Muse - Hullabaloo - Cover
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Muse Hullabaloo


  • Label: Motor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 92 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Kritiker bleiben stumm. Die ganzen Preise lügen nicht und der Rezensent doch wohl auch nicht. Was meinen Sie?

Muse. Die englische Band, welche sich selbst den Fluch aufgeladen hat immer wieder enttäuschen zu können, da sie genau das machen, was man von ihnen erwartet. Paradox? Nein! Die wildesten Spekulationen gibt es vor Muse-Alben und am Ende liefern sie das ab, was man doch irgendwie erwartet hat. Dabei ist die Musik der Briten unberechenbar für drei oder noch mehr Bands zusammen. Also hagelt es von Kritikerseiten nicht nur Lob für Sänger Matthew Bellamy und seine Band. Allerdings gibt es eine Kategorie, in welcher selbst härteste Kritiker das Nörgeln einstellen müssen: Live-Auftritte! Muse – und das belegen inzwischen einige Preise – ist das absolute Ultimo auf der Bühne, wenn man sich im derzeitigen Musikgeschäft umschaut. Selbst ein hoch gelobter Entertainer wie Robbie Williams muss da zurückstecken, aber das hat dann wohl auch wieder was mit der Musik zu tun.

Im Sommer 2002 ließen Muse das erste Mal die Unglücklichen, die keine Karten bekommen hatten, spüren, was es hieß, auf einem Muse-Konzert dabei sein zu dürfen. Allerdings überraschen Muse schon wieder (hat das nicht jemand erwartet?), in dem sie „nur“ elf Live-Songs auf diese Doppel-CD tun. Und von diesen elf Goldstücken stammen dann auch nur acht von den bis dahin erschienenen Longplayern „Showbiz“ und „Origin Of Symmetry“. Muse geht mit „Hullabaloo“ auf klaren B-Seiten-Kurs. CD 1 enthält im Studio entstandene Stücke, an derer zehn sich der Muse-Fan erfreuen darf. Die Qualität dieser so genannten B-Seiten steht dem bisherigen Output der Engländer in Nichts nach. Es fehlt zwar der Zusammenhalt, um behaupten zu können, man habe gleich noch ein neues Album bekommen, doch wie Muse hier ihre Stärken ausspielen ist einfach fantastisch. Ob es der beinahe psychedelisch ruhige Opener „Forced in“ oder ein kraftvoll rockendes „Shrinking universe“ ist, Muse liefern absolute Traum-Elektrorock-Ware ab. Letztgenannter Song hätte ohne Probleme, die Charts stürmen können. Was auffällt, ist die Akustikgitarre, die in beinahe jedem Stück mitspielen darf, aber das soll nichts heißen, wenn sich doch reine Rocknummern wie „Yes please“, oder „Ashamed“ mit auf der Platte tummeln. Die Einflüsse dieser Sammlung von Stücken sind breit gesät. Von Gitarrenrock, über südländische Riffs, toller Einsatz von Elektronik und Matthews perfekter Stimme, bekommt der Hörer alles geboten.

Wer sich an die Chronologie hält, bekommt erst jetzt die Live-Stücke geboten. In heißer Erwartung kann man sich nur den Massen anschließen, welche einige Sekunden jubeln, bevor Muse mit DER Rocknummer „Dead star“ das Live-Abenteuer für die Ohren beginnen. Der Song ist nicht das Komplizierteste, was Muse bisher hervorgebracht haben, aber die B-Seite reißt mit seiner gewaltigen Kraft von der ersten Sekunde an mit. Die Songs zwei bis acht sind dann Kost aus erster Hand. Die LP-Lieder sind atemberaubend umgesetzt und verlieren nichts von ihrer Intensität, die sie auf den Alben ausgestrahlt haben, nein, die Songs kriegen noch einmal eine neue Note und werden zu einem neuen Erlebnis.

Besonders „Micro cuts“, „Citizen erased“ und „Showbiz“, die das Album fortführen, wissen zu gefallen. Während „Megalomania“ ein wenig „normal“ wie die Album-Version herüberkommt, folgen mit „Dark shines“ und „Screenager“ zwei Stücke, die man vielleicht nicht auf dieser Platte erwartet hätte. Muse haben durchaus noch andere begnadete Outputs, die es auf die Platte hätten schaffen können, aber ein geniales Klavier-Intro für „Screenager“ und eine gewaltige Spur mehr Rock bei „Dark shines“ zeigen besonders gut diese neuen Noten, welche die Lieder live bekommen. Mit „Space dementia“ und „Muscle museum“ fragt sich der Hörer ein weiteres Mal warum Bellamy und Co nicht einfach nur noch live ihre Alben auf den Markt bringen sollten. Das ist muse’sche Musik vom Feinsten. Die B-Seiten „In your world“ und „Agitated“ machen als Rocknummern à la „Dead star“ noch einmal Lust auf mehr.

Muse ist mit diesem Live/B-Seiten-Album ein Meilenstein gelungen, der die Fangemeinde enorm vergrößern sollte. Jetzt fehlt nur noch der Blick, wann Muse das nächste Mal in der Nähe ist. Da heißt es nämlich schnell nach Karten greifen. Wer solch hochwertige Kost geboten bekommt, sollte sie auch annehmen. Die Kritiker bleiben stumm. Die ganzen Preise lügen nicht und der Rezensent doch wohl auch nicht. Was meinen Sie?

Anspieltipps:

  • Shrinking Universe
  • Map Of Your Head
  • Nature 1
  • Shine Acoustic
  • Dead Star
  • Micro Cuts
  • Citizen Erased
  • Space Dementia
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