IAMX - Kiss And Swallow (Re-Release) - Cover
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IAMX Kiss And Swallow (Re-Release)


  • Label: Major/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 71 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Chris Corner, ehemals Chefdenker der Sneaker Pimps und nun Kopf von I Am X, liebt es extravagant. Nicht nur die elektronischen Pop-Spielereien voller Leidenschaft und pulsierender Geste bringen das zum Vorschein. Auch die Bühnenshow sollte man erlebt haben und visuell in sich aufsaugen. Nach der April-Tour zum zweiten Album „The Alternative“ beehren uns I Am X zur Single-Veröffentlichung von „Spit It Out“ (inkl. Remixen von Alexander Kowalski, Pocket Orchestra sowie VNV Nation) und der um einen neuen Song, einem Video zu „Missile“ und einen Remix von den Hamburgern Moonbootica erweiterten Wiederveröffentlichung vom Debüt „Kiss And Swallow“ erneut mit einer Tour, die einen den Herbst für mindestens eine Nacht vergessen lässt. Doch erst einmal heißt es, „Kiss And Swallow“ in der neuen Version zu genießen.

Allein der Opener und Titeltrack bietet mit treibenden Sequenzen, eleganten Vocals und einem Höchstmaß an Eingängigkeit genug Futter, um alles um einen herum auszulöschen und sich in wohliger Laszivität fallen zu lassen. So geht es in Form von „Sailor“, einem Track mit ähnlichem Zugzwang wie der Opener, weiter bis das Tempo durch „Naked But Safe“ zum ersten Mal gedrosselt wird. Ein stampfender Beat reibt sich an flirrenden, durch Mark und Bein gehenden Synthiesounds und wird von der über alles thronenden, mal anrüchig, mal kindlich triumphierenden Stimme Corners getoppt. Verzerrte Sounds setzen diesem edlen, zwischen Electro-Pop und Industrial-Anleihen schwankenden Song die im I Am X-Kontext unvermeintliche Krone auf. Es bleibt auch im weiteren Verlauf großartig, so dass das schwebende, harmonische „Simple Girl“ genau so für Aufsehen sorgt, wie das im Midtempo-Bereich pulsierende, mit spielerischen Synthie-Melodien erstrahlende „Your Joy Is My Low“.

Als wenn das noch nicht genug wäre, um diesem Album eine zeitlose und höchst eindringliche, spannungsvolle Stimmung und filigranes Songwriting zu bescheinigen, muss der Hörer nicht mehr lange warten bis der nächste Ohrwurm sein Gemüt erreicht. Während „I Like Pretending“ eine gefühlvolle Ruhe heraufbeschwört und Chris Corner sich durch hohe Stimmregionen manövriert, gibt es bei „You Stick It In Me“ erneut kein Halten mehr. Dort trifft elektronische, energische Kälte auf eine warme, sehnsüchtige Sichtweise, die Corner einmal mehr dank seiner famosen Vokalkünste heraufbeschwört. Das brandneue „i-Polaroids“ ergänzt das Album um eine organische, mit wahnwitzig verzerrten Gitarren und rhythmisch herausragenden Percussions geschmückte Seite, die I Am X mindestens genau so gut steht wie die vorangegangenen 12 Songs. Doch ein „großartig“ oder „wundervoll“ reicht einfach nicht aus, um Chris Corners Welt zu beschreiben. Dafür sollte man selbst in die elektronisch faszinierende Unterwelt eintauchen und bei der kommenden Herbst-Tournee mehr als ein Auge riskieren.

Anspieltipps:

  • Kiss And Swallow
  • Your Joy Is My Low
  • You Stick It In Me
  • Missile
  • i-Polaroids
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