Amy Winehouse - Back To Black - Cover
Große Ansicht

Amy Winehouse Back To Black


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 35 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Trotz aller Referenzen an die 50er und 60er Jahre, die Verwandtschaft mit dem Jazz und Soul dieser Epochen, ist „Back To Black“ ist eigenständig, organisch, neuartig und mit anderen aktuellen Produktionen nicht zu vergleichen.

Amy Winehouse ist nach den gängigen Regeln des Biz irgendwie „anders“ und nicht im Vorbeigehen in die üblichen Schubladen einsortierbar. Die 23-Jährige ist auffällig tätowiert, hat ein Gesichtspiercing, ist aber keine Rockerbraut á la Bif Naked. Sie ist bildhübsch und fotogen, verkörpert aber kein Popsternchen im Stile der Britneys und X-Tinas. Dass die Engländerin darüber hinaus großes musikalisches Talent besitzt, muss nicht gesondert erwähnt werden.

Dabei hätte Amys Karriere ganz leicht auf den Pfaden des Wegwerfpop landen können, als sie mit 15 Jahren auf die Sylvia Young Stage School geschickt wurde, wo zum Beispiel aus einem Backfisch wie Emma Bunton (Spice Girls), den Appleton Schwestern (All Saints) sowie jungen Hüpfern wie Jon Lee (S Club 7) und Matt Jay (Busted) profitable Girl- und Boygroup-Mitglieder gezüchtet werden. Doch zum Glück ergriff die rebellische Amy schon bald wieder die Flucht und begann ein Geschichtsstudium, das sie nebenher mit Gesangsunterricht und Mitgliedschaften in Jazzbands ausfüllt.

Gerade volljährig, unterschreibt Amy ihren ersten Plattenvertrag, dem zwei Jahre später das hochgelobte Debütalbum „Frank“ (09/2003) folgt. Darauf kombiniert sie Motown-Soul mit Jazz, Reggae, Soul, Funk, Blues, Rock, R&B und HipHop mit ihrer markanten Diva-Stimme und ziemlich eindeutigen Texten, die nicht ohne Warnhinweis auf dem Cover auskommen. Genau dort setzt auch „Back To Black“ an. Im Stile einer Ella Fitzgerald singt Amy Winehouse mit erhabener Stimme elf Songs, denen man sofort den Status von Coverversionen 40 Jahre alter Klassiker attestieren möchte.

Aber nichts da! Hier ist so gut wie alles aus eigener Feder und nagelneu, obwohl Stücke wie „He can only hold her“, „You know I’m no good“ und „Rehab“ klingen, als hätten Amy und ihre helfenden Hände (u.a. Mark Ronson und Salaam Remi) alte Motown-Platten gesampelt und über fette Bläserriffs, Wurlitzer-Sounds und Orchester-Parts moderne Beats gelegt. Dabei halten sich tatsächliche Samples wie „She’s a fox now“ von Richard und Robert Poindexter in Grenzen.

Trotz aller Referenzen an die 50er und 60er Jahre, die Verwandtschaft mit dem Jazz und Soul dieser Epochen, ist „Back To Black“ ist eigenständig, organisch, neuartig und mit anderen aktuellen Produktionen nicht zu vergleichen. Ein spannendes Vergnügen für alle, die sich trauen, ab und zu über den Tellerrand zu schauen, das mit 35 Minuten Spielzeit allerdings arg kurz ausfällt. Aber vielleicht möchte Amy Winehouse den Hörern keine Überdosis ihrer ganz speziellen musikalischen Welt verabreichen. Sie ist eben irgendwie „anders“…

Anspieltipps:

  • Rehab
  • Just friends
  • He can only hold her
  • Love is a losing game
  • You know I’m no good
Neue Kritiken im Genre „Soul“
8/10

The Spirit Of Memphis 1962 - 1976
  • 2017    
Diskutiere über „Amy Winehouse“
comments powered by Disqus