Dodo - Endlich - Cover
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Dodo Endlich


  • Label: Rootdown/SOULFOOD
  • Laufzeit: 64 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Ich chume vo de Berge abe is Taal, verzelle eu da unde wies de tobe eso gaht, es isch so nice det , aber Schönschte isch – es git kei Polizei, kein Gangschter und kei Dealer will jede und jedi isch frei“, singt der Schweizer Dodo Jud in seinem Song „Vo de berge“, welches auf seinem neuen Album „Endlich“ zu hören ist. Die Texte sind sehr extravagant und für Deutsche kaum zu verstehen, denn Dodo singt natürlich in seiner Muttersprache Schweizerdeutsch. Nach intensiver Beschäftigung mit dem Booklet, indem glücklicherweise die Lyrics zu finden sind, kann man dann aber doch einige Verse entziffern und sogar eine Geschichte aus den Liedern heraushören.

In dem Anfangstrack „Endlich“ singt Dodo fröhlich, dass er endlich mal pleite ist, ihn kein Wecker klingelt, weil er arbeitslos ist und sich endlich auf seine Musik konzentrieren kann. So weit, so gut, da hoffen wir mal, dass der Gute bald zu Geld kommen wird. Denn nach drei Jahren intensiver Arbeit an seinem ersten Soloalbum, sollte er schon ein wenig Anerkennung und Ruhm erlangen. Das einzige Problem ist, dass das Album wohl eher nur Schweizern, Menschen, die Schweizerdeutsch verstehen oder Leuten, die sich gerne Schweizerdeutsch anhören, gefallen wird, denn ansonsten kann man nicht viel damit anfangen. Die Beats sind zwar äußerst abwechslungsreich und gehen von gewohnten Reggaebeats zu verspielten HipHop- und Soul-Einlagen, jedoch sind Dodos Texte für „Nicht“-Versteher eher uninteressant. Natürlich sind Dodos Texte energiegeladen, manchmal politisch und verliebt, doch wer kein Schweizerdeutsch versteht und sich dadurch nicht auf den Inhalt konzentrieren kann, wird schnell eine Routine und Wiederholung in Style und Beat erkennen.

Aber natürlich gibt es auch positive Aspekte auf Dodos „Endlich“, denn abgesehen von der Sprache, ist sein Album sehr gelungen. Mit dem Slogan „Wenn du den Mittelfinger in der Luft hast, dreh die Hand um und stell auch deinen Zeigefinger aufrecht, mach das „Peace-sign“ und dreh deine Welt um“ verbreitet Dodo erst einmal gute Laune in „Pimp my soul“ featuring Andrew Robinson und spricht neben „Love & Peace“ auch über Familie, den Alltag und die Liebe. Mit einem Mix aus Schweizerdeutsch und Englisch verbindet Dodo gekonnt einen HipHop-Beat in „Peaceful riot“ und präsentiert zusammen mit Namusoke einen tollen Refrain. Getoppt werden diese zwei Hits von dem drauffolgenden „Mädchen für alles“, wo sich kein Geringerer als unser deutscher Reggaesänger Nosliw die Ehre gibt.

Die „Schweiz-Deutsch-Connection“, die dem Beispiel von deutschem Rapper Azad und Russen Seryoga folgt, vermischen Deutsch und Schweizerdeutsch mit einem ruhigen Beat und präsentieren ein super Liebeslied und einen eingehenden Refrain, indem sich beide Künstler abwechseln. Rhythmisch getimte Claps und Pfeifen im Hintergrund gibt es in dem Liebessong „Mis Ding“ zusammen mit Guillermo Sohrya. Der Track ist neben „Din Pulli“ als exklusiver Videoclip auf die CD gepackt worden, der sich beim Einlegen in den PC oder DVD Player automatisch abspielt. Einen Anti-Reggaesong gibt es zusammen mit Rebellion the Recaller auf „Murder tune“ zu hören, indem Dodo mit einem düsteren Rap über Krieg und Träume rappt und dabei von einem tiefen HipHop-Beat begleitet wird.

Etwas ganz Ausgefallenes, hat sich der Rootssänger in „Brief vom e ungeborene“ ausgedacht. Dort singt er sozusagen im Namen eines Ungeborenen, das sich vorstellt, wie die Welt wohl aussieht und wie es selbst einmal sein wird. Ein großes Dankeschön an seine Mutter, präsentiert Dodo in seinem Track „Happy Birthday“ zusammen mit Salt of the South und in dem darauffolgenden Song „Schnee vo geschter“ gibt es noch einmal ein Liebeslied mit ohrwurmverdächtigen Refrain. In dem vorletzten Track „Leu vo züri“ gibt Dodo noch einmal Alles und packt in den wenigen Minuten eine tragische Geschichte auf seine Platte. Er erzählt in Ich-Form von einem Jungen, der verprügelt wurde, ins Kinderheim kam, einen Vater als Alkoholiker hatte, keine Arbeit fand und am Ende sogar noch im Knast landete, bis er sich zu Fuß aufmacht und versucht sein Glück zu finden.

Mit „Usrese“ belehrt Dodo uns noch einmal, dass man nicht immer so viele Ausreden im Leben haben sollte und auch auf sich selbst gucken muss und schließt sein Album damit ab. Produziert wurde „Endlich“ neben Dodo himself auch vonTeka und Jr. Blender aus Deutschland, House of Riddim aus Österreich und Playaz aus der Schweiz. Fazit ist, dass Dodo Jud auf gekonnte Art und Weise Schweizerdeutsch und Reggaerhythmen vermischt und mit Sicherheit einen regelrechten Boom in der Schweiz auslösen wird. Leider ist das Album für viele Deutsche nicht sehr ansprechbar und wohl auch noch nicht für den internationalen Markt bereit. Denn, seien wir doch mal ehrlich, die Schweiz kann noch keine allzu große Bevölkerungszahl aufweisen und Schweizerdeutsch gehört auch nicht zur Weltsprache Nummer eins. Aber abwarten, was sich da noch tut, denn Dodo hat den Reggae auf jeden Fall in sich und wird in naher Zukunft mit Sicherheit noch mehr von sich hören lassen. Wir Deutschen sind bereit dafür, wenn nicht noch mehr Dialekte auftreten!

Anspieltipps:

  • Mis ding
  • Leu vo züri
  • Peaceful riot
  • Pimp my soul
  • Mädchen für alles
  • Schnee vo geschter
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