Helge Schneider - I Brake Together - Cover
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Helge Schneider I Brake Together


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 58 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die 15 Tracks auf „I Brake Together“ lassen sich in drei Bereiche unterteilen.

Viele würden unter dieser Arbeitslast wahrscheinlich zusammenbrechen, nicht so Helge Schneider. Er liefert zum Jahresbeginn einen neuen Roman ab („Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas“), der ab Mai 2007 auch als Hörbuch erhältlich ist, spielt eine Hauptrolle im Dani-Levy-Kinofilm „Mein Führer“, ist seit Dezember wieder auf Marathontournee (bis 2008!) und hat mit „I Brake Together“ mal eben ein neues Studioalbum am Start. Ganz klar: So präsent war Helge seit Mitte der 90er Jahren nicht mehr, als er mit „Katzeklo“ kurzzeitig als Vorzeigekomiker der Nation galt.

Mit „I Brake Together“ kehrt der Mühlheimer von Universal zur EMI zurück, wo er seine größten kommerzielle Erfolge feiern konnte, und schickt als Single-Vorbote eine jazzige Lobpreisung auf das „Käsebrot“ an die Welt. Der Song klingt etwas bemüht und glattgebügelt und bleibt damit der traditionellen Hoffnung treu, vielleicht im Radio gespielt zu werden und/oder die Charts zu knacken – quasi, um die Plattenfirma zu beruhigen. Was sich danach über die Länge eines ganzen Albums abspielt, ist dann meistens Helge pur und ohne Kompromisse.

Die 15 Tracks auf „I Brake Together“ lassen sich in drei Bereiche unterteilen. Da wären zum einen drei Coverversionen im Stile des 99er „Helge And The Firefuckers“-Albums „Eiersalat in Rock“, nämlich „Fly me to the moon”, „Georgia on my mind” und „Jailhouse rock”. Zum anderen nimmt sich Helge eigene Klassiker vor und interpretiert diese neu, und zwar „Mädchen wollen küssen” (darunter Shakira, Angela Merkel, Sabine Christiansen, Rummenigges Frau und Günter Netzer!), „Texas“ und „Der Telefonmann“. Der Rest besteht aus neuem Material, inklusive eines ellenlangen Fake-Interviews zum Schluss, indem sämtliche Tracks von „I Brake Together“ noch mal genauestens erklärt werden.

Damit ist schon mal locker die Hälfte des Albums geschafft und der Fokus kann auf frische Kompositionen wie dem Titelsong gerichtet werden. In diesem prangert Helge unnachahmlich das katastrophale TV-Programm und die Welt im Allgemeinen an und bringt die Misere auf den Punkt: „Die Welt ist krank und der Arzt hat frei. Schnell ein Brötchen und Kartoffelbrei”. Das ganz normale Leben, mit detailliert geschilderten Abläufen aus dem schneiderschen Haushalt, und einem sich mehr und mehr in Nebenschauplätzen verfransenden Text („Guck mal da, ein Schmetterling!“), bietet das wunderbare „Meine Supermaus“.

Das zu (Lach)Tränen rührende „Die Trompeten von Mexiko“ verirrt sich stilistisch zwar zwischendurch an die Copa Cabana, beeindruckt dennoch mit unglaublichem Rhythmus im Blut, „Pinguine können nicht fliegen“ ist ein musikalisches Zwiegespräch mit Udo Lindenberg, bei dem die pseudogesellschaftskritischen Texte des Panikrockers aufs Korn genommen werden („... dann fühlst du dich uncool und denkst, es gibt keinen mehr, der dich liebt...“) und „Bitte geh nicht vorbei“ ist vermutlich das inbrünstigste Liebeslied der letzten 20 Jahre („Das Wunder der Liebe. Nur für uns ganz allein gepachtet... Ich werde dich auf Händen tragen... Füreinander bestimmt – auch in den kritischen Tagen“).

Was soll man dazu noch sagen? Helge Schneider bietet herrlich schrägen Humor, gewohnt kongenial, vom Jazz beseelt, eingespielt, der auch nach 20 Jahren nichts von seiner Frische eingebüßt hat. Spitze!

Anspieltipps:

  • Telefonmann
  • I brake together
  • Meine Supermaus
  • Bitte geh nicht vorbei
  • Die Trompeten von Mexiko
  • Pinguine können nicht fliegen
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