Silverchair - Young Modern - Cover
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Silverchair Young Modern


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Satte fünf Jahre nach „Diorama“ (07/2002) erscheint mit „Young Modern“ endlich wieder ein reguläres Studiowerk des australischen Trios Silverchair. Wer Lust, Laune und etwas Kleingeld hatte, konnte sich dazwischen zwar mit der unspektakulären B-Seiten-Sammlung „Rarities 1994 - 1999“ (10/2002), der opulenten CD/DVD-Box „Live From Faraway Stables“ (10/2003) – beide nur als teure Australien-Importe erhältlich –, sowie dem gelungenen Daniel-Johns-Sideproject The Dissociatives (07/2004) vergnügen, doch dem echten Fan dürfte selbst das zuwenig gewesen sein.

An die echten Fans richtet sich auch diese CD-Vorstellung, denn „Young Modern“ ist bis auf weiteres nur als Import erhältlich. Ob und wann das Album auf den deutschen Markt kommt, ist zum Zeitpunkt der Besprechung nicht bekannt. Vielleicht kommt es auch gar nicht in die hiesigen Läden. Diese Entscheidung hängt voll und ganz vom Vertrauen der Plattenfirma ab, die mit „Young Modern“ gewiss keinen Selbstläufer zur Vermarktung vorgelegt bekam. Denn trotz der langen Studiopause knüpft die Band um Mastermind Daniel Johns in den elf neuen Songs beinahe nahtlos an den Sound des bombastischen, von Orchesterklängen durchzogenen Vorgängers an, der das Silverchair-Fan-Lager in zwei Hälften spaltete.

Wiederum mit der Hilfe von Altmeister Van Dyke Parks, der in den Sechzigern mit Beach Boy Brian Wilson am legendären „Smile“-Album arbeitete, sowie Nick Launay (Midnight Oil, David Byrne, INXS) als Co-Produzent, eifert Daniel Johns mit komplizierten Arrangements und schwer zugänglichen Melodien, die durch den Einsatz des Prager Philharmonieorchesters noch verstärkt werden, seinen großen Vorbildern aus den 60er und 70er Jahren nach. Das darf sich im weitesten Sinn Pop-, aber bitte nicht Rockmusik nennen. Muss es auch nicht. Allerdings werden selbst die Hörer, die kein Grunge/Alternative-Rock-Album mehr von Silverchair erwarten, ihre liebe Mühe mit den verspielten Art-Pop-Liedern haben, die ihren offenkundigen Vorlagen selten das Wasser reichen können. Anspruch und Wirklichkeit liegen eben nicht grundsätzlich auf einer Linie.

Das klingt jetzt vielleicht schlimmer als es eigentlich ist, aber „Young Modern“ ist gemessen an den bandeigenen Ansprüchen nur Durchschnittskost. Dazu fragt man sich ständig, wen Daniel Johns und Co. mit ihrer neuen Marschroute erreichen möchten. Die meisten Kids werden mit altmodischen Mini-Operetten wie „Those thieving birds (Part 1 & 2)“ und „Strange behaviour“ bzw. netten Schunkelliedchen á la „The man that knew too much“ rein gar nichts anfangen können. Und das erwachsene Publikum wird allein durch den Namen Silverchair abgeschreckt. So ein Dilemma! Silverchair setzen sich gekonnt zwischen alle Stühle. Und das ziemlich heftig.

Anspieltipps:

  • Straight lines
  • Young modern station
  • Those thieving birds (Part 1)
  • Those thieving birds (Part 2)
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