label gecasteten, zwischenzeitlichen Boytronic-Formation war es bis zum Jahr 2002 still um die Herren geworden. Doch dann kam der Longplayer „Autotunes“, welcher trotz moderner Beigaben an die Großtaten der Vergangenheit anschloss. Vier Jahre danach, im Herbst 2006, hat sich Holger Wobker mit Hans Johm sowie Michael Maria Ziffels verstärkt und meldet sich in Form des Longplayers „Dependence“ zurück.

Staunend lässt man den ersten Eindruck über sich ergehen und vernimmt so nicht zu erwartende Ambient-Zutaten, variantenreiche Wendungen in der Rhythmik und frische Dance-Elemente. Als Opener fungiert „Underwatercontact“ und es entstehen träumerische, märchenhafte Gefilde vor dem inneren Auge, wenn sich kühle, aber nicht gefühlslose Sounds über synthetische Glocken und variable Beats legen. Auch „We Are Here“, in dem das Wechselspiel zwischen Vocoder und natürlichen Stimmlagen hervorsticht, hat einen Charme zu bieten, der als sonderbar zu bezeichnen ist. Die Stimmung baut sich durch gebrochene Beats und flirrende Sequenzen mehr und mehr auf, doch was fehlt, ist die sprudelnde Energie und vor allem ein roter Pfaden. Erst mit Song Nummer 5, der Dance-Hymne „Little Italian Feeling“ kommt der erhoffte Brustlöser und zahlt sich in guter Laune und einem catchy Pop-Appeal aus. Trotz der guten Ansätze und dem Pluspunkt, sich musikalisch vom klassischen Synthie-Pop weiter zu entfernen, ist das einfach zu harmonie-arm und zu sehr Patchwork, um nach vier Jahren Wartezeit auf den nächsten Longplayer belohnt zu werden.

Auch der Gesang von Holger Wobker, einst noch Herzstück bei Boytronic, verflüchtigt sich viel zu schnell zwischen zweisprachigen Sprachfetzen, deren Inhalt eher verwirrt als die Atmosphäre unterstützt. Dass ungezügelte Experimentierwut nicht immer die beste Wahl ist, beobachtet man während der gesamten Spieldauer in vielen Momenten und so können wenigstens die zart erobernden „Middle Of The Night“ und „Für Immer“ noch etwas die enttäuschten Wogen glätten.

Anspieltipps:

  • Little Italian Feeling
  • Middle Of The Night
  • Für Immer
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7/10

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