Jeans Team - Kopf Auf - Cover
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Jeans Team Kopf Auf


  • Label: Louisville/Universal
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Jahre 1997 startete im Hause Jeans Team ein Unterfangen, welches sich bis heute prächtig zwischen zahllosen Stühlen zuhause fühlt und neben dem omnipräsenten Spaß-Faktor für gelungene Genre-Vielfalt zwischen Electro-Pop, verschrobenem Folk und Punk (vor allem im Geiste) steht. „Ding Dong“ heißt das Debütalbum von 2000 und wird dank der Electro-Punk-Hymne „Keine Melodien“, welche nun wirklich keine Gefangenen macht, zu einem beachtlichen Erfolg, der sich mit dem Zweitwerk „Musik Von Oben“ (2005) noch verstärkt. Die meisten der zahlreichen Tournee-Reisen quer durch Europa unternehmen Jeans Team mittlerweile als Trio, da sich Gunther Kreis vorerst dem Film widmet und die Band nicht wieder fünf Jahre verstreichen lassen will, bis es zum nächsten Longplayer kommt. So geschieht es dann auch: „Kopf Auf“ beehrt die Jeans Team-Fans zur Vorweihnachtszeit mit luftigen, spaßigen Sommer-Taumeleien zwischen Bauernhof und Discokugel.

Der Opener und bereits im Oktober als Single veröffentlichte „Das Zelt“ glänzt mit hintergründig pulsierenden Synthesizern, Bläsern und Lagerfeuer-Akustikgitarren, so dass der Hörer sich ganz in ihm verlieren kann und durch die augenzwinkernde Parole „Kein Gott, kein Staat, keine Arbeit, kein Geld – mein zuhause ist die Welt“ angespornt durch das Zimmer tänzelt. So geht es dann auch weiter, wenn sich „Wandern“ dem Neu-Entdecken der eigenen vier Wände widmet und „T.Y.T.T.S.“ weit mehr als nur debiler Humor ist. Über die Zeile „Cannot shit in Paris, can´t shit in Rome – places, where I can shit, I call home“ kann man verachtend den Kopf schütteln, oder einfach die Leichtigkeit von Jeans Team mitnehmen und selbst dem grausamsten, brachial-kalten Wintermorgen zu einem Tanz gen Morgensonne nutzen. Zwischen der Elektronik erstrahlen immer wieder Gitarre, Bass und Drums, welche die Angelegenheit noch frischer erscheinen lässt und gehörig Leben in die ohnehin niemals sterile Jeans Team-Welt befördert.

Flamenco-Gitarren rasen durch den Abgesang an schlechte Gedanken, der hier schlicht und ergreifend „Kopf Auf“ heißt und werden im folgenden „Komet“ von housigen Beats abgelöst. Man reist, ja rast oder tänzelt durch positiv gestimmte Musiklandschaften, die Genregrenzen nicht mit Wut, sondern mit ironischer Selbstsicherheit sprengen und textlich zwischen Träumerei und überfallartigem Lachanfall ihre Heimat beziehen. „Kopf Auf“ ist ein Album, an dem man viel Freude haben wird und es aufgrund seinen zügellosen Erhabenheit als nahezu einzigartig erachten kann, auch wenn nach einer gewissen Anzahl von Hördurchgängen der Ruf nach „ernsteren“ Themen und etwas weniger Spielerei gewiss etwas lauter wird.

Anspieltipps:

  • Das Zelt
  • T.Y.T.T.S.
  • Kopf Auf
  • Du Bist Hamburg
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