Ray LaMontagne - Till The Sun Turns Black - Cover
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Ray LaMontagne Till The Sun Turns Black


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 48 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieses Album ist eine dieser ganz seltenen Perlen, bei denen der Hörer die Welt um sich herum vergisst und wo die Zeit stehen bleibt.

Mit seinem Debütalbum „Trouble“ (10/2004) war dem amerikanischen Singer/Songwriter Ray LaMontagne (32) ein herausragendes Werk geglückt, das in Deutschland leider viel zu spät veröffentlicht wurde. Zu spät? Ja, denn während in den USA bereits Album Nummer zwei, „Till The Sun Turns Black”, mit hohen Verkaufszahlen für Furore sorgt, wurde „Trouble“ hierzulande erst im November 2006 auf den Markt gebracht – zu einem Zeitpunkt, als sich viele Anhänger von Singer/Songwriter-Musik aufgrund von Mundpropaganda schon längst über das Internet mit der CD eingedeckt hatten. Mal sehen, wie es jetzt mit „Till The Sun Turns Black” läuft.

Das Album wurde wie schon der Vorgänger von Ethan Jones (Ryan Adams, Kings Of Leon, The Jayhawks) produziert und ist natürlich immer noch im Singer/Songwriter-Genre zuhause, legt aber musikalisch eine gehörige Schippe drauf. Aus den folkigen Akustikstücken des Debüts sind komplex durcharrangierte Songs geworden, die neben den stets präsenten Gitarren aller Art auf Streicher, Piano, Orgel, Bläser, Flöte und den behutsamen Einsatz von Keyboards und Synthesizern setzen. Dadurch erscheint die Musik zeitlos; und wenn sie überhaupt in eine Epoche einsortiert werden kann, dann in die der 60er Jahre. Doch „Till The Sun Turns Black“ hat mehr zu bieten, als bloßen Retro-Touch. Diese Platte ist zart und zerbrechlich, leise und introvertiert, so dass man sie nur ganz vorsichtig und mit Samthandschuhen anfassen möchte. Ein Stück Musik, das den Hörer unweigerlich ganz dicht an die Lautsprecher heranrücken lässt und pure Magie verstrahlt.

So ist der 6½ Minuten lange Opener „Be here now“ wie ein überlanges, atmosphärisches Intro aufgebaut, das den Hörer emotional einfangen und auf die spezielle Stimmung dieses Albums vorbereiten soll. Und tatsächlich, ehe man sich versieht, versinkt man in den raumgreifenden Kompositionen, die mit vermeintlich minimalem Aufwand maximale Wirkung erzielen. Beim näheren Hinhören fällt aber schon bald auf, dass hier mit viele Liebe zum Detail gearbeitet wurde – und sei es noch so klein. Details, die aus den Grundgerüsten der Songs wunderbare Kleinode zaubern, bei denen scheinbar aus dem Nichts ein Harmoniewechsel auftaucht oder ein Instrument eingestreut wird, das an dieser Stelle nicht zu erwarten war (man höre exemplarisch die spanische Gitarre in „Lesson learned“). Auf diese Art überraschen z.B. auch die Bassläufe, der Einsatz einer Wurlitzer sowie die satten Bläser in „Three more days“ mit originalgetreuem Sixties-Feeling, als wäre der gute alte „Son of a preacher man“ wieder auferstanden.

„Can I stay“ bedient sich an Streicherparts, zu denen auch die Beatles nicht nein gesagt hätten, nur dass hier nicht Paul McCartney singt, sondern ein Ray LaMontagne, der mit flüsternder Stimme im Stile eines Nick Drake und Damien Rice Gänsehaut erzeugt und den Spannungsbogen bis zum Schluss am oberen Level hält. Dies geschieht fortan mit einem kurzem Instrumental, wo aufgrund des Titels eigentlich ein doofer 3½-Minuten-Popsong befürchtet wurde („Truly, madly, deeply“), mit trauermarschartigen Songs wie dem herzzerreißenden „Gone away from me“ und einem grandiosen Schlussstück, das endgültig für ehrfürchtiges Staunen sorgt („Within you“).

Halleluja, „Till The Sun Turns Black“ ist eine dieser ganz seltenen Perlen, bei denen der Hörer die Welt um sich herum vergisst, wo die Zeit stehen bleibt, wo man einfach noch mal und noch mal auf die Play-Taste drückt, weil man nicht möchte, dass das Gefühl aufhört. Doch vorher muss es erst mal angefangen haben. Deshalb, liebe Warner-Verantwortliche in Deutschland (in den USA erscheinen die Alben bei RCA/SonyBMG), lasst die Menschen nicht wieder auf den umständlichen Import-Weg zurückgreifen!

Anspieltipps:

  • Empty
  • Can I stay
  • Within you
  • Three more days
  • Gone away from me
  • You can bring me flowers
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