Dead Poetic - Vices - Cover
Große Ansicht

Dead Poetic Vices


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Tolle Melodien, moderne Rhythmik, pushende Riffs und das gewisse Maß an Epos – das sind Attribute, die derzeit auf jede zweite bis dritte US-Band passen könnten. Vielleicht gerade aus diesem Grund, ist der Hörer in letzter Zeit etwas abgestumpft und hat anscheinend verlernt, die kleinen, wertvollen Goldklümpchen aus dem Sturzbach des Überangebotes herauszusieben. So oder so ähnlich könnte man wohl die Tatsache beschreiben, dass dem Hörer das Dead-Poetic-Zweitlingswerk „New Medicines“ durchs Netz gegangen ist. Eine Platte, die das Potenzial hatte zu begeistern, zu fesseln und das auf eine frische Art und Weise und dennoch die Stilmittel der derzeitigen Trends nicht außen vor lies.

Da ist es natürlich schön, das es noch Labels wie Tooth and Nail gibt, welche ihren Glauben nicht allein dem schnöden Mammon verschrieben haben und auch noch das Essentielle des Musikmachens zelebrieren: Den Glaube an den Künstler und sein Kunst. Und so kommen wir trotz der finanziellen Misere des Vorgängeralbum „New Medicines“ in den Genuss, eine neue Dead-Poetic-Platte in den Händen halten zu dürfen. „Vices“ heißt das gute Stück und knüpft genau da an, wo der Vorgänger in einem furiosen Finale endete: Schneidige Gitarren, poppige Refrains, emotionale Härte, epische Strukturen und fast alles fernab von jeglichem Emo-Gedudel.

Genau wie auf „New Medicines“ versteht es „Vices“ die Waage zwischen treibenden Songs wie „Cannibal vs. Cunning“ oder „Long Forgotten“ und rockigen Balladen wie „In Coma“ oder „Paralytic“ zu halten. Natürlich gibt es auch Veränderungen im Vergleich zum Werk von 2004. Zum einen verzichtet Frontmann Brandon Rike nun entgültig auf nerviges Geschrei und beschränkt sich voll und ganz auf seine harmonischen Sangeskünste. Zum anderen sind auch die Songs im Gesamtpaket etwas eingängiger, gar poppiger ausgefallen.

Wo früher noch die verschleierten Songkonstrukte dominierten, ist heute der Fokus auf den Song als Ganzen. Mit „Vices“ möchte der amerikanische Fünfer ganz klar festmachen: Schaut her, wir sind eine erwachsene Band, die Geschichten für Erwachsene zu erzählen hat und kein pubertäres Retortenprodukt. Doch ob die Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten. Auch wenn früher der Geist des Emo durch die Songs geisterte, klangen die älteren Songs dennoch frischer und mitreißender als dies auf „Vices“ der Fall ist. Song wie „Narcotic“ stürmen zwar ohne Kompromisse nach vorne, Stücke wie „Self-Destruct and Die“ bieten zwar tolle Beats und anheimelnde Refrains, aber auf dem Vorgängerwerk wären es eben kleine Hits gewesen und nicht einfach nur nette Liedchen.

Wer Dead Poetic bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekannt haben sollte, könnte an dieser Platte dennoch seinen Spaß finden. Pushende Gitarren, nette Melodien und Refrains, ein gewisses Maß an Härte und das alles ohne Geschrei – das weiß dann eben doch zu gefallen. Und all diejenigen, die der alten Platte verfallen waren und dies noch immer sind, sollten sich ein eigenes Bild machen. „Vices“ ist einfach reifer und bedachter als der Vorgänger, aber das muss ja nichts Schlechtes bedeuten.

Anspieltipps:

  • Cannibal vs. Cunning
  • In Coma
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Dead Poetic“
comments powered by Disqus