Potentia Animi - Sind Die Lichter Angezündet - Cover
Große Ansicht

Potentia Animi Sind Die Lichter Angezündet


  • Label: Metal Blade/SPV
  • Laufzeit: 26 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Was ist denn da los? Haben uns die scharfzüngigen Mönche von Potentia Animi dieses Jahr nicht schon ein Album mit Namen „Psalm II“ (04/2006) geschenkt, dass durch fehlenden Pfeffer im Hintern etwas zuwenig Abwechslung bescherte? Bruder Nachtfraß (Gesang, Cister), Bruder Liebe (Schlagwerk, Gesang), Bruder Schaft (Gesang, Sackpfeife, Harmonium), Bruder Schlaf (Gesang, Bass) und Schnabausus Rex (Violine) war der neuerliche Bericht über unzüchtige Mönche und freizügige Klosterschwestern wohl nicht ausreichend genug und deswegen gibt es mit „Sind die Lichter angezündet“ ein 8-Track umfassendes Weihnachtsalbum oder um es anders auszudrücken, eine äußerst besinnliche Kurzplatte.

Wo jedoch anfänglich noch der Eindruck entsteht, etwas in Händen zu halten, das schnell fürs größte Geschäft des Jahres eingespielt wurde, so überrascht die Scheibe letztendlich doch als durch und durch angenehm dämlicher Beitrag zum heiligsten Fest des Christentums. „Des Jahres letzte Stund“ macht den Auftakt als Spoken Word-Intro, gefolgt vom leicht abgeänderten und mit minimalistischer Musikunterlage versetzten „Morgen Kinder wird’s was geben“, das wiederum von „Es ist ein Ros entsprungen“ abgelöst wird, welches von einer Kirchenorgel begleitet wird, die allerdings gegen Ende ihr Notenblatt verschluckt zu haben scheint, denn eine derartige Kakophonie kann keineswegs Absicht gewesen sein.

Schwelgerische Geigenklänge und sanfte Gitarrenmusik sind im bemühten „Stille Nacht“ zu hören und mit „Tausend Sterne sind ein Dom“ wird erst der richtig herzerwärmende und zwerchfellbeanspruchende Teil der Platte eingeleitet. Mit einem Text, der so in keinem Krippenspiel unterkommen würde („All das Dunkel macht mich froh / Die Sterne häng ich mir aufs Klo / Dann habe ich endlich wieder Licht / Denn ohne Licht da treffe ich nicht“) und einem schelmischen Unterton geht es nämlich ab jetzt weiter, wenn „Kling, Glöckchen, kling!“ als fast 7minütige Gebetsmusik auf übliches Instrumentarium verzichtet und in indische Gefilde mit Sitar und Tabla abdriftet oder die Melodie von „Oh Tannenbaum“ kurzerhand von einer Music Box geliefert wird.

Bevor diese wirklich innovative Lachmuskel-Trainingseinheit beendet ist, muss noch wahrhaftig „Schnabausens arme Kind“ herhalten, das den abgeänderten Text von „Morgen Kinder wird’s was geben“ intoniert und putzig über die Textzeilen stolpert. Dadurch trägt der etwa 25 Minuten lange Beitrag „Sind die Lichter angezündet“ nicht nur zur kurzweiligen Belustigung bei, sondern zeigt, dass man sich bei Weihnachtsplatten sehr wohl einige Gedanken machen kann, selbst wenn die Absicht dahinter ein reines Spaßprodukt ist.

Anspieltipps:

  • Kling, Glöckchen, kling!
  • Tausend Sterne sind ein Dom
Neue Kritiken im Genre „Mittelalter Rock“
7/10

Zirkus Zeitgeist: Live Aus Der Großen Freiheit
  • 2016    
Diskutiere über „Potentia Animi“
comments powered by Disqus