Jarvis Cocker - Jarvis - Cover
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Jarvis Cocker Jarvis


  • Label: Sanctuary/Rough Trade
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit 2002 und dem zu der Zeit veröffentlichten Best Of-Album „Hits“ befinden sich Pulp in einer so genannten kreativen Schaffenspause, deren Ende noch ungewiss ist. Nach dem großen Erfolg des Albums „Different Class“ (1995) und der kommerziell erfolgreichsten Single „Disco 2000“ folgten noch die Longplayer „This Is Hardcore“ (1998) sowie „We Love Life“ (2001), wovon vor allem der Letztgenannte für müde Gesichter seitens der Hörer sorgte und die Verkaufszahlen rapide in den Keller gehen. Frontmann Jarvis Cocker zog es nach Paris und konnte, ganz extrovertierter Künstler, natürlich nicht von der Musik in ihren verschiedenen Varianten lassen. Er schrieb Songs für einen Harry Potter-Film, leistete sich dort sogar einen Gast-Auftritt, textete im Auftrag von Charlotte Gainsbourg und ließ es sich gut gehen. Das deutet zumindest das Solo-Album „Jarvis“ an, das dieser Tage in die Läden wandert und dort, nimmt man die Qualität des Outputs als Maßstab, beileibe nicht verstauben wird.

Die von Pulp bekannten Synthesizer wurden gegen Singer/Songwriter-Elemente und einen Hauch erdigen Rock´n Roll („Fat Children“) eingetauscht, während die über allem thronende große Geste von Monsieur Cocker beständig wohlige Theatralik in die Ohren zaubert. Es fällt auf, dass er es keinem mehr beweisen muss und eine gewisse Bodenständigkeit gegenüber der überbordenen Pose aus der Zeit bei Pulp den positiven Ausschlag gibt. „Don´t Let Him Waste Your Time“ setzt den Fokus auf luftige Gitarren, die von beherzten Orgel-Sounds eingerahmt werden und lebendigen Folk-Pop mit Rock-Akzent durch die Boxen jagen. Eine tolle Eröffnung, die mit „Black Magic“ ihre würdige Fortsetzung findet. Gospel-Singalongs finden dort ein zuhause und munden neben mächtigen, im Midtempo angesiedelten Drums sowie einem Break, nach dem wieder gehörig Schwung in den Song kommt. Cocker gibt am Mikro alles und punktet mit kratzigem Gesang.

Klar und spitzzüngig wie eh und je erstrahlt „I Will Kill Again“ dank eines getragenen Klaviers und, wie sollte es sein, der unverwechselbaren Intonation des Meisters. Wie bereits oben erwähnt geht „Fat Children“ sogar richtig zur Sache und schwingt ästhetisch die Keule des losgelösten Rockers. Doch ausfällig wird Jarvis Cocker nur in den Texten, musikalisch ist er immer noch der niveauvolle Entertainer mit enormen Songwriting-Potenzial. Auch wenn in diesem Fall auf „Jarvis“ sicher noch Platz nach oben ist, wird der Hörer verwöhnt, denn auch im weiteren Verlauf, insbesondere bei den melancholisch schwebenden „Disney Time“ und „Quantum Theory“, ist sich der Wahl-Pariser nicht zu schade, zeitlosen Pop in Reinkultur zu zelebrieren. Ein Soloalbum, dass Lust auf mehr macht und Pulp fast endgültig vergessen lässt.

Anspieltipps:

  • Black Magic
  • Disney Time
  • I Will Kill Again
  • Don´t Let Him Waste Your Time
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