Jay-Z - Kingdom Come - Cover
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Jay-Z Kingdom Come


  • Label: Def Jam/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wirklich verlassen hat Shawn „Jay-Z” Carter das Musikbusiness nie. Zwar verabschiedete sich Hova, wie er sich auch nennt, vor knapp drei Jahren mit seinem letzten Album „The Black Album“, doch von den Reglern konnte ihn keiner verdrängen. Er produzierte in den letzten paar Jahren unzählige Hits und verhalf mit seinen Gastauftritten dem einen oder anderen Künstler zu großen Erfolgen. Als Präsident und CEO von Def Jam und Freund von Souldiva Beyonce Knowles, dürfte Jay-Z in den vergangenen Jahren einiges um die Ohren gehabt haben – trotzdem fand der Rap-Meister Zeit, um auf große Welttournee zu gehen und anschließend innerhalb von 24 Stunden 17 Konzerte in verschiedenen US-Städten zu geben. Beide Tourneen waren Weltrekorde und geschahen erstmalig in der Welt des HipHop.

Das Jay-Z es immer wieder schafft Rekorde zu brechen und die Menschen zu begeistern, ist bekannt und mit seinem neuem Album „Kingdom Come“ macht er keine Ausnahme. In den insgesamt 14 Tracks, rappt Jay über seinen Abschied, seine Rückkehr und sein Leben und bringt endlich wieder die Stimme ins Rapgame, auf die wir ganze drei Jahre warten mussten. In einem Satz: The Bounce is back!

Schon bei einem Blick auf die Gäste- und Produzentenliste wird klar, was für ein Meisterwerk Mr. Carter hier mal wieder erschaffen hat. Es tummelt sich die „Crème de la Crème“ auf „Kingdom Come“ und geht von Dr. Dre, Kanye West, The Neptunes und Just Blaze über Usher, Pharrell, John Legend, Ne-Yo, Beyonce und Chris Martin von Coldplay, mit dem Jigga einen ganz besonderen Song auf die Beine gestellt hat. Der Track ist mit dem Namen „Beach Chair“ betitelt und der Abschluss-Song von „Kingdom Come“. Mit einem nachdenklichen und träumerischen Beat beweist Jigga noch einmal im Endspurt, wieso er der „King of hiphop“ ist und zeigt, dass selbst HipHop gemischt mit Chris Martin einen tollen Sound ergeben.

Eine weitere spitzen Kollaboration gibt es in dem Track „Anything“ zusammen mit Pharrell von den Neptunes und Usher, von dem man seit langem mal wieder etwas Neues hört. Der chillige Song ist ausschließlich den Frauen auf der Welt gewidmet und zeigt Jigga und Usher in Höchstform. Pharrell ist leider kaum zu hören, hat dafür aber den Beat produziert. Gemeinsam mit Freundin Beyoncé, Ex-Girl von Destiny´s Child, sind in dem Song „Hollywood“ die zurzeit angesagteste R&B-Sängerin und der wohl meistgeehrteste Rapper in einem Lied vereint. Genau wie in den gemeinsamen Songs „Crazy in love“, „Bonnie & Clyde“ oder „Deja Vu“ verbinden die Zwei HipHop und R&B zu einem geschmeidigen Song mit geballter Power. Da passt es auch, dass Jay-Z sich in seiner aktuellen Single „Show me what you got“ mit dem Basketball-Pionier Michael Jordan vergleicht: „I am the Mike Jordan of recording, the most incredible, Hove is back, the dynasty continues“ und damit einen Sommersong der Extraklasse veröffentlicht.

Die von Just Blaze produzierte Single wurde sogar auf diversen Radio-Sendern bis zu acht Mal am Stück gespielt, obwohl sie noch gar nicht offiziell veröffentlicht war. „Show me what you got“ landete überraschend im Netz, woraufhin sich der Track wie ein Lauffeuer verbreitete und Radiosender ihr aktuelles Programm unterbrachen, nur um Jay-Zs neue Single zu spielen. Wenn das kein eindeutiger Beweis dafür ist, dass wir es hier mit einem der außergewöhnlichsten Rapper nach 2 Pac und Notorious BIG zu tun haben, dann weiß ich es auch nicht. In dem ebenfalls von Just Blaze produzierten Song „Kingdom come“ bietet Jigga die gewohnt intelligent zusammengesetzten Reime („I will be king of New York. Not only NYC I’m hiphop’s savior, so after this flow you might owe me favour“) und rappt seinen Refrain eigenständig.

Das gleiche Ziel, nämlich zu beweisen, wer der Boss im HipHop ist, verfolgt Hova in „Oh my God“. Shawn rappt über seine Rückkehr zu seinen Wurzeln, dem Hip Hop, und seine Zusammenarbeit mit der UNO („Lunch with Mandella, dinner with Cavalli – still got time to get water out to everybody“), wobei er von einem typischen Jay-Z-Beat unterstützt wird.

Zu einem der persönlichsten Tracks auf „Kingdom Come“ zählt das von Dr. Dre und Mark Batson produzierte „Lost one“. Der Song ist mit einem wunderschönen Pianospiel und viel Bass unterlegt und featured Chrisette Michele. Jigga rappt über sein Leben als Rapper, seinen verstorbenen Neffen und dessen schwangere Freundin und über Beyoncé. Jay gesteht in dem Track, dass es ihm schwer fällt, Beyoncé Freiraum zu geben und sie so hart arbeiten zu sehen („for she loves her work more than she does me, and honestly at 23 I would probably love my work than I did she“).

In dem von Kanye West produzierten Song „Do you wanna ride” hält sich Gaststar John Legend sehr zurück und ist nur im Refrain leicht zu hören, was ein wenig schade ist. Doch Jigga splittet gekonnt seine Reime über den Beat, so wie wir es gewohnt sind. Die neue HipHop-Generation betitelt Jay mit „30’s the new 20 nigga, I’m so hot still“ und präsentiert einen Lean-Back-Song mit Claps, Piano und tollen Lyrics („30 Something“). Mit Sterling Sinns an seiner Seite und einem Swizz Beatz Beat im Gepäck, holt Jigga zum Schlag gegen Ex-Rocafella-Mitglied Cam’ron aus, welcher ihn vor einiger Zeit in einem Track disste. Klar, dass Shawn sich so etwas nicht gefallen lässt und kontert in „Dig a hole“ mit den Worten „Hov gon get you, I ain’t forget your little disrespect. only time you went plat, my chain was around your neck“. Der Song bounct gewaltig und ist ein gelungener Übergang nach „Trouble“, indem Jigga einen von Dr. Dre produzierten Gangster-Beat und Kopfnicker-Song präsentiert.

Das anschließende „Minority report“ zusammen mit R&B-Sänger Ne-Yo wurde ebenfalls von Dr. Dre geschmiedet und ist das genaue Gegenteil von „Trouble“. „Minority report“ ist mit einem ruhigen und sinnlichen Beat unterlegt und handelt von dem Leid auf der Welt, wobei Jay-Z einen besonderen Blick auf das Unglück in New Orleans wirft („George Bush doesn’t care about black people“) und im zweiten Vers von Ne-Yo abgelöst wird. Der Abschlusssong ist, wie bereits erwähnt, das sinnliche „Beach Chair“, indem Jay-Z sich gekonnt verabschiedet und einen tollen Nachgeschmack hinterlässt.

Shawn „Jay-Z“ Carter beweist mit seinem neuen Album „Kingdom Come“, weshalb er bereits jetzt ein HipHop-Pionier genannt werden kann. Die Platte ist vollgepackt mit potenziellen Singles und bietet Rap vom Feinsten. Die HipHop-Welt kann sich glücklich preisen, dass Jay-Z wieder unter den aktiven Rappern weilt und frischen Wind in den derzeitigen Mainstream-Rap weht. Seine Experimentierfreudigkeit und sein Enthusiasmus mit Künstlern verschiedenen Genres (z.B. Linkin Park, Chris Martin) zusammenzuarbeiten, hat Jigga nicht verloren und man kann getrost sagen: „Welcome back!“.

Anspieltipps

  • Lost One
  • Anything
  • Hollywood
  • Dig a Hole
  • Beach Chair
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