Love Is All - Nine Times That Same Song - Cover
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Love Is All Nine Times That Same Song


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 31 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Lust auf einen Quickie? Natürlich nur rein musikalisch. Gerade mal eine halbe Stunde ist das Debüt der schwedischen Rockgruppe „Love Is All“ lang. Um genau zu sein, ist es auch gar kein richtiges Debüt. Früher war die Band (großteils) unter dem Namen Girlfrendo bekannt. Wahrscheinlich hätte sie noch heute diesen Namen, wenn nicht ein russischer Porno-Ring die alte Homepage gekapert hätte und so der Name in den Schmutz gezogen wurde. So wurde also „Love Is All“ geboren. Jetzt fragt sich nur noch, was für Musik Frontfrau Josephine Olausson, Gitarrist Nicholaus Sparding, Drummer Markus Görsch, Bassist Johan Lindwall und Saxophonist Fredrik Eriksson aus Göteborg eigentlich machen.

Was einen musikalisch hier erwartet, kann einfach nur aus Skandinavien kommen. Niemand sonst schafft es, Musik so zu spielen, dass man wirklich absolut ratlos ist, aus welchem Jahrzehnt die Musik kommt. Instrumental gesehen, könnte „Nine times that same song“ auch aus den Siebzigern kommen, doch Josephine Olausson schafft es mit ihren frischen Lyrics aufzurütteln. Die Stimme der Sängerin ist übrigens das wohl wichtigste Instrument der Band. Gitarre und besonders Saxophon geben wirklich alles und reißen einen immer wieder mit, doch die markante Stimme der Frontfrau ist der größte Pluspunkt. Gleich beim Opener „Talk talk talk talk“ wird das Schema für die Platte grob dargelegt. Bei „Love Is All“ geht es schnell zur Sache. Saxophon und Gitarre leisten sich heißblütige Soli und Olaussons tolle Stimme ist der Hauptdarsteller. Mit der verrückten Zeile „I keep the one I love in the freezer“ beginnt „Ageing had never been his friend”. Der zweite Song wirkt noch geordneter und trotzdem so verrückt, verglichen mit dem Opener. Die Band spielt mit den bereits genannten Stärken gekonnt.

„Turn the radio off“ macht allen einen Strich durch die Rechnung, die jetzt eine halbe Stunde lang nur feiern wollten. Der Song ist einfühlsam und wunderschön verträumt. Es kommt trotz Saxophon und sogar Xylophonanklängen keinen Kitsch, weil Josephines Stimme das einfach unmöglich macht. Traumhaft! Das Herz der LP spielt wieder alle Trümpfe aus, die die Band zu bieten hat. Alles reiht sich um die Stimme der Sängerin und ergibt zusammen einen lebendigen Mix aus Moderne und Siebzigern. „Busy doing nothing“, sowie „Make outfall out make up“, welche sich beide in diesem Herz befinden, sind zwei der Höhepunkte der Scheibe. Gerade bei letzterem muss Drummer Markus Görsch hervorgehoben werden, der einen tollen Job abliefert. Mit „Felt tip“ folgt der wohl eingängigste Track auf der Platte, welcher sich besonders durch einen wunderschönen Gitarrenpart auszeichnet. „Spinning & Scratching“ ist eine klasse Ergänzung zu „Talk talk talk talk“, bei welcher man wieder Gesangparts zum Niederknien vorfindet. Der vorletzte Track trägt den erstaunlich bekannten Namen „Turn the TV off“. Ist das etwa eine schlichte Kopie zu „Turn the radio off“? Vorweg: Es ist die zweite durchgängig ruhige Nummer auf dem Album, aber das soll den Hörer nicht täuschen. Beinahe so eingängig wie „Felt tip“ kommt der Song daher und ist von Gefühlsebene auf einer Stufe mit Damien Rice oder Coldplay. Zu verdanken ist das wieder einmal Josephines toller Stimme.

Zum Finale „Trying too hard“ lässt sich die band noch einmal richtig aus. Die Melodie kommt einem seltsam bekannt vor (was bei diesem Siebziger-Jahre-Stil nicht verwunderlich ist) und die Instrumente schreien zusammen mit Josephine die letzte kraft heraus die ihnen noch geblieben ist. Nach einer (wortwörtlich) guten halben Stunde hat man zwei Optionen: Raus vor die Tür gehen und das Leben genießen oder die Repeat-Taste drücken und weitere dreißig Minuten mit dem Fünfer aus Schweden verbringen. Der Effekt dürfte derselbe sein. Eigentlich sollte niemand mit dem „alten“ Stil Probleme haben, denn dafür bekommt man mal wieder richtig guten Rock, der heutzutage nicht unbedingt selbstverständlich vorzufinden ist.

Anspieltipps:

  • Trying too hard
  • Talk talk talk talk
  • Ageing had never been his friend
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