Ingenting - Mycket Väsen För Ingenting - Cover
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Ingenting Mycket Väsen För Ingenting


  • Label: Broken Silence
  • Laufzeit: 43 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Cover mit dem Abrisshaus wirkt düster und abstoßend, der Bandname ist ein Zungenbrecher, der Albumtitel gar ein böhmisches Dorf und jeder, der die schwedische Sprache nicht beherrscht, wird sowieso kein Wort von dem verstehen, was Ingenting auf ihrem zweiten Werk besingen. Was soll daher der Aufwand? Schließlich bedeutet Ingenting übersetzt „nichts“. Also ab in die Tonne...? Mitnichten! Hier heißt es auf jeden Fall hingehört, denn die sechs Stockholmer Jungs, die sich Ende 2003 als Band zusammentaten, liefern ein abgründiges Stück Musik ab, das zwischen Kitsch und Melancholie, Wahnsinn und Glückseligkeit durch die Nacht stolpert.

Bereits das Debütalbum „Ingenting Duger“ (2004), das in Deutschland erst im Sommer vergangenen Jahres erschien, vermochte mit psychedelischen Popsounds im Stile der 60er und 70er Jahre zu fesseln. In diesem Zusammenhang wurden The Velvet Underground gerne als Vergleich genannt. Doch Ingenting stammen nicht aus dem Gestern. Mastermind Christopher Sander (Gitarre, Gesang) sowie Andreas Jeppsson (Keyboards), Niklas Lundell (Percussion), Tobias Määrd (Gitarre), Sebastian Ross (Bass) und Mattias Bergqvist (Drums) mischen auf „Mycket Väsen För Ingenting“ durchaus aktuelle Komponenten in ihre Musik und konkurrieren mit britpoppigen Vertretern wie Franz Ferdinand und Leisetretern á la Kings Of Convenience. Das ist in der Tat weit mehr als „Viel Lärm um nichts“, wie das Album auf Deutsch heißt.

Mit dem titelgebenden Opener und dem folgenden „Punkdrömmar“ rocken Ingenting á la Mando Diao in bester Garagenbandmanier drauf los. Alles klar, so kennt man die Schweden in Sachen Rock’n’Roll. Doch schon „Bergochdalbanan“ (Achterbahn) mäandert ganz untypisch für seinen Titel minutenlang durch den Raum. Ein einsames Piano klimpert und Christopher Sander singt tieftraurig von der abgehauenen Freundin („Ich bin zu Hause geblieben, seitdem du weg bist. Ohne dich fällt meine Welt zusammen“). So schön leiden nur echte Singer/Songwriter. Ein Wunder, bei der Trauer, dass Christopher Sander und Co. auch anders können und mit „Suzanne“ und „Släpp in solen“ federleichte Gute-Laune-Stücke abliefern und mit „Hollywood dreams“ herrlich schrägen Powerpop aus dem Hut zaubern.

Simpel, aber effektiv, so lautet die Devise. Gitarre, Bass, Schlagzeug, mal ein Klavier oder eine Trompete, dazu mehrstimmiger Gesang – die Mittel sind so einfach für ein hochemotionales Album, das seine Hörer sofort mitreißt, von himmelhochjauchzend („Mycket väsen för ingenting“) bis zu Tode betrübt („Precis sa jag känner“). So muss musikalisches Kopfkino sein.

Anspieltipps:

  • Pa drift
  • Re: Re: Re
  • Bergochdalbanan
  • Hollywood dreams
  • Precis sa jag känner
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